Klimawandel

01. August 2012

Klimaveränderung in der Arktis: Die Antarktis war mal tropisch

Die Terra Nova Bay in der Antarktis bedeckt von Eis. Das war nicht immer so. Foto: dpa

Vor 52 Millionen Jahren besteht die heutige Küste der Antarktis aus einem tropischen Regenwald, finden Forscher der Universität Frankfurt heraus. Wenn sich das wiederholt, sieht es für Deutschland schlecht aus.

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Wimmelndes Leben, dichter tropischer Wald - so muss einer der unwirtlichsten Orte der heutigen Erde vor 52 Millionen Jahren ausgesehen haben. Vor der Küste der Antarktis holten Wissenschaftler der Universität Frankfurt und des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F/Frankfurt) uraltes Material herauf. In den Bohrkernen, die bis in 1000 Meter Tiefe unter dem Meeresboden reichten, fanden sie Pollen und Sporen, Reste eines tropischen bis subtropischen Regenwaldes. Die im Fachjournal „Nature“ vom Donnerstag veröffentlichte Studie belege einen Regenwald an der Küste der Antarktis vor rund 52 Millionen Jahren, wie er heute nur in den Tropen vorkomme, teilte das BiK-Forschungszentrum mit.

Doppelter CO2-Gehalt

„Es war damals dort 50 bis 60 Grad wärmer als heute“, sagte Paläoklimatologe Prof. Jörg Pross. Für diese klimatischen Verhältnisse seien der hohe Gehalt an Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre und warme Meeresströmungen verantwortlich gewesen. Die CO2-Konzentration sei mehr als doppelt so hoch gewesen wie heute. Der Blick in die Vergangenheit erlaube eine Prognose für das künftige Klima auf der Erde: „Wenn der derzeitige CO2-Ausstoß durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe ungehindert voranschreitet, werden atmosphärische CO2-Konzentrationen, wie sie damals herrschten, wahrscheinlich in wenigen hundert Jahren erreicht sein“, sagte Pross.

Deutsche Städte würden versinken

Wenn der globale Meeresspiegel um 70 bis 80 Meter steige - das wäre durch ein Abschmelzen der Eismassen in einem künftigen Treibhaus-Klima nach Einschätzung der Forscher langfristig unvermeidbar - , würden große Teile Deutschlands im Wasser versinken, sagte Pross: Norddeutschland wäre überflutet, Köln läge 30 Meter unter dem Meeresspiegel, Mainz und Leipzig wären Hafenstädte. Die Amerikanische Ostküste läge komplett unter dem Meeresspiegel; von der New Yorker Freiheitsstatue ragten noch 20 Meter aus dem Wasser.

Anhand der Pollen und Sporen rekonstruierten die Forscher die Pflanzenwelt: Wo heute der antarktische Eispanzer liegt, gediehen damals offenbar extrem frostempfindliche Pflanzen wie Palmen und Vorläufer der heutigen Affenbrotbäume. (dpa)

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