Die Bilanz der Flutkatastrophe in Thailand ist schon jetzt grausam – dabei sind die Wassermassen noch gar nicht wieder abgelaufen. Mehr als 550 Menschen kamen ums Leben, noch immer sind Millionen Menschen betroffen, und Tausende Fabriken stehen unter Wasser. Es ist klar: Die ökonomischen Schäden werden riesig sein. Ende Oktober hat die Nationalbank die Wachstumsprognose für den südostasiatischen Tigerstaat bereits von 4,1 auf 2,6 Prozent gesenkt. Nun steht eine weitere Absenkung bevor.
Die Flut in Thailand ist wie eine Illustration zu der neuen Studie des UN-Klimarats IPCC, die die Folgen der Erderwärmung auf die „Extremwetter-Ereignisse“ analysiert. Sie liegt der Frankfurter Rundschau vor. Eine deutliche Zunahme von Überschwemmungen und Sturmfluten, aber auch von starken Hitzewellen ist damit programmiert, wenn die Menschheit es nicht schafft, den Ausstoß von Treibhausgasen schnell herunterzufahren.
Die Folgen wären für die Sicherheit und Gesundheit der Menschen dramatisch. So steigt zum Beispiel die Gefahr von Hungersnöten und Seuchen.
Meeresspiegel wird ansteigen
Für Europa sagen die Experten mehr Hitzewellen wie im „Jahrhundertsommer“ 2003 voraus, der mehrere zehntausend vorzeitige Todesfälle verursachte. Für die USA und die Karibik prognostizieren sie noch stärkere Hurrikane und für die kleinen Pazifikinseln eine wachsende Bedrohung durch Sturmfluten infolge des Meeresspiegel-Anstiegs. In Westafrika könnten sich die Dürreperioden verschärfen, es drohen dort noch mehr Hungersnöte.
Die mittlere Erdtemperatur ist seit Beginn der Industrialisierung bereits um etwa 0,7 Grad Celsius angestiegen.
Bis 2100 erwartet der UN-Klimarat IPCC eine Erwärmung in einer Bandbreite zwischen 1,1 und 5,4 Grad.
Die Szenarien operieren dabei mit unterschiedlichen Annahmen etwa zu Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftswachstum.
Am wahrscheinlichsten ist laut IPCC ein Plus zwischen 1,8 und vier Grad.
Auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen 2009 wurde erstmals international das Ziel postuliert, die Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen.
Die Klimaexperten erwarten, dass sich die Maximaltemperaturen auf der Erde bis 2050 um bis zu drei Grad Celsius und bis 2100 um bis zu fünf Grad erhöhen. Bisher ist die globale Temperatur seit Beginn der Industrialisierung um 0,7 Grad angestiegen. Internationales Ziel ist es, die Erwärmung nicht über zwei Grad ansteigen zu lassen, wie zuletzt der Weltklimagipfel in Cancun (Mexiko) forderte. Diese Marke droht überschritten zu werden – mit Folgen auch für die Extremwetter-Ereignisse.
Differenziertes Bild
Die Experten zeichnen in ihrem 700 Seiten starken Report, für den seit 2008 mehrere Tausenden Klimastudien ausgewertet worden sind, ein differenziertes Bild. Einige der Wetteränderungen wie die vermehrten Hitze- und Flutwellen gelten nach der bisherigen Datenlage bereits als „sehr wahrscheinlich“ oder „wahrscheinlich“. Andere Entwicklungen bezeichnen die Forscher als noch nicht sicher, so mögliche Tendenzen zu mehr Stürmen, Fluss-Hochwassern oder Waldbränden. Auch Vorhersagen über zunehmenden Dürren oder die Destabilisierung der Monsun-Systeme in Asien seien noch nicht abgesichert.
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