Kurz vor ihrem Abflug nach Kopenhagen warnt Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einem Scheitern des Klimaabkommens. Das steht offenbar mehr denn je auf der Kippe. Von einer "Zitterpartie" ist die Rede.
Angela Merkel.
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Berlin/Kopenhagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unmittelbar vor der entscheidenden Runde der Weltklimakonferenz in Kopenhagen vor einem Scheitern des Treffens gewarnt. "Die Nachrichten die uns erreichen, sind nicht gut. Es ist im Augenblick kein vernünftiger Verhandlungsprozess in Sicht", sagte Merkel am Donnerstag im Bundestag.
Unabdingbar für ein neues Weltklimaabkommen sei eine Vereinbarung, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. "Gelingt das nicht für alle als geltende Verpflichtung zu erreichen, muss ich sagen, ist die Klimakonferenz in Kopenhagen gescheitert", sagte Merkel kurz vor ihrer Abreise nach Kopenhagen.
Delegierte im Bella Center in Kopenhagen: Der UN-Klimagipfel geht in die entscheidende Phase.
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Delegierte im Bella Center in Kopenhagen: Der UN-Klimagipfel geht in die entscheidende Phase.
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Nach fast zwei Wochen Gesprächen auf Ministerebene steht die UN-Klimakonferenz kurz vor Schluss auf der Kippe. China als weltgrößter Luftverschmutzer sieht Verhandlungskreisen zufolge keine Chancen mehr für eine Einigung. Mehrere europäische Umweltminister zeigten sich äußerst skeptisch.
Deutschlands Ressortchef Norbert Röttgen beklagte, vor allem die sogenannte Gruppe der 77 Schwellen- und Entwicklungsländer verweigere konkrete Sachverhandlungen. Dänischen Medien zufolge sieht auch die Gastgeber-Regierung kaum noch Chancen für ein umfassendes Weltklimaabkommen. Dänemarks Klimaministerin Lyyke Friis erklärte im Bayerischen Rundfunk: "Das entwickelt sich hier zur Zitterpartie."
Klimagipfel '09: Zwei Wochen, um die Welt zu retten
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Klimagipfel '09: Zwei Wochen, um die Welt zu retten
Rauch am Himmel über dem westindischen Nagpur: Die Auswirkungen des Klimawandels sind stärker als erwartet. Eisschilde und Gletscher schmelzen schneller als im jüngsten Bericht des Weltklimarates (IPCC) von 2007 projiziert. Der Meeresspiegel steigt höher, geht aus dem Bericht "Copenhagen Diagnosis" hervor.
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Schon der IPCC-Bericht zeigte dramatische Daten: Die Erderwärmung ist demnach nicht mehr aufzuhalten. Die Durchschnittstemperatur wird bis 2100 je nach Szenario und politischer Entwicklung um etwa 1,1 bis 6,4 Grad Celsius höher liegen als Ende des vergangenen Jahrhunderts.
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Während der IPCC-Bericht noch von 18 bis 59 Zentimetern Meeresspiegelanstieg bis 2100 ausgegangen war, geht "Copenhagen Diagnosis" von bis zu zwei Metern aus. Der Eisverlust sei in den Sommern 2007 bis 2009 jeweils rund 40 Prozent stärker als der vom IPCC berechnete Durchschnittswert.
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Die Veränderungen könnten Gesundheit und Leben von Millionen Menschen bedrohen. Mehr Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Dürren und Mangelernährung bedeuten mehr Kranke und Tote - darauf macht auch diese Nichtregierungsorganisation am Rande des Klimagipfels in Kopenhagen aufmerksam.
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Das Kabinett der Malediven tagte Mitte Oktober 2009 unter Wasser und unterzeichnete einen Appell an die Welt, die Treibhausgase zu reduzieren. Der Klimawandel bedroht viele Insel-Paradiese: Steigt der Meeresspiegel weiter, sind die 1200 Malediven-Inseln vermutlich in 100 Jahren verschwunden.
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Auf den Salomonen-Inseln brechen die Küsten weg, auf Tuvalu zittern die Einwohner bei jeder Flut, und von den Carteret-Inseln vor Papua-Neuguinea mussten die ersten der 2700 Bewohner nach jahrelangem Kampf gegen die immer schlimmeren Überschwemmungen ihre Heimat für immer verlassen.
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Verzweifelte Appelle zum Handeln richteten Bewohnerinnen und Bewohner der Fidschi-Inseln zu Beginn der Konferenz in Kopenhagen an die Teilnehmer.
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Die Konferenz ebenso wie ihr Drehbuch haben gigantische Ausmaße. Bis zu 15.000 Teilnehmer erwarten die dänischen Gastgeber, am Ende der zwei Wochen auch die Staats- und Regierungschefs von mehr als 190 Ländern.
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Gerungen wird um ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 ausläuft und auch nur die Industriestaaten zu CO2-Einsparungen verpflichtet.
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Diesmal soll die gesamte Staatengemeinschaft mitmachen - zuviel Dreck schleudern die Industrien aufstrebender Mächte wie China und Indien
inzwischen in die Luft.
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Das ursprüngliche Ziel für Kopenhagen - die Einigung auf einen verbindlichen Weltklimavertrag - scheint nicht mehr zu halten, zu viele Streitpunkte sind offen. Auch die Anwesenheit von Nobelpreisträgern wie der kenianischen Umweltaktivistin und Wissenschaftlerin Wangari Maathai (Mitte) ...
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... oder des indischen Ökonomen Rajendra K. Pachauri wird daran nichts ändern.
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Hoffnung machte zu Beginn der Konferenz jedoch die Nachricht aus Washington, dass die US-Umweltbehörde Kohlendioxid-Emissionen jetzt als gesundheitsschädliches Gift einstuft. Das gibt US-Präsident Obama freie Hand, Limitierungen beim CO2-Ausstoß auch gegen den Senat durchzusetzen.
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So könnte Kopenhagen doch noch zu Hopenhagen werden.
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Protestaktion im japanischen Tokio: Auch in Asien wächst das Problembewusstsein. China, der weltgrößte Produzent von Treibhausgasen, überraschte die Welt vor dem Gipfel mit ehrgeizigen Reduktionszielen.
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Die Dänin Connie Hedegaard ist die Präsidentin des
Kopenhagener Klimagipfels. Die 49-jährige hat auch bei Umweltschützern einen herausragenden Ruf als überzeugte Kämpferin für ein weitreichendes Klimaabkommen
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Aus europäischer Sicht sind die Maßstäbe klar, an denen sich das Kopenhagener Ergebnis wird messen lassen müssen. Ob
bereits völkerrechtlich oder erst politisch verbindlich - die Maßnahmen müssen sich so addieren, dass sie unter dem Strich die Erderwärmung auf
höchstens zwei Grad begrenzen.
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Das heißt, dass sich die größten Wirtschaftsmächte auf Zahlen festlegen lassen sollen. Darunter sind die USA, China, die EU, Japan, Russland, Mexiko, Indien, Australien, Brasilien, Südafrika, der Iran und Kanada.
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China und Indien wollen sich höchstens im Gleichklang mit den USA auf Klimaziele einschwören lassen - es beißt sich die Katze in den Schwanz.
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Kopenhagen ist die sechste Etappe der internationalen Klimapolitik - nach der ersten Konferenz von 1979 über die Gründung des Weltklimarats (IPCC) 1988 und die Gipfeltreffen von Rio de Janeiro (1992), Kyoto (1997) und Bali (2007).
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Mitglieder und Aktivisten von Nichtregierungsorganisationen haben ihr Quartier im Bella Center von Kopenhagen aufgeschlagen.
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Phantasievolle Protestaktionen begleiten den Klimagipfel - in der dänischen Hauptstadt ebenso wie an anderen Orten überall auf der Welt.
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Die Skulpturen vor dem Kongresszentrum in Kopenhagen gehören zur Installation "Der Puls der Erde"
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Ein buddhistischer Mönch betet für den Erfolg der Konferenz.
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In dem Kyoto-Nachfolgevertrag soll auch der Schutz der Tropenwälder eine besondere Rolle spielen.
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Der Ballon in der Nähe des Tagungsortes macht die Dimensionen einer einzigen Tonne Kohlendioxid deutlich.
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Ein "Eis-Bär" in der Kopenhagener Innenstadt.
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30 Energie- und Umweltmanagementstudenten der FH Flensburg sind mit einem Segelboot zur Klimakonferenz nach Kopenhagen aufgebrochen.
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In Kopenhagen müssen die Würfel fallen - das fordern nicht nur Umweltschutzorganisationen, sondern auch Politiker.
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Der Würfel am Tycho Brahe Planetarium in Kopenhagen wechselt ständig sein Aussehen.
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Die Kurve steigt: Kohlendioxid (CO2) ist zu mehr als 60 Prozent für den durch Menschen verursachten Treibhauseffekt verantwortlich. Der Anteil des Gases in der Luft ist von Beginn der Industrialisierung bis 2008 um 38 Prozent gestiegen.
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Dieser Aktivist zeigt in Kopenhagen seine Erwartungen an die USA und die Europäische Union, in Sachen Klimaschutz ihrer Verantwortung für den ärmeren Teil der Welt gerecht zu werden.
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Ein Herz für den Planeten.
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Die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist rund um den Klimagipfel scheinbar omnipräsent.
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Greenpeace-Aktivisten kreuzen mit dem Schiff Beluga vor dem Hafen von Kopenhagen ...
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... entrollen am kanadischen Parlamentsgebäude in Ottawa Transparente ...
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... um das Land auf seine Verantwortung für den Klimaschutz hinzuweisen.
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Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutscland zeigt ebenfalls Präsenz in der dänischen Hauptstadt.
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Performance einer Theatergruppe in der Kopenhagener Innenstadt.
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Die Umweltschutzorganisation Legambiente nutzt den Markusplatz in Venedig als Bühne ...
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... um für den Klimaschutz zu werben.
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Sieht so die Zukunft aus? Beim UN-Klimagipfel von Kopenhagen im Dezember 2009 geht um nicht weniger als die Rettung des Planeten vor den dramatischen Folgen der Erderwärmung, vor Fluten, Dürren, Hunger und Flüchtlingswellen. Die dürren Ergebnisse der Vorverhandlungen verheißen nichts Gutes.
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Kinder malen den Klimawandel
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Kinder malen den Klimawandel
Von Mila, 7 Jahre, aus Österreich
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Gina, 7 Jahre, aus Frankreich
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Iveta, 12 Jahre, aus Tschechien
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Von Radhika, 10 Jahre, aus Indien - und ihrer Freundin Prerna
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Kasper, 12 Jahre, Dänemark
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Tandi Love, 11 Jahre, aus Südafrika
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Marie, 10 Jahre, aus Polen
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Marvin, 12 Jahre, lebt in Johannesburg in Südafrika.
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Stehanie Cobas, 11 Jahre, aus der Bronx, New York City
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Klimawandel? Die Kinder, deren Zukunft die heutige Eltern-Generation gerade ruiniert, können mit dem Begriff schon einiges anfangen. Mädchen und Jungen aus acht Ländern haben sich für die FR ausgemalt, wie sich ihre verändern wird - wenn wir so weitermachen wie bisher. Eine kleine Worst-Case-Study, die in Kopenhagen noch auf den Konferenztisch gehört. Das erste Bild haben die zehnjährige Ella und die elfjährige Nele aus Deutschland gemalt.
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Schrecken und Schönheit des Gipfelprotestes
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Schrecken und Schönheit des Gipfelprotestes
Hart durchgreifen heißt die Devise der Polizei gegen die Demonstranten - zu hart sagen später die Aktivisten.
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Während die offiziellen Seiten immer noch Konsum propagieren, weiß der der Nachdenkt: Konsum ist nicht unendlich und die Ressourcen unseres Planeten auch nicht.
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Rückblick auf den letzten Klimagipfel: Friedlicher Protest.
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Demonstranten wollten mit den Konferenzteilnehmern diskutieren in Kopenhagen. Doch die Polizei setzte Schlagstöcke, Pfefferspray, Tränengas und Hunde ein, um genau das zu verhindern. Bilder vom den vielen Seiten des Gipfelprotests....
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"Dramatische Schäden" drohen
Die letzten Hoffnungen für einen Durchbruch ruhen auf der Schlussrunde am Donnerstag und Freitag, zu der mehr als 100 Staats- und Regierungschefs erwartet wurden. "Wenn wir jetzt nicht die notwendigen Weichenstellungen vornehmen, riskieren wir dramatische Schäden", sagte Merkel. Die Europäische Union sei bereit, bis 2020 den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) nicht nur um 20 Prozent, sondern um 30 Prozent zu verringern, allerdings nur, wenn andere Staaten vergleichbare Ziele zusicherten.
Merkel forderte insbesondere die USA als auch die großen Schwellenländer wie China und Indien auf, höhere und rechtlich überprüfbare Klimaschutzzusagen zu geben. Das USA-Angebot, das auf lediglich vier Prozent weniger CO2 gegenüber 1990 hinauslaufe, sei nicht ausreichend. US-Präsident Barack Obama wird am Freitag in Kopenhagen erwartet.
Alle Industrieländern müssten sich auch der Finanzierung stellen. Die Kanzlerin forderte die USA und Japan auf, dem Beispiel der EU zu folgen und langfristige Hilfen für Klimaschutzinvestitionen in Entwicklungsländern zuzusagen. "Nur mit verlässlicher Finanzierung werde auch das Zwei-Grad-Ziel von allen anerkannt", sagte Merkel.
Die Opposition warf der Bundesregierung vor, die eigenen Vorsätze nicht entschlossen genug umzusetzen. Die Pläne von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) zur Begrenzung der Klimaschutzhilfe seien international ein gefährliches Signal an die Entwicklungsländer, sagte Ulrich Kelber (SPD). Niebel will Klimahilfen auf die deutsche Entwicklungshilfe anrechnen und diese auf maximal ein Verdoppelung begrenzen. Dass 450 Klimaschutzorganisationen Deutschland gerade mit einem Negativpreis ausgezeichnet hätten, sei bislang undenkbar gewesen.
Grünen-Fraktionschefin Renate Künast forderte von der EU mehr Vorleistungen. Nur dann könnten andere Länder zu mehr Klimaschutz gedrängt werden. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisierte, Merkels Rede sei enttäuschen. Vor der entscheidenden Phase in Kopenhagen hätte Deutschland klare Ansagen zur Finanzierung machen müssen. "Merkel reist mit leeren Händen nach Kopenhagen", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
Am Donnerstagmorgen hieß es, dass die dänischen Gastgeber offenbar das Ziel eines umfassenden Klimaabkommens aufgegeben haben. Das meldeten die Zeitung "Berlingske Tidende" und der TV-Sender DR übereinstimmend unter Berufung auf Regierungskreise.
Aus der Delegation der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft verlautete: "Es sieht nicht gut aus. Wir sind immer noch bei Verfahrensfragen."
Chinas Klima-Chefunterhändler Su Wei kritisierte am Donnerstag vor allem die Absicht von Gipfelgastgeber Dänemark, heute einen Entwurf für ein Klimaabkommen in Umlauf zu bringen. "Man kann nicht einfach einen aus der Luft gegriffenen Text vorlegen", wurde Su in Peking von der staatlichen Agentur Xinhua zitiert. Und die Verbreitung dieses Textentwurfs vor eingehenden Beratungen würde einen erfolgreichen Abschluss in Kopenhagen "sehr gefährden".
Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao, der am Mittwochabend in Kopenhagen eintraf, erklärte jedoch laut chinesischen Medien unterdessen, seine Regierung sei "höchst ernsthaft und entschlossen, die Tagesordnung voranzubringen".
Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua nannte den dänischen Textentwurf am Donnerstag in einem Kommentar "wertlos und spalterisch". Weiter hieß es: "Es lassen sich keine wesentlichen Ergebnisse erzielen, wenn die Industrieländer die Ansichten und Befürchtungen der Entwicklungsländer nicht ernst nehmen." (rtr/dpa)