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Klimawandel
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07. Dezember 2011

Klima-Gipfel in Durban: Die Deutschen lässt der Klimawandel kalt

Sind der Eisbär und sein Lebensraum den Deutschen egal?  Foto: dapd

Während im fernen Durban die Staaten beim Klimagipfel um eine Verringerung der Treibstoffgase ringen, zucken die meisten Deutschen beim Thema Klimaschutz mit den Schultern. Eine Umfrage bringt an den Tag: Die meisten tun selbst nichts gegen den Klimawandel.

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Auf der UN-Klimakonferenz im fernen südafrikanischen Durban ringen die Staaten um eine stärkere Reduktion von Treibhausgasen - doch die meisten Deutschen scheint das kaum zu interessieren. Ihren persönlichen Lebensstil hat die Mehrheit angesichts des Klimawandels nicht verändert. In einer Forsa-Umfrage für das Hamburger Magazin „Stern“ erklärten zwei Drittel, sie täten nicht mehr für den Klimaschutz als früher. Nur etwa ein Drittel der Befragten sagte, sie achteten auf ihre eigenen CO2-Emissionen. Die Klimabewussten sparen vor allem beim Strom, heizen weniger und lassen das Auto öfter stehen.

Nicht einmal jeder dritte Deutsche fürchtet sich vor einer Klimakatastrophe. Nur 31 Prozent sind beängstigt angesichts der dramatischen Folgen einer solchen Entwicklung für Umwelt und Natur. Eine große Mehrheit von 84 Prozent meinten, dass es den Regierungen - etwa beim derzeitigen UN-Klimagipfel im südafrikanischen Durban - nicht gelingen werde, den Klimawandel zu stoppen.

Röttgen will außereuropäische Staaten ins Boot holen

Damit könnten sie richtig liegen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) räumte im ARD-"Morgenmagazin" ein: „Es ist es nicht realistisch, dass hier ein Abkommen unterzeichnet wird.“ Röttgen forderte in Durban, wo noch bis Freitag Vertreter aus 194 Staaten über wirksame Maßnahmen zum Klimaschutz beraten, von den außereuropäischen Ländern mehr Einsatz zur Reduzierung von CO2-Emissionen. „Die Europäer und insbesondere Deutschland müssen bereit sein zu verpflichtenden Reduzierungen von CO2-Emissionen. Wir müssen aber auch die anderen ins Boot holen“, sagte Röttgen im „Morgenmagazin“.

Den Schlüssel für das Gelingen der Klimakonferenz sieht Röttgen in den Händen von China. „Wenn es zu einer tatsächlichen Bewegung von China kommen sollte, würde damit die politische Landschaft anders aussehen“, sagte Röttgen in Durban. Es habe sich aber herausgestellt, dass dies derzeit noch nicht der Fall sei. „Wir müssen den Druck auf China aufrechterhalten, sich nun auch tatsächlich zu bewegen“, fügte er hinzu. Die Rolle der USA bewertet Röttgen hingegen skeptisch. Die Situation in den Vereinigten Staaten sei „anhaltend bedauerlich“. Es bestehe „nicht der Hauch einer Erwartung“, dass ein möglicher Klimakompromiss überhaupt eine Mehrheit finden könnte.

Brasilien schockt mit "Kahlschlag"-Gesetz

Für Ärger beim Klimagipfel sorgte die Ankündigung Brasiliens, den Schutz des Regenwaldes und ökologisch sensibler Gebiete zu schwächen. Der Senat in der Hauptstadt Brasilia billigte die heftig umstrittene Novelle des Waldgesetzes in der Nacht mit 59 Ja- und sieben Nein-Stimmen. Der Gesetzentwurf geht nun zur Abstimmung ins Parlament, bevor er Präsidentin Dilma Rousseff zur Unterschrift vorgelegt wird. Das Verfahren soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Umweltschützer sehen in dem Text einen Freibrief für weiteren Kahlschlag im Amazonas-Gebiet.

Die Änderungen sehen unter anderem Straffreiheit für bis Juli 2008 vorgenommene illegale Abholzungen vor, wenn die betroffenen Flächen wieder aufgeforstet werden. Kleinere Landbesitzer bis etwa 400 Hektar Fläche sollen auch von dieser Auflage befreit werden. Vorgesehen ist zudem landwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten an Hangflächen auszuweiten, Schutzzonen an Flussufern zu verringern und gesetzlich fixierte Mindestquoten für Naturflächen unter bestimmten Bedingungen zu reduzieren.

Dem Gesetzentwurf ist seit Jahren Kern eines erbitterten Streits zwischen der Agrar-Lobby und Umweltschützern. Präsidentin Rousseff hatte 2010 im Wahlkampf versprochen, keinem Entwurf zuzustimmen, der illegale Abholzung begünstige oder Amnestie-Regelungen enthalte. Gegner des Entwurfs fordern nun ihr Veto.

Brasilien hat sich international zum Klimaschutz verpflichtet und will dazu bis 2020 die Abholzung um 80 Prozent reduzieren. 2012 findet in Rio de Janeiro der UN-Umweltgipfel «Rio+20» statt.

Umweltschützer fürchten um Millionen Hektar Regenwald

Die Umweltorganisation WWF reagierte entsetzt auf die Entscheidung in Brasilia. Damit werde der Weg bereitet "für die Zerstörung von 76,5 Millionen Hektar Regenwald, einer Fläche so groß wie Deutschland, Österreich und Italien zusammen." Das neue Forstgesetz hätte einen zusätzlichen Ausstoß von bis zu 28 Milliarden Tonnen CO2 zur Folge: "Das entspräche etwa dem Treibhausgassaustoß von Deutschland in drei Jahrzehnten." WWF-Vorstand Eberhard Brandes bezeichnete das Votum des brasilianischen Senats als „kurzsichtige Fehlentscheidung mit Folgen für die ganze Welt“. Brasilien torpediere mit dieser Entscheidung den weltweiten Wald- und Klimaschutz. (dpa/afp/dapd)

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