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Klimawandel: Tschüss Fichte, willkommen Sudan-Gras

Die Erderwärmung ist in vollem Gange und Deutschland war 2009 mittendrin. Das wird den deutschen Wald und unsere Felder stark verändert, prophezeien Klimaforscher. Von Steven Geyer

Die Erderwärmung wird die Felder in Deutschland stark verändern.
Die Erderwärmung wird die Felder in Deutschland stark verändern.
Foto: ddp

Berlin. Nein, es gibt keine Entwarnung. Auch wenn der vergangene Winter der kälteste seit 15 Jahren und der schneereichste seit 30 Jahren war; und auch wenn uns der vorige Sommer als kurz und verregnet in Erinnerung blieb - die Erderwärmung ist dennoch in vollem Gange. Das betonte der Deutsche Wetterdienst am Dienstag bei der Vorstellung seines jährlichen Klimaberichts.

"Das Jahr 2009 brachte zwar keine neuen Rekorde, es hat den Erwärmungstrend der vergangenen Jahrzehnte aber klar bestätigt", sagte Gerhard Müller-Westermeier, leitender Klimaanalysist der Bundesbehörde. "Ein einzelner kalter Winter ist kein Beleg für eine Trendwende." Es sei normal, dass die hiesigen Wintertemperaturen um rund zehn Grad schwanken. So sei trotz der Erwärmung unserer Durchschnittstemepraturen von gut einem Grad weiterhin mit kalten Wintern rechnen, sagte Müller-Westermeier. "Angesichts des Klimawandels dürften sie aber seltener werden."

Insgesamt habe 2009 auch ohne neue Rekordwerte genau im Trend des Klimawandels gelegen, sagten die Forscher: Es war erneut zu warm - in Deutschland, in Europa und weltweit. Hierzulande erreichte das Jahr einen Durchschnitt von 9,2 Grad Celsius. Zwar hat der Wetterdienst seine Daten durch Digitalisierung handschriftlicher Aufzeichnungen bis zurück ins Jahr 1881 erweitert.

Doch auch innerhalb dieses Zeitraums gab es nur 12 Jahre, die wärmer waren als 2009 - wobei unter den wärmsten zehn Jahren neun seit 1989 gemessen wurden. Im Vergleich zum gängigen Vergleichswert - dem Temperaturdurchschnitt von 1961 bis 1990 - waren im vorigen Jahr acht von zwölf Monaten zu warm. Ähnlich fiel die Bilanz im Rest der Welt aus: 2009 war das fünftwärmste Jahr seit Beginn des 20. Jahrhunderts, und das vergangene Jahrzehnt war eindeutig das wärmste seit mindestens 130 Jahren.

Setze sich der Trend ungebrochen fort, habe das vor allem für den Süden der Welt und für viele Regionen an Meer verheerende Auswirkungen, sagte Wolfgang Kusch, Präsident des Wetterdienstes. "Wir müssen alle Kraft in die Verringerung der Treibhausemissionen stecken." Selbst wenn wir den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen sofort komplett einstellen würden, würde es rund 100 Jahre dauern, bis es die Temperaturen nicht mehr steigen. Da jedoch die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre

Um das beim Klimagipfel in Kopenhagen diskutierte Ziel zu erreichen, dass sich die Erde in diesem Jahrhundert maximal um zwei Grad Celsius erwärmt, müssten der Kohlendioxid-Ausstoß in den nächsten 30 Jahren etwa halbiert werden, sagte Analyst Müller-Westermeier. Würden sie weiter steigen wie bisher, könnte die Erde bis Ende des Jahrhunderts bis zu sechs Grad wärmer sein.

Doch bereits durch die Erwärmung, die nicht mehr abzuwenden ist, wird sich Deutschland verändern. "Der Anblick unserer Wälder wird sich in diesem Jahrhundert deutlich verändern", sagte der Umweltexperte des Wetterdienstes, Paul Becker. Ohne Frost im Winter werden Borkenkäfer, Insekten, Maikäfer und Pilze dem Wald zusetzen. Da die heute von Fichten dominierten Monokulturen dafür besonders anfällig sind, dürfte es künftig mehr Mischwald geben. Da Fichten auch hitze- und trockenheitsempfindlich sind, werden viele Walbesitzer sie wohl durch robustere Douglasien und Roteichen ersetzen.

Auch die Bauern müssen sich umstellen. Laut Wetterdienst werden vor allem im Nordosten die Sommer mittelfristig viel trockener. Im Frühling werde es weniger regnen, dafür wird der Winter feuchter und milder. Die Bauern müsse deshalb auf eher "wärmeliebende Getreide- und Fruchtsorten" ausweichen, sagte Becker. "Künftig ist auf den Feldern mit neuen Pflanzenarten zu rechnen: etwa Hirse oder Sudan-Gras."

Autor:  Steven Geyer
Datum:  28 | 4 | 2010
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