Ein wenig an Krieg erinnert das Ganze schon. Ein paar Blogger versuchen, mit Guerillataktik das Heer der Klimaforscher zu besiegen. 97 Prozent dieser Experten sind sich laut einer Umfrage der Universität von Illinois sicher, dass der Anstieg der Durchschnittstemperaturen vom Menschen verursacht ist. Das streiten Klimaskeptiker seit Jahren ab.
Diesen Winter gelang letzteren einer ihrer erfolgreichsten Angriffe. Ihr medial verbreiteter Vorwurf, der Weltklimarat der Vereinten Nationen habe im jüngsten Bericht zahlreiche Fehler gemacht, zeitigte Folgen: Prompt bezweifeln viele Menschen, dass sich das Klima verändert. In Großbritannien erhöhte sich laut BBC-Umfrage die Zahl derer, die nicht an den Klimawandel glauben, von 15 auf 25 Prozent.
Seit zehn Jahren ist die Climatic Research Unit (CRU) an der britischen Universität von East Anglia Zielscheibe der Klimaskeptiker. Die CRU wies als erste nach, wie stark der Temperaturanstieg in der zweiten Häfte des 20. Jahrhunderts war. Der kanadische Hobbyklimatologe Stephen McIntyre und der kanadische Wirtschaftswissenschaftler Ross McKitrick zweifelten Daten und Methoden der CRU an. McKitrick arbeitet als leitender Wissenschaftler für das Fraser Institute, einen marktradikalen Think Tank. McIntyre schreibt den klimaskeptischen Blog Climate Audit. Er gehörte im November 2009 zu den ersten, der auf eine Datei mit gestohlenen Daten verlinkte. Hacker hatten Mails, vertrauliche Dokumente, Rohdaten und Computercodes des CRU auf einen russischen Server geladen.
Die Aktivisten durchforsteten die Daten, rissen Absätze aus dem Zusammenhang und untermauerten so ihre Verschwörungstheorie, der Klimawandel sei eine Erfindung.Gleichzeitig tauchten in Blogs Vorwürfe auf, Fehler im Weltklimabericht 2007 machten diesen unglaubwürdig. Die Anschuldigungen wurden auf zahlreichen Internetseiten multipliziert. Nach dem Klimagipfel von Kopenhagen folgte das Thema der typischen Mediendynamik: Alle berichteten, was alle berichteten. Nach Fehlern in den Vorwürfen aber suchten die wenigsten.
Dabei ist seit Jahren bekannt, wie Großkonzerne, die mit wenig klimafreundlichen Technologien Milliarden verdienen, ihren Einfluss nutzen, um die Erkenntnisse der Klimaforscher anzuzweifeln. Ein Report der Union of Concerned Scientists wies 2007 nach, wie der Öl-Konzern Exxon Mobile von 1998 bis 2005 fast 16 Millionen Dollar an die Klimaskeptiker überwies. Das Geld ging vor allem an Think Tanks. Sie arbeiteten mit Forschern zusammen, deren Thesen, dass der Klimawandel nichts mit dem Anstieg von CO2 in der Atmosphäre zu tun hat, längst widerlegt sind.
Das Fraser Institute bekam für seine Arbeit zum Klimawandel 120000 Dollar. Das Heartland Institute durfte sich über 600000 Dollar freuen. Der Think Tank veranstaltet seit 2008 regelmäßig Konferenzen zum Klimawandel, bei denen sich die Klimaskeptiker aus aller Welt versammeln. Unter den Sponsoren finden sich 2010 auch zwei deutsche Think Tanks: Das Liberale Institut, eine Tochter der FDP-nahen Friedrich Naumann Stiftung und das Institut für unternehmerische Freiheit (IUF). In dessen wissenschaftlichem Beirat sitzen auch Mitarbeiter der Think Tanks, die Geld von Exxon Mobile bekommen haben.
Vor dem Klimagipfel in Kopenhagen luden beide Institute zu einem Kongress zum Klimawandel in Berlin. Auf dem Podium saßen ausschließlich Klimaskeptiker.
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