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Klimawandel

25. Juli 2012

Unwetter - Dürre - Waldbrände: Ein Sommer der Extreme

 Von Alice Ahlers
Hefige Gewitter sind nicht untypisch in den Sommermonaten.Foto: dapd

Weltweit erleben die Menschen derzeit heftige Wetterbedingungen: Hier Dürre und Hitze, dort Unwetter und Überschwemmungen. Nun sagen Meteorologen auch noch El Niño voraus. Ist das schon der Klimawandel?

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Weltweit erleben die Menschen derzeit heftige Wetterbedingungen: Hier Dürre und Hitze, dort Unwetter und Überschwemmungen. Nun sagen Meteorologen auch noch El Niño voraus. Ist das schon der Klimawandel?

Wetter ist ungerecht. Während sich die Deutschen nach einem verregneten Juli endlich über ein paar Tage Sonne freuen, betet man im Mittleren Westen der USA um einen Wolkenbruch. Der Priester der katholischen Gemeinde Sacred Hearts of Jesus and Mary in Wisconsin hat ein Schild aufgestellt: „Heute Abend: Messe für Regen.“ In der Kirche sitzen vor allem Farmer, die seit Wochen darauf warten, dass ein paar Tropfen auf ihre Felder fallen. Die USA leiden derzeit unter der schwersten Dürre seit 50 Jahren. Zwei Drittel des Landes sind betroffen.

Ein Film über Wetter-Katastrophen bräuchte derzeit keine Dreharbeiten. Man könnte ihn aus den Nachrichten der Welt zusammenschneiden. Hier Hitzewellen und Dürre, dort Dauerregen und Gewitter. In Russland und Asien starben viele Menschen bei Überschwemmungen. Nahe der russischen Stadt Krimsk kamen 172 Menschen durch die Wassermassen ums Leben. 95 Chinesen wurden Opfer der schwersten Regenfälle, die Peking seit 60 Jahren erlebt hat. Im Norden Japans schnitten Erdrutsche nach tagelangen Niederschlägen Tausende Menschen von der Außenwelt ab.

Das weltweite Wetter erinnert an das, was die Propheten der globalen Erwärmung immer wieder ankündigen: Durch den Klimawandel komme es in Zukunft zu mehr extremen Wetterereignissen. Den einen bringe er Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen. Anderen Regionen drohe dagegen vermehrte Dürre. Doch die Prognosen der Klimaforscher beziehen sich meist auf das Ende dieses Jahrhunderts. Sie betrachten lange Zeitreihen von mindestens dreißig Jahren. Ein einzelner Sommer hat allein keine Aussagekraft.

Unstrittig ist: Die Temperaturen sind bereits jetzt weltweit gestiegen. Gerade hat die US-Wetterbehörde (NOAA) den „State oft the Climate Report“ präsentiert. Demnach ging es schon 2011 äußerst turbulent zu. Dürren in Ostafrika, den südlichen USA und in Mexiko, regenreiche Perioden in Mitteleuropa, Überflutungen in Australien und Thailand.

Unwetter durch El Niños

Die Wissenschaftler führen das vor allem auf das La Niña-Phänomen zurück. Es sorgt für unterschiedlichen Luftdruck über dem Pazifik. Die Wassertemperaturen verändern sich. Vor Asien und Australien sind sie wärmer. Das begünstigt extreme Niederschläge. Auf der anderen Seite, im Ostpazifik, ist der Ozean kühler als sonst. Dürren sind die Folge. „La Niña besteht zur Zeit nicht mehr“, sagt Christiana Lefebvre, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst (DWD). „Das Wasser im äquatorialen Ostpazifik hat sich bereits erwärmt.“

Die Meteorologen sehen nun bereits das Gegenteil von La Niña auf uns zukommen: El Niño, der das Wetter in der Vergangenheit weitaus stärker durcheinandergebracht hat. Wetterbehörden der USA, Australiens und Japans sagen vorher, dass El Niño in den nächsten Monaten das Wetter bestimmen wird. Auch auf Europa soll das Einfluss haben: Die Winter nach El Niños sind die kältesten in Deutschland, zeigten Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg.

La Niña und El Niño haben erst einmal nichts mit dem Klimawandel zu tun. Sie sind Wetterphänomene. Doch die globale Erwärmung verstärke ihre Auswirkungen, berichten die NOAA-Forscher. Eine Hitzewelle, wie es sie 2011 in Texas gab, sei während eines La-Niña-Zyklus heute 20 Mal wahrscheinlicher als vor 50 Jahren. Am Beispiel Großbritannien zeigten sie: Warme November können dort mit 62-facher Wahrscheinlichkeit auftreten.

Anfang April diesen Jahres ereilte die Briten noch ein Gießverbot. Im Winter hatte es kaum geregnet. Großbritannien erlebte 2011 den wärmsten November seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Wasserwerke hielten die Bürger an, kein kostbares Nass an englischen Rasen zu verschwenden. Doch dann schlug der Juni 2012 alle britischen Regenrekorde: Es fiel doppelt so viel Niederschlag wie sonst in diesem Monat, meldete der nationale Wetterdienst Met. Wimbledon ersoff unter Wassermassen und die Queen stand zu ihrem Thronjubiläum winkend im Dauerschauer.

Nasser Sommer in Deutschland

Auch hierzulande war der Sommer bisher nass. 82 Liter fielen im Juli deutschlandweit pro Quadratmeter zu Boden. „Das ist aber normal für unsere Breiten,“ sagt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst. Tatsächlich war der Juli hier in den letzten Jahren nie sehr trocken. 2011 fielen sogar 124 Liter pro Quadratmeter. Zum Sommermärchen 2006 waren es 50 Liter. Selbst im Jahrhundertsommer 2003 kamen 68 Liter vom Himmel. „Langanhaltende stabile Hochs sind eben nördlich der Alpen die Ausnahme“, sagt Kirsche.

In Grönland schmolz diesen Monat ungewöhnlich viel Eis. Mindestens 97 Prozent des Eisschildes war angetaut, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. In einem durchschnittlichen Sommer schmelze das Eis nur etwa auf der halben Oberfläche. Die Ursache könnte in einer ungewöhnlich warmen Luftschicht liegen, die Nasa spricht gar von einer Hitzeglocke.

Auch die Südeuropäer schwitzen. In Griechenland wurde die Akropolis gesperrt. 42 Grad waren für die Touristen einfach zu viel. In mehreren Städten wurden Räume mit Klimaanlagen für die Bürger geöffnet. In Spanien, Portugal und Italien kämpfen Feuerwehrleute gegen zahlreiche Waldbrände. Seit Jahresbeginn gab es in Italien 76 Prozent mehr Brände als im selben Zeitraum 2011.

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