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Manipulation: Skurriles Spiel mit dem Klima

Je weniger sich die Menschen von der Politik und den Klimakonferenzen wie jetzt in Durban erhoffen, desto größerer Beliebtheit erfreuen sich praktische Vorschläge zum Umgang mit dem Klimawandel. Darunter sind auch extreme Beispiele.

Abbruch am Perito Moreno Gletscher (Archivbild)
Abbruch am Perito Moreno Gletscher (Archivbild)
Foto: REUTERS
Berlin –  

Es klingt wie eine Fiktion aus einem Roman von Frank Schätzing: Sonnenreflektoren im All, künstliche Staubwolken aus Schwefelpartikeln oder eigens gezüchtete Algenteppiche. Angesichts der stockenden Klimaverhandlungen mehren sich die skurrilen Vorschläge zur gezielten Klimamanipulation. Wissenschaftler sind allerdings skeptisch.

Im Auftrag des Bundesforschungsministeriums hat das Kieler Earth Institute zuletzt den aktuellen Wissensstand zum sogenannten Geoengineering zusammengetragen. Grob gesprochen gibt es zwei unterschiedliche Ansätze: Einerseits Technologien, bei denen klimaschädliches Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre geholt werden soll (CDR, Carbon Dioxide Removal), und andererseits solche, mit denen die Sonneneinstrahlung auf die Erde reduziert werden könnten (RM, Radiation Management).

Wetter 2011

Das Jahr 2011 war nicht besonders heiß: Nach Ansicht der UN-Meteorologen wird es als zehntwärmstes Jahr in die moderne Klimageschichte eingehen. Die Temperaturen 2011 seien allerdings die höchsten in einem Jahr mit einem sogenannten La-Niña-Effekt, der eine relativ kühlende Wirkung habe, so die UN-Organisation für Meteorologie in einem in Durban veröffentlichten Bericht. Die 13 wärmsten Jahre seit Beginn der modernen Klimaerfassung im Jahre 1850 lagen nach Angaben der Organisation alle in den vergangenen 15 Jahren.

Das Ausmaß des arktischen Eises sei 2011 am zweitniedrigsten in der jüngeren Geschichte gewesen, gemessen am Volumen habe das Eis allerdings einen Minusrekord erreicht, heißt es in dem am Rande der UN-Klimakonferenz in Durban veröffentlichten Report. Wissenschaftlich betrachtet gebe es keinen Zweifel daran, dass die Erde sich erwärme, betonte der Generalsekretär der WMO, Michel Jarraud. (dpa)

Mehr zum Thema: www.fr-online.de/klima

Künstliche Vulkanasche

Weltweit gibt es mehrere Forschungsvorhaben. So zum Beispiel das britische Spice-Projekt: Im britischen Sculthorpe wollen Forscher einen riesigen Helium-Ballon aufsteigen lassen, mit dessen Hilfe Aerosole in die Atmosphäre gepumpt werden sollen. Die Schwebeteilchen sollen dafür sorgen, dass das Sonnenlicht reflektiert wird. Vorbild für den Versuch sind große Vulkanausbrüche wie etwa der des Pinatubo 1991, in dessen Folge sich die weltweite Durchschnittstemperatur leicht absenkte.

Auch der Chemie-Nobelpreisträger Paul Crutzen setzt auf diesen Effekt. Er plädiert dafür, die Atmosphäre mit Millionen Tonnen von Schwefeldioxid (SO2) anzureichern, um die Wolkenbildung zu verstärken.

Krebse verhindern Algenausbreitung

Deutschland hat ebenfalls bereits seine Erfahrungen mit der Beeinflussung des Klimas gemacht. Am 7. Januar 2009 brach das Forschungsschiff Polarstern mit insgesamt 48 Wissenschaftlern von Kapstadt aus in die Antarktis auf. Auf einer Fläche von 300 Quadratkilometern brachten die Forscher sechs Tonnen gelöstes Eisen aus. So sollte das Wachstum der einzelligen Algen des Phyotoplanktons angeregt werden, die dem Wasser und somit auch der Atmosphäre durch Photosynthese Kohlendioxid entziehen.

Das Umweltministerium, damals noch unter Leitung von Sigmar Gabriel (SPD), äußerte sich skeptisch. Das Forschungsministerium unter Annette Schavan (CDU) betonte hingegen die Chancen. Am Ende war das Ergebnis ernüchternd: Krebse fraßen die Algen auf, bevor sie richtig wachsen konnten.

Lesen Sie mehr über Sonnenschilde im Weltall und wissenschaftliches Wettrüsten auf der nächsten Seite...

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Autor:  Nicole Scharfschwerdt, dapd
Datum:  29 | 11 | 2011
Seiten:  1 2
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