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Klimawandel

19. September 2012

Nordpol: Größte Eisschmelze seit Messungs-Beginn

Eine Abbruchkante mit leuchtend blauem Eis eines kleinen Gletschers rund 50 Kilometer östlich der Stadt Tasiilaq in Ostgrönland. Foto: dpa

In diesem Sommer ist das Meereis am Nordpol so stark abgeschmolzen wie nie zuvor. Das hat Auswirkungen auf die vom Eis abhängigen Ökosysteme. Experten prognostizieren deshalb extreme Winter in Europa.

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Hamburg, –  

Das Meereis rund um den Nordpol kann sich offenbar nicht mehr von der globalen Erwärmung erholen und ist in diesem Sommer so stark abgeschmolzen wie nie seit dem Beginn zuverlässiger Messungen im Jahr 1973. Dies berichteten Klimaexperten des Netzwerks KlimaCampus am Mittwoch in Hamburg und warnten vor gefährlichen Folgen für Natur und Mensch. „Extreme Winter könnten in Europa häufiger werden“, erklärte Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Der Eisrückgang könne nur durch den „menschengemachten Klimawandel erklärt werden“.

Den Wissenschaftlern zufolge waren Mitte September nur noch 3,37 Millionen Quadratkilometer Fläche mit Eis bedeckt, gegenüber durchschnittlich 7,5 Millionen Quadratkilometer in den Jahren von 1979 bis 2000. In den vergangenen 30 Jahren ist die Eisdecke damit um mehr als die Hälfte geschrumpft. Anderen Abschätzungen zufolge sei dies sogar der geringste Wert seit etwa 1500 Jahren, erklärten die Klimaforscher. Neueste Klimasimulationen gingen zudem davon aus, dass die Arktis bis Mitte dieses Jahrhunderts im Sommer komplett eisfrei sein könnte.

Ökosysteme ändern sich

Die Wissenschaftler sind vor allem besorgt, mit welcher Geschwindigkeit sich die vom Eis abhängigen Ökosysteme ändern: Wegen der Eisalgen, die am Beginn der Nahrungskette stehen, seien unter Eisflächen „viel mehr wohl genährte Meerestiere zu sehen“ als in den seit zwei Monaten eisfreien Bereichen, erklärte Antje Boetius vom AWI. Klimaforscher warnten zudem davor, dass der Eisrückgang den Wärmeaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre beschleunige und großräumige Windfelder beeinflusse. Dies könne zu mehr extrem kalten oder schneereichen Wintern in Europa führen.

Der Rückgang des arktischen Meereises gilt als Folge des globalen Klimawandels, der das Abschmelzen im Sommer beschleunigt und die Neubildung im Winter verlangsamt. Der Prozess wird von Forschern auch als ein möglicher „Kipp-Punkt“ betrachtet - eine der sich selbst beschleunigenden Entwicklungen, die den Klimawandel und seine Folgen unumkehrbar machen könnten. Das liegt daran, dass eisfreies dunkles Wasser sich durch Sonneneinstrahlung stärker erwärmt als durch Eis bedecktes. Die schneller steigende Wassertemperatur beschleunigt wiederum die Eisschmelze. Von Vorteil ist dies den Experten zufolge für die Schifffahrt und die Nutzung von Bodenschätzen in der Arktis. (afp)

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