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14. Dezember 2014

Klimawandel China: Vom Smog bezwungen

 Von Inna Hartwich
Aktivisten fordern von einigen Teilnehmerstaaten Lösungen für den Klimawandel.  Foto: AFP

Zu Hause setzt China zaghaft auf mehr Umweltschutz, doch in Lima gibt es sich bockig.

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Manchmal klappt es tagelang mit dem blauen Himmel in China. Keine grünlich-braune Schicht, die über den Häusern hängt, kein Augentränen, kaum Husten. Ein Gewaltakt ist dafür nötig, um die über Jahre verdreckten Städte mit smogfreier Luft zu versehen. Dass Chinas Kommunistische Partei dazu in der Lage ist, hat sie erst kürzlich zum Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Peking bewiesen. Tausende Fabriken mussten schließen, Baustellen lagen still, nur noch wenige Autos fuhren durch die Straßen. Doch selbst dabei musste die Zentralregierung auf passende Wetterbedingungen hoffen. Ohne starken Wind ließ sich der giftige Nebel trotz umfangreicher Verbote nicht aus der Stadt verjagen.

Dass Hauruck-Aktionen wie diese langfristig ohnehin wenig bewirken, das wissen an sich auch die Chinesen. Sie sind es selbst, die die übelriechenden Feinstaubpartikel in hohen Mengen einatmen und sich als „menschliche Staubsauger“ bezeichnen. 92 Prozent der chinesischen Städte erreichten im vergangenen Jahr den nationalen Luftqualitätsindex nicht. China kämpft zudem mit Wetterextremen. Die Zahl der Taifune steigt, die Gletscherfläche ist seit den 1950er Jahren um zehn Prozent geschrumpft. Vor allem Chinas Norden leidet unter Wasserknappheit. In den vergangenen 60 Jahren seien 28 000 Flüsse einfach so verschwunden, steht in einem Bericht des chinesischen Ministeriums für Wasserreserven.

Größter Klimasünder

Für ein besseres Klima müsste ein genereller Strukturwandel her. Ein Schwenk zu solch einer Umkehr blitzte kurz auf, als Chinas Präsident Xi Jinping und sein US-amerikanischer Amtskollege Barack Obama im November überraschend neue Klimaschutzziele verlauten ließen: Während die Chinesen bis spätestens 2030 den Höhepunkt ihrer CO2-Emissionen erreicht haben wollen, kündigten die USA an, den Ausstoß an Treibhausgasen spätestens bis 2025 um 25 bis 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu drücken. Wie ernst aber kann es China mit einer solchen Wende sein?

Bei der Klimakonferenz in Lima zeigte sich die Volksrepublik lange in ihrem alten Element und gab wieder einmal den Bremser. Da man zunächst keine ausdrückliche Unterscheidung zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern mehr machen wollte, zog Peking sich zurück. Die Chinesen, die stets darauf beharren, ein Entwicklungsland zu sein, finden es seit jeher unfair, ihr Wachstum für Klimaschutz zu opfern. Dabei stößt ein Chinese jährlich durchschnittlich 7,2 Tonnen CO2 aus, ein Amerikaner liegt mit 16 Tonnen weit drüber, ein Europäer verbraucht 6,8 Tonnen.

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Hochgerechnet bläst China jedoch fast doppelt so viel Treibhausgase in die Luft wie die USA, es verbraucht mit vier Gigatonnen Kohle fast so viel wie der Rest der Welt zusammen. Damit ist das Land der größte Klimasünder der Welt, allerdings auch der größte Hoffnungsträger. Wenn die Chinesen nicht mitziehen, scheitert der Plan, die Emissionen auf Dauer zu verringern.

Die Chinesen setzen sich durchaus auch stark für erneuerbare Energien ein. Im vergangenen Jahr investierten sie etwa 56 Milliarden US-Dollar in Sonnen- und Windkraft. Das ist Weltrekord. Gleichzeitig aber arbeiten sie am Ausbau ihrer Kohlekraftwerke. Die Kohlelobby in den Provinzen Shanxi und der Inneren Mongolei lässt sich von der Zentralregierung bisher kaum bremsen. Fabrikschließungen bergen ein hohes soziales Risiko. Vor dem Aufstand der Massen hat die Partei große Angst. So hält sie am Alten fest und sorgt so für den steigenden Wohlstand der Menschen, den sie einst versprochen hatte.

Der Gipfel in Lima zeigt, dass China internationale Verpflichtungen weiterhin ablehnt. Das Land lässt sich lediglich auf Unverbindliches ein. Damit bleibt es flexibel und kann innenpolitisch herumlavieren.

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