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07. Januar 2015

Wetterextreme: Weniger Schäden durch Naturkatastrophen

 Von 
Hagelschäden auf einem Getreideacker in Baden-Württemberg.  Foto: imago/Westend61

Der Trend könnte zu falschen Schlüssen verführen: Zum dritten Mal in Folge ist 2014 ein Jahr bei Naturkatastrophen glimpflich verlaufen, bilanziert die Munich Re. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Schadenssumme gesunken. Trotzdem warnt der Münchner Assekuranzriese: Niemand sollte sich in Sicherheit wiegen.

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Der Trend könnte zu falschen Schlüssen verführen. Zum dritten Mal in Folge ist 2014 ein Jahr bei Naturkatastrophen glimpflich verlaufen, bilanziert die Munich Re. Der Münchner Assekuranzriese hat global eine aus Extremwetter und Erdbeben resultierende Schadenssumme von 110 Milliarden Dollar (92 Milliarden Euro) errechnet, wovon 30 Milliarden versichert waren. 2013 lagen die Schäden bei 140 und 39 Milliarden Dollar. Auch das rangierte schon deutlich unterm Schnitt des letzten Jahrzehnts mit 190 Milliarden Dollar gesamten und 58 Milliarden Dollar versicherten Schäden. Niemand dürfe sich aber nun in Sicherheit wiegen, warnt Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek.

Bei den Schadensstatistiken ist zum einen viel Zufall im Spiel – ob verheerende Stürme über Städte hinwegziehen oder wie 2014 sich meistens über Ozeanen austoben, sagt Peter Höppe. Rein von der Anzahl her, hat der Risikoforscher der Munich Re 2014 erstmals fast 1000 schadensrelevante Naturkatastrophen registriert, die meist wetterbedingt waren. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre waren es 830 solcher Ereignisse, blickt man auf die letzten drei Jahrzehnte, kommt man sogar nur auf 640. Die Zahl der Naturkatastrophen nimmt also weiter zu und dass das mit dem Klimawandel in Verbindung steht, bezweifelt kein ernsthafter Experte.

Bessere Frühwarnsysteme

Das lässt sich auch vor der eigenen Haustür beobachten. In Deutschland war 2014 das wärmste Jahr seit Beginn der Temperaturaufzeichnung 1881. Erstmals ist die hiesige Durchschnittstemperatur mit 10,2 Grad auf über zehn Grad geklettert, betont Meteorologe Dominik Jung. Mit Ausnahme des Augusts seien alle Monate teils deutlich wärmer als im langjährigen Mittel gewesen. Der Dezember sei im Süden Deutschlands sogar um vier Grad zu warm gewesen. Auch global hat 2014 gute Chancen, als das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen einzugehen.

Andererseits stellen sich Menschen immer besser auf die Folgen des Klimawandels ein, auch wenn dieser selbst kaum bekämpft wird. So hat der ostindische Zyklon Hudhud als teuerste Naturkatastrophe des vergangenen Jahres zwar gesamtwirtschaftliche Schäden im Wert von sieben Milliarden Dollar hinterlassen, aber mit 84 Toten relativ wenige Menschenleben gefordert, betont Jeworrek. Das sei kein Zufall. „Vielerorts funktionieren Frühwarnsysteme besser“, erklärt der Munich Re-Vorstand. Insgesamt sind 2014 rund 7400 Menschen durch Naturkatastrophen gestorben, verglichen mit knapp 100 000 Menschenleben jährlich im Schnitt des letzten Jahrzehnts.

Auch das will die Munich Re aber nicht als Entwarnung vor den Folgen des Klimawandels verstanden wissen. Man befinde sich gerade erst an dessen Anfang, betont Risikoforscher Höppe. Um 0,85 Grad Celsius seien die globalen Durchschnittstemperaturen in den letzten 100 Jahren gestiegen. Wenn daraus bis Mitte des Jahrhunderts zwei bis vier Grad werden, wie von Experten erwartet, würden Stürme und Überschwemmungen so katastrophal, dass man sich präventiv nicht mehr davor schützen könne.

In unseren Breitengraden drohten unter Tiefdruckeinfluss immer schlimmere Überschwemmungen sowie unter Hochdruckeinfluss Hitzewellen und Dürren, warnt die Munich Re. Für die Assekuranz dürften vor allem die an Zahl und Heftigkeit zunehmenden Hagelschäden teuer werden. Der hierzulande größte wetterbedingte Schaden war 2014 ein Hagelsturm, der Werte von 1,2 Milliarden Dollar vernichtet hat. Davon waren drei Viertel versichert.

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