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Klimawandel

26. August 2010

Montblanc: Unterm Gletscher drückt der See

 Von Axel Veiel
Techniker haben damit begonnen, das Wasser unter dem Tete Rousse-Gletscher abzupumpen. Foto: afp

Der Inhalt von 20 Schwimmbecken olympischen Ausmaßes liegt versteckt unter dem Tête-Rousse-Gletscher. Experten wollen eine Sturzflut am Montblanc verhindern - wie sie den darunter liegenden Ort schon 1892 heimgesucht hat..

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Der Inhalt von 20 Schwimmbecken olympischen Ausmaßes liegt versteckt unter dem Tête-Rousse-Gletscher. Experten wollen eine Sturzflut am Montblanc verhindern - wie sie den darunter liegenden Ort schon 1892 heimgesucht hat..

Der Mont-Blanc-Gipfel und der Tête-Rousse-Gletscher glitzern im Sonnenschein. Der Anblick, der sich den Feriengästen des in Wiesen eingebetteten Alpendorfes Saint-Gervais bietet, könnte erhabener kaum sein. Doch das Idyll trügt. Der Gletscher ist eine Zeitbombe. In seinem Innern hat sich eine gewaltige Wasserblase gebildet. Unter dem Eispanzer ruhen 65 000 Kubikmeter Wasser. Der Inhalt von 20 Schwimmbecken olympischen Ausmaßes ist das.

Was passieren kann, wenn der Eispanzer bricht und eine Felsbrocken und Bäume mitreißende Flut zu Tal rast, ist bekannt. In den Annalen des Ortes ist es verzeichnet. 1892 waren aus dem Innern des acht Hektar großen Gletschers Wassermassen zu Tal geschossen. In Saint-Gervais kamen damals 175 Menschen ums Leben.

Die Aufnahme von 1892 zeigt die geplatzte Wasserblase die das Tal überflutete - 175 Menschen starben damals dabei.
Die Aufnahme von 1892 zeigt die geplatzte Wasserblase die das Tal überflutete - 175 Menschen starben damals dabei.
Foto: afp

Aber so weit soll es diesmal nicht kommen. Und so sind seit Donnerstag nicht mehr Touristen und Bergsteiger am 3200 Meter hohen Tête-Rousse unterwegs, sondern Experten, die den Druck auf die Gletscherwände reduzieren und zumindest einen Teil der Wassermassen abpumpen wollen. Wobei es zunächst darum geht, überhaupt zu ihnen vorzudringen.

Am Donnerstag haben die Männer begonnen, Löcher in den Eispanzer zu bohren. Thermosonden, aus denen unter Hochdruck stehendes, heißes Wasser schießt, sollen drei etwa 40 bis 45 Meter tiefe Öffnungen von je 25 Zentimeter Durchmesser freischmelzen. Anschließend wollen die Fachleute drei Pumpen anbringen, die das Wasser absaugen. Eine jede kann bis zu 50 Kubikmeter Wasser pro Stunde zutage fördern. Die Geräte sind bereits am Einsatzort. Hubschrauber haben die insgesamt 30 Tonnen Ausrüstung auf dem schwer zugänglichen Gletscher abgesetzt.

Die Männer wissen, dass sie sich auf einen Wettlauf mit der Zeit eingelassen haben. Nicolas Kerr, der Leiter des Rettungseinsatzes, hat versprochen, „fast rund um die Uhr zu arbeiten“ und alles in seinen Kräften Stehende zu tun, „damit die Wassermenge schnell abnimmt und mit ihr eben auch der Wasserdruck“. Am 13. Juli hatten Wissenschaftler empfohlen, „möglichst schnell eine künstliche Leerung des Gletscherinnenraums“ in Angriff zu nehmen. Bis zum 15. Oktober soll das 2,5 Millionen Euro teure Vorhaben abgeschlossen sein.

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Ob das gelingt, hängt nicht nur von Kerr und seinen Leuten ab. Christian Vincent, Forscher für Gletscherkunde aus Grenoble, hat gleich drei Risiken ausgemacht, die den Erfolg des Unterfangens bedrohen: „Technische Probleme, schlechtes Wetter sowie ein Kälteeinbruch, der dazu führt, dass das aufsteigende Wasser gefriert.“ Andere Wissenschaftler warnen davor, dass der Gletscher einstürzen könnte, wenn er durch das Abpumpen des Wassers an innerem Halt verliert.

Für den Fall, dass die Rettungsaktion zu spät kommen und der Eispanzer bersten sollte, haben die Experten ein Frühwarnsystem installiert. Seismographen sowie am Rand des Gletschers gespannte Kabel lösen Alarm aus, wenn die Eismassen in Bewegung geraten sollten. Die Gemeinde Saint-Gervais hat einen Evakuierungsplan erstellt. Insgesamt 900 Wohnungen sind darin verzeichnet. Die Situation sei ausgesprochen ernst, hat Bürgermeister Jean-Marc Peillex den Bewohnern des Ortes mitgeteilt.

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