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Kommentar: Nachsitzen in Kopenhagen

Kopenhagen ist nur der Anfang - auch wenn nur drohender Gesichtsverlust diesmal ein Ergebnis zeitigen wird. Von Joachim Wille

Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Klimagipfel sind einfach so. Irrwitzige Veranstaltungen zwecks Rettung der Welt, die immer vor der Blockade und oft kurz vor dem Platzen stehen. Diesmal dauerte die Phase des erbitterten Streits mit nachfolgender Depression noch länger als sonst.

Selbst am offiziell letzten Tag des Gipfels sah es mehrmals so aus, als würden die Vertreter der 193 Staaten ohne Ergebnis auseinandergehen. Völlig unvorstellbar angesichts des wichtigsten Themas des Jahrhunderts und des Aufwands, der getrieben wurde, um rund 120 Staatschefs zusammenzubringen.

Barack Obama, Wen Jiabao, Angela Merkel und Co. rangen am Freitag darum, ihr Gesicht nicht zu verlieren. Sie sprachen von hehren Zielen - und betrieben Machtpolitik. Wenigstens eine Gefahr spürten sie noch: Wie würde es aussehen, wenn sie heimjetteten und sagten: "Tut uns leid, hatten gerade keine Lust, etwas für den Planeten zu tun." Es wäre grotesk gewesen. So forderte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die zögernden Weltenretter auf, einen Tag in Kopenhagen nachzusitzen.

Trotzdem gilt: In Kopenhagen wurde verfehlt, was die 193 Länder bereits vor zwei Jahren auf Bali versprochen und verabredet hatten. So wird ein bindender neuer Vertrag mit Klimazielen für 2020 und 2050 bestenfalls im nächsten Jahr entstehen.

Klar ist leider jetzt schon: Auch dann werden die Anstrengungen nicht ausreichen, den Klimawandel in beherrschbaren Grenzen zu halten. Die avisierten CO2-Reduktionsziele sind zu schwach und voller Schlupflöcher. Kopenhagen ist also bestenfalls ein matter Anfang für die nötige Transformation der Industriegesellschaften und Entwicklungsländer.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  17 | 12 | 2009
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