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Klimawandel

13. März 2012

Trinkwasserknappheit: Die Angst vor Wasser-Kriegen

 Von Marc Engelhardt
Der Iguazu in Brasilien – Naturwunder und Lebensspender.  Foto: afp

Der Weltwasserbericht der UN warnt vor globaler Trinkwassernot. Schuld daran ist der rapide wachsende Bedarf. Auch Europa bleibt von der Knappheit nicht verschont.

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Genf/Marseille –  

Der Welt droht das Trinkwasser auszugehen: Das ist das Ergebnis des vierten Weltwasserberichts, den ein Bündnis aus 28 UN-Organisationen am Montag zum Auftakt des Weltwasserforums in Marseille vorgestellt hat. Die düstere Prognose erklärt sich daraus, dass der Bedarf an Trinkwasser noch nie so groß war wie heute – und so stark wächst wie nie zuvor.

Gleichzeitig aber nimmt die Verfügbarkeit von Wasser – etwa durch den Klimawandel – ab. Auch die immer häufiger angezapften Reserven an Grundwasser sind bedroht. Trotzdem werde Trinkwasser immer noch wie eine unendliche Ressource behandelt, ärgert sich UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova. „Wir haben nicht einmal akkurate Informationen über die Reserven, und Wassermanagement ist eine Seltenheit. Die zwangsläufige Folge sind wachsende Risiken.“

Beispiel Landwirtschaft: Schon heute werden mehr als zwei Drittel des Trinkwassers für die Nahrungsmittelproduktion verbraucht. Um den Hunger der wachsenden Weltbevölkerung zu stillen, muss die Erzeugung von Nahrungsmitteln bis 2050 um 70 Prozent wachsen; dafür aber würde noch mal ein Fünftel mehr Wasser gebraucht als heute. Und das fehlt dann zum Trinken und für andere Nutzungen – zudem meist in Regionen wie dem Sahel oder Südasien, wo es ohnehin schon zu wenig Wasser gibt.

Weitere Gründe für den steigenden Wasserverbrauch sind der moderne, verbrauchsintensive Lebensstil in den aufstrebenden Schwellenländern und die globale Verstädterung. Schon 2040 könnten die besonders betroffenen Ländern Asiens und Afrikas unter einer bisher unvorstellbaren Trinkwasserknappheit leiden, warnen die Verfasser des Berichts. 2070 wären dann auch bis zu 44 Millionen Menschen in Mittel- und Südeuropa direkt von der Wasserkrise betroffen. Am Ärgsten trifft es überall die Ärmsten. In dieser Woche wollen die mehr als 20.000 Teilnehmer des Weltwasserforums mögliche Lösungen der drohenden Krise beraten. Die Aufbereitung von Brauchwasser in Kläranlagen etwa könnte zumindest einen Teil der Lücke schließen. Denn derzeit werden 80 Prozent des Brauchwassers weltweit noch gar nicht aufbereitet. Doch dafür braucht es technische Expertise. Und Geld, sehr viel Geld. Mehr als 1,4 Milliarden Euro etwa hat alleine Peking zwischen 2001 und 2005 für den Schutz seiner Wassereinzugsgebieten ausgegeben. Von solchen Ausgaben können Entwicklungsländer nur träumen.

Angst vor Wasser-Kriegen

Das UN-Umweltprogramm UNEP und Umweltschutzorganisationen werben deshalb in Marseille für den Naturschutz als billigste Option zum Schutz des Trinkwassers. „Feuchtgebiete etwa filtern Wasser und Waldböden, Seen und Sümpfe speichern riesige Mengen sauberes Wasser“, erläutert Mark Smith, Wasserexperte der Internationalen Naturschutzunion. Und UNEP-Chef Achim Steiner rät, bei der nötigen Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft nicht die Natur und ihre milliardenschweren „Dienstleistungen“ zu vergessen. Erfolgreiches Wassermanagement müsse Landwirtschaft wie Ökosystem dienen, damit nicht langfristig das Trinkwasser ausgehe.

So wertvoll ist das Nass, dass das Internationale Rote Kreuz vor möglichen Wasser-Kriegen warnt. „Wir sehen etwa im Mittleren Osten bereits einige besorgniserregende Trends, die die zu mehr Gewalt und Verwundbarkeit in der Bevölkerung führen“, sagt Michael Talhami vom Roten Kreuz.

Auch deshalb hoffen die Helfer auf konkrete Ergebnisse beim Wassergipfel in Marseille. „Wasser kann Völker trennen“, bilanziert ICRC-Wasserdirektor Jean-Philippe Dross. „Aber der Schutz von Wasser kann die Quelle von Kooperation und ungeahnter Kreativität sein.“

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