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Klimawandel
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18. Dezember 2015

Klima: Neue Wege gehen fürs Klima

 Von 
Europas größter Gletscher, der Große Aletschgletscher, schrumpft immer schneller.  Foto: REUTERS

Die Staatengemeinschaft hat sich viel vorgenommen bei der jüngsten Welt-Klimakonferenz in Paris: Sie will den Klimawandel entschlossen bekämpfen und seine Auswirkungen möglichst gering halten. Wie die deutsche Wirtschaft auf das Pariser Abkommen reagiert: Ein Überblick.

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Die Staatengemeinschaft hat sich viel vorgenommen bei der jüngsten Welt-Klimakonferenz in Paris: Sie will den Klimawandel entschlossen bekämpfen und seine Auswirkungen möglichst gering halten. Der Anstieg der durchschnittlichen Temperaturen soll bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 bis zwei Grad Celsius begrenzt werden. Damit dies gelingt, muss die Menschheit ihren Treibhausgas-Ausstoß radikal reduzieren.

Schon 2050 sollen nur noch so viel Klimagase in die Luft geblasen werden dürfen, wie sich gleichzeitig aus der Atmosphäre ziehen lassen – etwa durch aufgeforstete Wälder oder Technologien zur Kohlendioxid-Speicherung. Machen die Staaten ernst mit ihren Ankündigungen, wird dies weitreichende Folgen haben für die Art, wie Menschen leben und wirtschaften: Es geht darum, sich Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas zu befreien. Neue Technologien müssen her, die Produktion und Verkehr sauberer machen.

Was bedeutet das Klimaabkommen von Paris für die deutsche Wirtschaft? Fest steht, dass es Transformationsprozesse beschleunigen oder gar auslösen wird. In einigen Branchen lässt sich mittlerweile schon recht gut erkennen, wohin die Reise geht. In anderen Sektoren ist das überhaupt noch nicht klar. Ein Überblick.

 Foto: picture alliance / ZB

Chemie: Wenig Neigung zum Klimaschutz
Deutschland gehört zu den führenden Chemie-Standorten, Branchengrößen wie BASF oder Bayer sind hier zu Hause. Der Sektor verbraucht viel Energie und klimaschädliche Rohstoffe wie etwa Erdöl, der Wettbewerbsdruck ist stark. Die Neigung der Unternehmen, mehr für den Schutz der Atmosphäre zu tun, hält sich entsprechend in Grenzen. Das jedenfalls machte der Branchenverband VCI unmittelbar nach der Klimakonferenz von Paris deutlich: „Das Abkommen bietet keine Grundlage für Deutschland und die EU, die Ziele und Maßnahmen zum Klimaschutz noch weiter zu verschärfen“, sagte Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Er sieht vor allem Länder wie China und Indien in der Pflicht, ihren Kohlendioxid-Ausstoß deutlich zu senken. Die Europäische Union betreibe Klimaschutz ohne Rücksicht auf die Wettbewerbsfähigkeit, ein Trend zur Abwanderung von Unternehmen sei erkennbar, so der Verband der Chemischen Industrie.Allerdings: Die Branche wird auch gebraucht, um die Energiewende und damit den Klimaschutz voranzubringen.

Bei der Entwicklung der Elektromobilität etwa kommt der Chemie eine Schlüsselrolle zu. Sie liefert wichtige Vorprodukte für die Batteriehersteller.

 Foto: REUTERS

Automobil: Die Zukunft gehört dem Elektromotor
Deutschland ist ein Autoland. Es hat einen großen Fahrzeugbestand und eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Hunderttausende Menschen arbeiten in der Automobilwirtschaft. Das Auto ist aber auch ein Klimakiller ersten Ranges, mehr als 40 Prozent aller verkehrsbedingten CO2-Emissionen entfallen in Deutschland auf Personenwagen. Das Thema Spritsparen stand für die hiesigen Hersteller in der Vergangenheit nicht im Fokus. Sie setzten auf schwere, große Modelle. Kraftstoff ist derzeit billig. Damit entfällt ein Anreiz, um sparsame Motoren oder alternative Antriebsarten voranzubringen. Dabei sind sich viele Fachleute einig: Die Zukunft gehört dem Elektromotor.

Idealerweise kommt der Strom dafür von Windrädern und Solaranlagen. In wenigen Jahren wird die Batterie-technik so weit sein, dass ein Elektromobil mit einer Ladung 500 Kilometer fahren kann. Wenn die Stückzahlen steigen, sinken auch die Preise. Hersteller wie Renault-Nissan versuchen bereits mit erheblichem Aufwand, dem Elektroantrieb zum Durchbruch zu verhelfen. Auch Volkswagen hat versprochen, als Lehre aus dem Abgas-Skandal die Elektromobilität zu forcieren. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will bis zum Ende des Jahrzehnts eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen. Bisher sind es erst wenige Zehntausend.

 Foto: REUTERS

Stahl: Zu harte Konkurrenz aus China
Der bundesdeutschen Stahlbranche geht es wie der Chemie: Sie verbraucht riesige Mengen Energie für ihre Produktion. In diesem Fall sind das insbesondere klimaschädliche Kohle und außerdem Strom. Die Möglichkeiten zur Optimierung sind nach Angaben von Fachleuten weitgehend ausgeschöpft. Zugleich leidet die Branche derzeit unter einem beträchtlichen Preisverfall, weil China große Mengen Stahl zu Billigpreisen auf den weltweiten Markt wirft.

Die Bereitschaft der deutschen Stahlkocher, noch mehr für den Klimaschutz zu tun und beispielsweise Preissteigerungen bei CO2-Zertifikaten hinzunehmen, ist entsprechend gering. Es müsse „nun darauf geachtet werden, dass der Stahlindustrie in Europa keine einseitigen Kostenbelastungen aufgebürdet werden, die im internationalen Wettbewerb nicht verkraftbar sind“, sagte am Freitag der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff.

Doch auch für die Stahlbranche gilt: Ihre Produkte werden gebraucht, wenn die Wirtschaft insgesamt klima- und umweltfreundlicher werden soll. Ohne Stahl dreht sich kein Windrad – und ohne Stahl gibt es auch keine verbrauchsarmen Maschinen, Kraftfahrzeuge oder Züge.

 Foto: REUTERS

Landwirtschaft: Gasausstoß im großen Stil
Die Agrar-Lobby konserviert gern das Klischee vom Bauern als Gutmenschen, der sich selbstlos um Landschaft und Tiere kümmert. Tatsächlich ist die derzeit praktizierte Nahrungsmittelproduktion aber ein ernstes Problem für das Weltklima.
Bei der Viehhaltung entstehen zum Beispiel große Mengen des Klimagases Methan, bei der Verwendung von Stickstoffdüngern wiederum wird im großen Stil Lachgas freigesetzt.

Durch den Transport von Lebensmitteln, häufig auch per Flugzeug rund um den Globus, entsteht viel Kohlendioxid. All diese Probleme ließen sich durch einen schonenderen Landbau, weniger Fleischkonsum und mehr regionale Produkte mindern. Die Branche selbst mag es nur bedingt, wenn man sie an ihre Verantwortung für den Klimaschutz erinnert. „Die Landwirtschaft darf nicht zum Sündenbock der Klimaretter werden“, forderte unlängst Agrarminister Christian Schmidt (CSU). Doch die Land- und Forstwirtschaft kann auch einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten: Pflanzen binden Kohlendioxid.

Und viele Bauern sind bereits jetzt Akteure der Energiewende, indem sie Biogasanlagen betreiben, Solarmodule auf die Dächer ihrer Scheunen schrauben oder Windräder auf ihren Feldern errichten.

 Foto: REUTERS

Energie: Abschied von der Kohleverstromung
Für Deutschland als weltgrößten Braunkohleproduzenten ist der Abschied von Kohle, Gas und Öl eine besondere Hausforderung. Nach dem Beschluss zum Atomausstieg ist die Energiewende bereits im vollen Gang, der Ökostrom-Boom hat die Stromkonzerne ins Wanken gebracht. Bis zur Mitte des Jahrhunderts will die Regierung den Treibhausgas-Ausstoß um bis zu 95 Prozent unter das Niveau von 1990 drücken. Das wird ohne einen Ausstieg aus der Kohleverstromung nicht möglich sein. Rund 40 Prozent der deutschen CO2-Emissionen entfallen auf die Energiewirtschaft.

Das Pariser Abkommen gibt all jenen Rückenwind, die sich für einen geordneten Kohleausstieg stark machen. Dazu gehört auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Noch fehlt es ihr an öffentlicher Unterstützung von Wirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Angesichts der kritischen Lage der deutschen Stromkonzerne müsste diesem aber auch daran gelegen sein, den Kohleausstieg zu organisieren. Das könnte die Unternehmen stabilisieren, denn sie erhielten Planungssicherheit. Das Thema ist sensibel: In der Braunkohle-Branche arbeiten knapp 21 000 Beschäftigte.

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