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Klimagipfel: Die Mogelpackung von Durban

Die Beschlüsse von Durban sind ein leeres Paket, sagt WWF-Expertin Regine Günther. Weder sei der Vertrag rechtsverbindlich, noch sei geklärt, woher das Geld für den Klimafonds kommen soll. .

Nur wenn sich der CO2-Ausstoß schnell und drastisch verringert, lässt sich die globale Erderwärmung begrenzen.
Nur wenn sich der CO2-Ausstoß schnell und drastisch verringert, lässt sich die globale Erderwärmung begrenzen.
Foto: Foto: dpa

Frau Günther, was bringt die Durban-Einigung dem Klima?

Das ist vollkommen offen. Man hat ein glänzendes Paket geschnürt, aber es ist fast leer. Die Regierungen haben sich zwar darauf geeinigt, ab 2020 zusammenzuarbeiten. Aber wie genau – das ist offen.

        

Regine Günther leitet den Bereich Klimaschutz der Umweltstiftung WWF.
Regine Günther leitet den Bereich Klimaschutz der Umweltstiftung WWF.
Foto: dpa

Was fehlt Ihnen beim Auspacken des Pakets?

Beim letzten Gipfel in Cancún haben die 194 Staaten zugesichert, das Zwei-Grad-Erwärmungslimit einzuhalten. Dafür hätte jetzt klargemacht werden müssen, wie die Lücke zwischen diesem Ziel und den bisherigen freiwilligen CO2 -Zielen geschlossen werden soll. In Durban gab es keine Antwort darauf. Außerdem ist offengeblieben, wie rechtsverbindlich der Klimavertrag sein wird, der nun ab 2020 greifen soll. Und dann hat man zwar einen großen Klima-Hilfsfonds beschlossen, aber nicht beantwortet, woher das Geld kommen soll.

Mehrheit tut nichts gegen Klimawandel

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Wäre es besser gewesen, den Gipfel platzen zu lassen?

Man hätte ihn nicht platzen lassen sollen, aber unterbrechen und in einem halben Jahr fortsetzen – so hat man das nach dem ergebnislosen Gipfel in Den Haag im Jahr 2000 bereits einmal gemacht. Dann wäre hoffentlich mehr herausgekommen.

Hätte die EU die Reißleine ziehen sollen

?Die Europäer haben gekämpft, konnten sich aber nicht gegen die Übermacht der anderen Interessen durchsetzen, vor allem die USA und Kanada haben blockiert. Momentan war wohl nicht mehr drin.

China wir bald das wichtigste Land für den Klimaschutz sein, die Pro-Kopf-Emissionen nähern sich denen in EU-Ländern an. Hätte die EU nicht stärker auf Peking zugehen müssen?

Die Chinesen zeigten anfänglich eine gewisse Offenheit, sich stärker zu beteiligen, igelten sich dann aber wieder ein. Innerhalb der Pekinger Delegation wurde heftig um die richtige Position gerungen. Dass die EU etwas hätte bewirken können, ist reine Spekulation.

Gibt es Alternativen zu dem langsamen Kyoto-Prozess?

Die Vorreiterländer wie Deutschland müssen begleitend zu diesem Prozess weiter vorangehen, zu Hause mit der Energiewende und international mit Klima-Kooperationen mit anderen Ländern – etwa durch gemeinsame Energietechnologie-Projekte und Waldschutz. Vor allem aber muss auch die EU endlich ihrer Vorreiterrolle gerecht werden und ihr eigenes Treibhaus-Reduktionsziel für 2020 von 20 auf 30 Prozent erhöhen.

Wäre es nicht einfacher, die Verhandlungen in der Runde der G20-Länder voranzutreiben, die 80 Prozent der Emissionen erzeugen?

Das sieht auf den ersten Blick so aus. Aber erstens sperren sich weite Teile der G20 bisher dagegen, den Klimaschutz dort ernsthaft zu verhandeln. Und zweitens sitzen die großen Blockierer ja auch mit am Tisch. Es ist nicht zu erwarten, dass sie dort anders agieren. Außerdem entstünde ein Gerechtigkeitsproblem: Die am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder hätten dann nichts mehr zu melden. Wer würde dann noch dafür kämpfen, dass die kleinen pazifischen Inselstaaten nicht untergehen?

War es also richtig, dass die EU in Durban eine Allianz mit den armen Entwicklungsländern eingegangen ist?

Das war strategisch richtig, um zu zeigen, dass Industrie- und Entwicklungsländer letzten Endes doch gemeinsame Interessen haben: Sie müssen den Planeten lebenswert erhalten.

Das Gespräch führte Joachim Wille.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  12 | 12 | 2011
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