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Klimawandel
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14. Dezember 2014

Klimawandel: Nachholen, was in Kyoto verpasst wurde

 Von 
Herrmann Ott ist beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Davor war er für die Grünen im Bundestag .  Foto: Privat

Klimaexperte Herrmann Ott erklärt im Interview, warum Klimakonferenzen nur im Schneckentempo funktionieren, aber trotzdem sinnvoll sind und wie eine Alternative aussehen könnte.

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Herr Ott, Lima hat nur einen Minimal-Kompromiss gebracht. Warum funktionieren die Klimakonferenzen seit Jahren nur im Schneckentempo?
Weil 1997 auf dem Kyoto-Gipfel eine Fehlentscheidung getroffen worden ist: Anstatt das Kyoto-Protokoll nur für diejenigen Staaten zu öffnen, die wirklich Klimaschutz wollen, durften auch die Bremser, zum Beispiel die Erdöl produzierenden Staaten, beitreten. Und die haben auch dafür gesorgt dass es keine Mehrheitsentscheidungen gibt, sondern alles einstimmig entschieden werden muss. Herrliche Bedingungen für Bremser und Zerstörer und ein unhaltbarer Zustand!

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Haupt-Knackpunkt ist, dass die Schwellenländer nicht ähnliche CO2-Reduktionspflichten übernehmen wollen wie die Industrieländer. Ist diese Position nicht überholt? China heizt dem Globus inzwischen genauso ein wie die EU oder die USA.
Das stimmt. Dennoch ist der Ansatz vor allem der USA falsch, überhaupt keine Unterschiede mehr zu machen. Staaten wie China oder Indien haben ein sehr feines Gespür dafür, ob ihre besondere Lage anerkannt wird oder nicht.

Ist es überhaupt sinnvoll, die Klimagipfel fortzuführen?
Ja, diese globalen Klimakonferenzen machen weiter Sinn. Aber man sollte keine Dinge erwarten, die sie nicht leisten können. Und sie sind eben nicht geeignet, um die erforderlichen Minderungen für Treibhausgase zu vereinbaren. Wir brauchen eine „Klimapolitik der unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, keinen Einheitsbrei für alle.

Wie sähe eine Alternative aus?
Es muss das nachgeholt werden, was 1997 verpasst worden ist: neben der globalen Konvention muss ein Vertrag der Klimaschützer geschaffen werden. Da kämen eine ganze Menge Länder in Frage: In Europa neben Deutschland zum Beispiel auch Dänemark, Frankreich, Schweden, Portugal. In Afrika Marokko und Südafrika. In Südamerika Peru, Panama, Kolumbien, Chile, Costa Rica, Mexiko und Brasilien. In Asien Südkorea, die Philippinen und Bangladesch. Und sowieso alle kleinen Inselstaaten, die vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht sind. Warum sollen diese Staaten sich nicht zusammentun und ihre Kräfte bündeln? Das muss allerdings außerhalb der UN-Verhandlungen geschehen – denn das Konsensprinzip führt dazu, dass eine solche Gruppe die Zustimmung aller anderen Staaten bräuchte. Völlig absurd!

Einen lockeren Club der Klimafreunde hat bereits der frühere Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gegründet. Der hat bisher wenig gebracht...
Das war ein Anfang, aber leider war dieser Club nur als Gesprächsrunde konzipiert. Was wir aber brauchen ist ein Action-Club von Staaten die Ergebnisse sehen wollen. Man könnte diesen Altmaier-Club aber als Ausgangspunkt nehmen und zu einem schlagkräftigen Klima-Club der Vorreiter ausbauen. Hier ist Umweltministerin Hendricks gefragt – und könnte so nebenbei zu einer Leuchtfigur der internationalen Klimapolitik werden.

Interview: Joachim Wille

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