Aktuell: Trauer um Claudia Michels | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Fußball-News | Eintracht Frankfurt

Klimawandel

03. Dezember 2012

Klimawandel: USA reduzieren CO2-Ausstoß

 Von Joachim Wille
Die USA machen im diesjährigen Klimaindex den größten Sprung nach oben – sie steigen von Platz 50 auf Platz 43 auf.Foto: afp

Deutschland fällt beim Klimaschutz zurück - Europa liegt dagegen beim Index vorn. Umweltschützer bleiben aber pessimistisch.

Drucken per Mail
Doha –  

Die USA überraschen mit deutlich gesunkenen CO2-Werten, während Chinas Emissionen deutlich ansteigen. Die von Umweltschützern viel gescholtenen Amerikaner verbesserten sich in einem am Montag auf dem Weltklimagipfel in Doha von Umweltverbänden veröffentlichten Klimaschutz-Index, der die 58 Industrie- und Schwellenländer mit dem höchsten CO2-Ausstoß auflistet. Die USA stiegen vom 50. Platz in der letztjährigen Bewertung auf den 43. – der größte Sprung in der Liste. China landete auf dem 54. Platz, nur wenig entfernt vom Schlusslicht, dem Erdölstaat Saudi-Arabien.

In den USA, die 2006 von dem industriell rapide wachsenden China als Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß abgelöst wurden, sinkt der CO2-Ausstoß seit einigen Jahren absolut und auch pro Kopf. Laut einer aktuellen Studie von norwegischen und britischen Forschern betrug das Minus 2011 rund 1,8 Prozent, während China ein Plus von zehn Prozent verzeichnete. China hat jetzt einen Anteil an den globalen Emissionen von 28 Prozent, die USA liegen bei 16 Prozent. Es folgen die EU mit elf und Indien mit sieben Prozent. Laut der Studie bläst die Menschheit 2012 rund 35,6 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre, 2,8 Prozent mehr als 2011 und 58 Prozent mehr als 1990.
Die Autoren des Klimaschutz Index warnen vor zu viel Optimismus bei der Bewertung der USA. Sie verweisen darauf, dass die Verbesserung nicht einer gezielten Klimapolitik, sondern der vermehrten Nutzung von Erdgas statt Kohle bei der Stromproduktion zu verdanken ist. Das Gas wird im umstrittenen Fracking-Verfahren produziert, das mit zum Teil giftigen Chemikalien operiert.

Die Emissionen, die beim Fracking bereits am Bohrloch anfallen, werden bei den offiziellen Daten nicht ausreichend berücksichtigt. „Die Einstufung ist mit Vorsicht zu genießen“, kommentierten das Klima-Netzwerk CAN Europe und die Organisation Germanwatch, die Auftraggeber des Index. Bei China merkten die Autoren an, es gebe trotz der insgesamt steigenden Emissionen Anzeichen für positive Entwicklungen. Die Energieeffizienz sei angestiegen, ebenso die Investitionen in erneuerbare Energien.

Downloads

Europäische Länder schnitten in dem Ranking am besten ab. Die Plätze eins bis drei blieben jedoch frei. Begründung: Keines der 58 Länder leiste genug. Deutschland rutschte in der Liste um zwei Plätze ab, steht jetzt auf Rang acht. Negativ bewertet wurde vor allem die Blockade bei der EU-Effizienzrichtlinie, Enthaltung bei der Reform des EU-Emissionshandels und das drohende Stocken beim Ausbau der erneuerbaren Energien. „Hier muss gerade die schwarz-gelbe Koalition endlich entschlossener handeln“, sagte Germanwatch-Experte Jan Burck. CAN-Europa-Chef Wendel Trio sagte: „So lange die EU sich nicht darauf einigen kann, die Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu reduzieren, werden sich die EU-Länder nicht mehr lange auf den vorderen Plätzen halten können.“

Umweltstaatssekretärin Katherina Reiche (CDU) kündigte am Montag in Doha an, Deutschland werde sich für ehrgeizige EU-Ziele einsetzen, die von allen Mitgliedsstaaten mitgetragen werden. So ließ sie die Tür zu den 30 Prozent offen, gegen die Polen opponiert.

Die neuen Warnung der Klimaforscher änderten indes am zähen Gipfel-Betrieb nichts. Während die Emissionstrends dem extremsten Szenario des nächsten Weltklimaberichts folgen, der Ende 2013 heraus offiziell herauskommt, verhärteten sich hier die Fronten. Einen Eklat gab es im Plenum, als ein Verhandlungspapier unter anderem zum Thema Finanzierung von Klimaschutz-Anpassung in den Entwicklungsländern vorlegt wurde. Die Entwicklungsländer lehnten es rigoros ab. Der Grund: Das Feld zu den Zusagen der Industriestaaten war völlig leer gelassen worden.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Quiz

Wie tief erwärmen sich die Meere - welche Tierart hat nichts zu fressen durch Treibhausgase? Testen Sie Ihr Wissen im FR-Quiz.

Schutz der Ozonschicht
Das Nasa-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Arktis im Winter 1999/2000. Je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht.

Was ist Ozon? Wofür ist Ozon wichtig? Und wie groß ist derzeit das Ozonloch? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es hier.

Die Gletscher schmelzen
Ressort

Nachrichten zum Klimawandel, CO2, Treibhauseffekt, saure Meere und Gletscher-Schmelze.

Videonachrichten Wissen
FR-Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.

Spezial
Blick in die Magellanwolke

Der Blick in den Weltraum auf ISS, Planeten, Sterne, Monde und die Sonne: Hintergründe, interaktive Grafiken, Fotostrecken und Videos.