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Klimawandel
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01. Dezember 2015

Klimagipfel: Grund zur Hoffnung in Paris

 Von 
Solarfabrik in Indien: Erneuerbare Energien sind inzwischen ein Milliardenmarkt.  Foto: AFP

Umweltschützer sehen bei dem Klimagipfel in Paris eine nie dagewesene Dynamik. Kein Staat bestreitet mehr die Pflicht zum Handeln, sogar China und die USA arbeiten endlich zusammen.

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Das große Politikspektakel ist vorbei. Die letzten der 150 Staats- und Regierungschefs, die sich zum Auftakt der Pariser UN-Klimakonferenz die Ehre gegeben hatten, haben Paris am Dienstag verlassen. Zurückgeblieben ist der Eindruck, dass der Aufwand nicht vergebens war. Aus Sicht Beobachterstatus genießender Umweltschützer hat das Gipfeltreffen einiges in Bewegung gebracht. Oder wie es der Franzose Yannick Jadot formuliert, Europaabgeordneter der Grünen: „Wir sind Zeugen einer Klimaschutzdynamik, wie es sie noch nie gegeben hat.“ Was freilich nicht heißt, dass die entfesselten Kräfte konstruktiver Natur sind. Sie könnten sich genauso gut gegenseitig neutralisieren, wenn nicht scheinbar Gesichertes noch zum Einsturz bringen, sagt Jadot.

Der 48-jährige Wirtschaftswissenschaftler, der in Burkina Faso und Bangladesch für Umweltschutz und Entwicklung gestritten hat, sitzt mit Emmanuelle Cosse, der Chefin der französischen Grünen, und dem Grünen-Senator Ronan Dantec im Konferenzzentrum an einem kleinen Tisch und zieht mit den Parteifreunden Zwischenbilanz. Wie steht es also um die Chancen eines Klimaschutzabkommens, das den Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf die von Experten einhellig als Maximum ausgewiesenen zwei Grad begrenzt?

Sie stehen zumindest besser da als je zuvor. Da sind sich die drei einig. „Die Zeiten, da sich die großen Klimasünder USA und China gegenseitig die Schuld zuschoben, um das eigene Nichtstun zu rechtfertigen, sind vorbei“, stellt Jadot zufrieden fest. Kein Staat bestreite mehr, dass er in der Pflicht stehe, seinen Teil zum großen Ganzen beizutragen. Für die Grünenvorsitzende Cosse ist „die wirklich spannende Frage nun, in welchem Ausmaß es in den nächsten Tagen gelingen wird, die Pflicht zu Nachbesserungen ins Klimaschutzabkommen aufzunehmen“. Bliebe es beim bisher angebotenen Verzicht auf Treibhausgas-Emissionen, würden die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um drei Grad steigen. Jadot erhofft sich dabei nicht zuletzt von der Wirtschaft Impulse, der die Politik zum Auftakt der Klimakonferenz bedeutet habe: Investitionen in erneuerbare Energien versprechen wachsenden Gewinn.

Kohle und Gas lohnen sich nicht mehr

Martin Kaiser, Klimaexperte von Greenpeace Deutschland, sieht das ähnlich. Ein paar Tische weiter zieht auch er Zwischenbilanz. Zum Auftakt des Klimagipfels habe die Weltwirtschaft das so wichtige Signal vernommen, dass sich Investitionen in die fossilen Energieträger Erdöl, Gas und zumal Kohle immer weniger bezahlt machten, sagt Kaiser. Weltweit hielten neue Leitbilder Einzug in die öffentliche Debatte.

Einig sind sich Frankreichs Grüne und der Greenpeace-Experte auch, was die Boykotteure des Fortschritts betrifft. Hier wie da fallen dieselben Namen: Venezuela, Saudi-Arabien, Indien.

Die Gründe des Widerstands sind unterschiedlich. Wirtschaftssystem und Wohlstand Venezuelas und zumal Saudi-Arabiens gründen auf dem Erdölreichtum dieser Länder. Die Neigung, sich von ihm zu verabschieden, ist entsprechend gering. Indien wiederum pocht auf das Recht, im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung die Kohlevorkommen des Landes zu nutzen. Dass Klimasünder wie die USA, die auf Kosten der Umwelt reich geworden seien, Verzicht predigten und Indien Kohlekraftwerke verbieten wollten, leuchtet in Delhi nicht ein.

Kann ein Klimaschutzabkommen, das doch im Konsens zu verabschieden ist, also an diesen drei Ländern scheitern? Es kann, glaubt Kaiser. Der Klimaexperte, der als Beobachter an den Pariser Verhandlungen teilnimmt, hat festgestellt, „dass ein einzelnes Veto von den anderen Staaten entschlossen ignoriert und als Konsens verkauft wird“. Bei zwei oder drei Gegenstimmen, fügt er hinzu, gelte das aber nicht mehr. Dann bleibe nur noch die Möglichkeit, Strittiges auszuklammern oder aber ein Abkommen ohne Beteiligung der Boykotteure zu schließen. Die französische Präsidentschaft der Klimakonferenz lege freilich großen Wert darauf, dass die ganze Welt unterzeichne.

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