Rauchender Schlot im chinesischen Jilin.
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Rauchender Schlot im chinesischen Jilin.
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Die Machtverhältnisse in der Welt verschieben sich - das wird beim Klima-Gipfel in Durban deutlich. In der Klimapolitik deutet sich eine historische Wende an: Im Fokus steht China, der CO2-Obereinheizer der Welt.
Durban –
Todd Stern ist sauer. So kennt man den Mann sonst gar nicht. „Löcheriger Schweizer Käse“, „Hintertürchen“, „eine Falle“. Der Klimaschutz-Gesandte der USA nimmt kein Blatt vor den Mund, als er nach den Chinesen gefragt wird. Diplomatische Zurückhaltung – Fehlanzeige. Die Nerven liegen blank beim obersten Repräsentanten der Weltmacht auf dem Klimagipfel im südafrikanischen Durban. Der Mann mit dem schmalen Gesicht und der randlosen Brille vermittelt unfreiwillig den Eindruck: Die Amerikaner haben Angst, sie könnten in der entscheidenden Phase die Kontrolle verlieren.
Die Machtverhältnisse in der Welt verschieben sich. Und genau das passiert auch im ICC-Kongresszentrum von Durban. In der Klimapolitik deutet sich eine historische Wende an. All die Jahre seit 1997, als der Kyoto-Vertrag aus der Taufe gehoben wurde, schafften es die US-Amerikaner, mit ihrer Bremser-Politik die jährlichen Megakonferenzen zu beherrschen. Sie stiegen ein und aus, torpedierten den Prozess, wo es ging, egal ob die Präsidenten Clinton, Bush jr. oder Obama hießen.
US-Emissäre spielen fast keine Rolle mehr
Diesmal aber, in Südafrika, machen die Emissäre der Supermacht eine neue Erfahrung. Sie spielen fast keine Rolle mehr. Das muss man erst einmal verkraften. US-Unterhändler Stern tut es auf seine Weise – und poltert los. In Durban wird klar: China, das Riesenland mit den 1,3 Milliarden Einwohnern, der neue CO2-Obereinheizer der Welt, steht im Focus. Xie Zenhua, der Pekinger Umweltminister, hat das geschafft.
Mehrheit tut nichts gegen Klimawandel
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Mehrheit tut nichts gegen Klimawandel
Nur etwa ein Drittel der Befragten achten auf ihre eigenen CO2-Emissionen. Foto: Marcus Brandt
Die Klimabewussten sparen vor allem beim Strom, heizen weniger und lassen das Auto öfter stehen. Foto: Frank Rumpenhorst
84 Prozent der Befragten meinen, dass es den Regierungen - etwa beim derzeitigen UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban - nicht gelingen werde, den Klimawandel zu stoppen. Foto: Elizabeth Ruiz
Zwar haben die meisten der Befragten keine konkrete Angst vor einer Klimakatastrophe, doch bewerten sie die Entwicklung des Klimas zumeist pessimistisch. Foto: Frank Rumpenhorst
Allein die Luftverschmutzung aus Industriebetrieben kostet jeden Bürger in der EU durchschnittlich 200 bis 330 Euro pro Jahr. Foto: Robert B. Fishman
Afrika ist schon jetzt ein Opfer des Klimawandels. Dabei verursacht niemand so wenig Treibhausgase wie der kaum entwickelte Kontinent. Nun sind die die finanziellen Erwartungen der Entwicklungsländer an die industrialisierte Welt gewaltig. Foto: Boris Roessler
Die meisten Deutschen haben ihren persönlichen Lebensstil angesichts des Klimawandels nicht verändert. In einer Forsa-Umfrage für das Hamburger Magazin «Stern» erklärten zwei Drittel, sie täten nicht mehr für den Klimaschutz als früher. Foto: Tim Brakemeier
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Am vergangenen Sonntag, kurz vor der zweiten Halbzeit, macht der Chinese in einem Gespräch mit Öko-Gruppen erstmals die Ansage, die Todd Stern so aus der Fassung bringt. China könne ab 2020 einem neuen, bindenden Klimavertrag beitreten. Bisher konnten die USA sicher sein: Peking bewegt sich nicht, wir bewegen uns nicht, prima. Kyoto ist tot. Wird nun alles anders?
Chinesisches Verwirrspiel
Dann freilich beginnt das Verwirrspiel, das China vielleicht sogar mit einkalkuliert hat. Am Montag wiederholt Xie seinen Vorstoß noch einmal auf einer offiziellen Pressekonferenz. Am Dienstag macht er einen Rückzieher. Er sucht auf einer Pressekonferenz demonstrativ den Schulterschluss mit den anderen Schwellenländern wie Indien und Brasilien, die sich in der „Basic“-Gruppe zusammengeschlossen haben. So geht es 20 Jahre zurück in der Zeitmaschine. Motto: Erst sind die Industrieländer dran, ihre historische CO2-Schuld zu begleichen. Indiens Umweltministerin Jayanthi Natarjan sagt, es sei falsch, von Schwellenländern CO2--Reduktion zu verlangen – „weil wir keine Emissionen verursachen“.
Vom Klimawandel bedrohte Tiere
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Vom Klimawandel bedrohte Tiere
Der Eisbär ist zum Symbol des Klimwawandels geworden. Denn an den Polen, wo das Eis schmilzt, zeigen sich die klimatischen Veränderungen besonders deutlich.
Foto: Greenpeace/dpa
Nicht nur beim Eisbär in der Arktis zeigt sich der Klimawandel - auch die Königspinguine in der Antarktis leiden unter den sich ändernden Wetterbedingungen.
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Korallenriffe reagieren heute schon empfindlich auf die steigenden Wassertemperaturen. Sie bleichen rascher aus und sterben ab.
Foto: Census of Marine Life/David Shale/dpa
Das Treibhausgas Kohlendioxid säuert die Weltmeere an. Der sinkende PH-Wert der Ozeane beeinträchtigt die Lebensbedingungen vieler Tiere, zum Beispiel der Seeigel.
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Auch der beliebte Speisefisch Kabeljau ist vom Klimawandel betroffen. Nicht genug, dass sein Bestand durch Überfischung stark dezimiert wurde. Warme Wintertemperaturen beeinflussen seinen Biorhythmus. Er legt seine Eier zu früh ab und viele Larven sterben, weil sie nach dem Schlüpfen nicht genug Nahrung finden.
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Das Hamburger NDR-Maskottchen Antje ist bereits seit 2003 tot. Ihre Artgenossen in der Arktis könnten es ihr bald gleich tun, denn Walrösser leiden ebenso wie andere Robbenarten unter der Eisschmelze.
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So wie auf die Ozeane, wirkt sich der Klimawandel auch auf die Bewohner der Lüfte aus. Einige Zugvögel-Arten finden ihre lebenswichtigen Rastplätze überschwemmt vor und Meeresvögel verhungern, weil die Fische in tiefere - kühlere - Gewässer abgetaucht sind.
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Auch die Landbewohner sind vom Klimawandel betroffen. Denn schreitet der weiter fort, werden sich die Vegetationszonen stetig in Richtung der Pole verschieben. Ihnen zu folgen ist für Tiere wie den Roten Panda kaum möglich - weil wir Menschen die Erde bereits zu dicht besiedelt haben.
Foto: Patrick Lux/dpa
Der Klimawandel bedroht nicht nur die Zukunft der Menschheit, sondern auch viele Tierarten weltweit. Der Koalabär etwa könnte zu den ersten Opfern der globalen Erwärmung gehören - denn Treibhausgase reduzieren den Nährstoffgehalt in Koalas Lieblingsspeise: Eukalyptusblättern.
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So etwas auch von China zu behaupten, wäre natürlich absurd. Das Land hat längst die USA als größten Treibhausgas-Produzenten überholt. Nach dem chinesischen Rückzug stehen die Fronten, zumindest auf den ersten Blick, wieder so, wie sie auf den letzten Klimagipfeln standen. Für die Europäer, die beim Durban-Gipfel noch ein halbwegs vorzeigbares Ergebnis erzielen wollen, wäre das ein Fiasko.
Deswegen versucht die EU, gegenüber China eine Doppelstrategie aus etwas Lob und viel Druck, um das Land doch noch zu klaren Zusagen zu bringen. Sie beabsichtigt, solche Länder einzuspannen, die besonders unter dem Klimawandel zu leiden haben – Staaten aus Afrika oder die pazifischen Inselstaaten. Sie sollen den Einheizer-Staat China davon überzeugen, den Weg für ein neues Klimaabkommen ab 2020 doch frei zu machen.
Der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) wird deutlich: „Wir müssen den Druck auf China aufrechterhalten.“ Der Gipfel geht noch bis Freitag, die Zeit läuft davon. Ohne eine Zusage Chinas werden die Kyoto-Staaten keine zweite CO2-Verpflichtungsperiode bis 2020 eingehen. Nicht nur Durban wäre gescheitert, sondern auch der Kyoto-Prozess praktisch tot. Das ist das, was Washington vorschwebt. Die UN hätten als oberste Instanz des Klimaschutzes ausgedient.
Zeugnisse des Klimawandels
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Zeugnisse des Klimawandels
Von 1990 bis 1995 gab es eine ungewöhnlich lange "El Nino"-Warmphase. Es wird für viele Tiere immer schwieriger, Nahrung zu finden, auch für Pinguine am Strand nahe Sydney.
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Weltweit ist ein Anstieg des Meeresspiegels um 10 bis 25 Zentimeter innerhalb der letzten 100 Jahre festzustellen, hauptsächlich als Folge der Ausdehnung des Wassers aufgrund der Erhöhung der Wassertemperatur. Kleine Inseln verschwinden als erste im Meer.
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In Alaska wird ein Anstieg der Oberflächentemperatur von 2 bis 4 Grad Celsius gemessen.
Foto: dubhe/cc-by
Über Land wird eine Zunahme der Wolkenbildung beobachtet.
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In den Alpen nimmt die Schneedecke rapide ab.
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In der Antarktis bricht das Schelfeis ab.
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Die Zukunft sieht düster aus. Weitere mögliche Auswirkungen des Klimawandels könnten zum Beispiel das Abschmelzen der Polkappen ...
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... oder ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels sein.
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Extreme Wetterereignisse könnten in Zukunft weiter zunehmen, wie zum Beispiel Überschwemmungen.
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Meeresströmungen könnten sich verschieben, mit den dadurch verbundenen extremen regionalen Klimaveränderungen.
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Der Klimawandel ist bereits heute deutlich zu spüren. In allen Erdteilen gibt es Veränderungen: In den Tropen wird eine Zunahme der Luftfeuchtigkeit festgestellt.
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Nicht alle Amerikaner finden das gut. Es gibt US-Umweltschützer, die über die Verweigerungshaltung ihrer Regierung verzweifelt sind. Jim Dougherty vom US-Umweltverband Sierra-Club zum Beispiel. „Unsere Verhandler sind starrsinnig“, klagt er. Viel Hoffnung in den Gipfel-Zirkus setzt Dougherty mehr. „Wir müssen zu Hause in den USA mehr Druck machen.“ Das kann dauern.