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UN-Gipfel: Klimarettungsversuch - "Occupy Durban!"

 Die Luftaufnahme zeigt einen riesigen Riss im Pine Island Gletscher in der Antarktis
Die Luftaufnahme zeigt einen riesigen Riss im Pine Island Gletscher in der Antarktis
Foto: dapd/nasa

Klimarettung im Rückwärtsgang: Bei der Konferenz in Südafrika geht es auch um die Glaubwürdigkeit der internationalen Politik. Warum der Kampf gegen die globale Erwärmung zu scheitern droht, erklären vier Beispiele.

Durban –  

Es könnte brenzlig werden beim Klimagipfel. So richtig heiß. „Occupy Durban!“ forderte Costa Ricas Ex-Präsident José María Figueres jüngst von den Delegierten der am stärksten vom Klimawandel gebeutelten Staaten. „Wir brauchen eine Botschaft der Solidarität dieser Länder, die am meisten betroffen sind.“ Denn: „Sie gehen von Konferenz zu Konferenz ohne Antworten auf die drängenden Themen.“

Es zeichnet sich ein Showdown ab auf dem Weltgipfel im südafrikanischen Durban, der am heutigen Montag beginnt. Ein Showdown zwischen den Opfern des Klimawandels in den armen „Südstaaten“ – etwa in Afrika und im Pazifik– und den notorischen Verhandlungsbremsern aus dem Norden, den Industrienationen und den aufstrebenden Schwellenländern wie China. Am Ende wird sich zeigen, ob es überhaupt lohnt, den Kyoto-Weg weiter zu gehen.

"Klimawandel nicht mehr auf politischer Agenda"

Figueres’ Appell könnte Wirkung zeigen. Seyni Nafo, Sprecher der afrikanischen Länder, sympathisiert damit: „Wir verstehen die Situation Europas und Japans“, sagt er. Eurokrise, Erdbeben, Fukushima, das alles koste dort viel Geld und politische Energie. „Es scheint, dass die Bekämpfung des Klimawandels nicht mehr auf der globalen Agenda steht.“ Man müsse deswegen Aktionen erwägen, die sie zurück in die Öffentlichkeit rufen. Ein Delegierter aus der Entwicklungsländergruppe der „G.77“ weiß: „Es gibt Überlegungen unter Delegierten, die Tagungsräume zu besetzen. Es müsste gut geplant sein, um etwas bewirken zu können.“

So scheitert die Klimarettung
Länderbeispiele

Anfang November schreckte eine Meldung des US-Energieministeriums die Öffentlichkeit auf. Um sechs Prozent, so eine Hochrechnung, seien die Emissionen von Kohlendioxid und anderen klimaanheizenden Gasen von 2009 auf 2010 gestiegen. Wenige Tage später legte die Internationale Energie-Agentur nach: Das Ziel, die Emissionen auf ein Maß zu begrenzen, das einen Anstieg der globalen Temperatur um weniger als zwei Grad wahrscheinlich macht, ist kaum noch zu erreichen. Der Hauptgrund dafür: In vielen Schwellenländern steigen die Emissionen massiv an.

Natürlich tragen die alten Industrieländer weiterhin die Hauptverantwortung. Sie haben etwa 80 Prozent der menschengemachten Treibhausgase in die Atmosphäre gebracht. Und auch die aktuellen Pro-Kopf-Emissionen sind im Reichen-Club, den OECD-Staaten, deutlich höher als anderswo. Doch in den USA und Europa sinken die Emissionen spätestens seit der Krise 2008.

Die zusätzlichen neuen Treibhausgasmengen kommen dagegen als fast ausschließlich aus den neuen Industrieländern und den Schwellenländern, die sich anschicken, das Wohlstandsniveau Europas und Nordamerikas zu erreichen – mit entsprechend steigendem Energieverbrauch. Doch wo genau geht derzeit der Kampf gegen den Klimawandel verloren? Wo spielen sich Entwicklungen ab, durch die jetzt und in Zukunft hohe zusätzliche Kohlendioxid-Mengen in die Luft geblasen werden? Wir zeigen anhand von vier Beispielen, warum es so schwierig ist, den Klimawandel noch rechtzeitig in den Griff zu bekommen.

Tausende Delegierte und Beobachter aus 195 Staaten treffen sich in der Hafenstadt Durban. Zwei Wochen wird verhandelt, wie jedes Jahr im Herbst. Es ist bereits die 17. Weltklimakonferenz. Fast zwei Jahrzehnte sind seit dem legendären Gipfel von Rio 1992 vergangen, bei dem man feierlich beschloss, Entwicklung und Umwelt zu versöhnen – und vor allem den Klimawandel beherrschbar zu halten.

2012 aber läuft das Kyoto-Protokoll, das die Industriestaaten zur CO2-Reduktion um rund fünf Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 verpflichtete, aus. 2009 scheiterte die Staatengemeinschaft auf dramatische Weise damit, in Kopenhagen einen

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Autor:  Joachim Wille
Datum:  28 | 11 | 2011
Seiten:  1 2
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