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Klimawandel

22. März 2012

Wetterveränderung: Zustände wie in den Tropen

 Von Oliver Ristau
So warm könnte es bald öfter in Deutschland sein.Foto: ddp

Meteorologen prognostizieren eine Zunahme extremerer Wetterereignisse in Deutschland, die damit auch Einfluss auf die Energiewende haben könnten.

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Meteorologen prognostizieren eine Zunahme extremerer Wetterereignisse in Deutschland, die damit auch Einfluss auf die Energiewende haben könnten.

Im Moment herrscht unter Forschern so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm. „Der Klimawandel hat eine Atempause eingelegt“, sagte Klimatologe Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel auf dem bis zum heutigen Freitag tagenden siebten Extremwetterkongress in Hamburg. Seit 1998 das letzte weltweite Temperaturmaximum gemessen worden war, stagniere die Temperatur in der Atmosphäre auf hohem Niveau. Diese Pause könnte bis 2020 anhalten.

„Eine Entwarnung ist das aber nicht.“ Vielmehr sei diese Pause Ausdruck der natürlichen Schwankungen, erläuterte Latif. Von einer Reduzierung der Treibhausgase in der Atmosphäre, die die Klimatologen für den beobachteten Temperaturanstieg von einem Grad Celsius verantwortlich machen, könne keine Rede sein „Der Klimawandel kann danach umso schneller voranschreiten.“

Starkregen im Winter

Sollte der weltweite Ausstoß der Klimagase wie Kohlendioxid nicht massiv gebremst werden – wonach es aktuell nicht aussieht – muss Deutschland zudem in den kommenden Jahrzehnten mit einer Zunahme extremer Wetterereignisse rechnen.

„Unsere Modelle weisen langfristig auf die Zunahme von Extremwerten hin“, sagte Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes. So prognostizierten die Berechnungen insbesondere ab 2050 eine Zunahme der Temperaturen sowie eine Verschiebung der jährlichen Niederschlagsverteilung in Richtung Winter. „Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts ist mit einem Anstieg der Häufigkeit von Winterstürmen um bis zu 50 Prozent zu rechnen.“ Starkregen, der bisher vor allem im Sommer niedergeht, wird künftig verstärkt im Winter vom Himmel prasseln. Zugleich werden die Sommer immer wärmer.

Heftige Gewitter

„Die Zahl heißer Tage wird sich laut der Projektionen bis 2100 verdreifachen“, erwartet Becker. Heißer wird es vor allem im Süden der Republik, wo tropenähnliche Wetterzustände an 35 Tagen des Jahres auftreten könnten.

Das bedeutet aber keineswegs, dass hierzulande künftig mediterrane Verhältnisse herrschen. Meteorologe Peter Höppe von der Münchener Rückversicherung sieht verstärkt Gewitter über Deutschlands Sommerhimmel aufziehen. „Die Wohngebäudeschäden infolge von sommerlichen Gewittern werden im Zeitraum 2011 bis 2040 im Mittel um 15 Prozent im Vergleich zum Zeitraum zwischen 1984 und 2008 zulegen“, prognostizierte er unter Verweis auf eine Studie des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung für die deutsche Versicherungswirtschaft. Bis 2070 würden die Schäden im Mittel sogar um 47 Prozent höher ausfallen. Die Annahmen gehen neben einem geringen Klimaschutzengagement von mangelnder Schadensvorbeugung aus.

Viele kleine Schäden

„Die Anzahl der wetterbedingten Naturkatastrophen in Deutschland hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht“, so Höppe. 2011 lagen die wetterbedingten Schäden in Deutschland mit einer dreistelliger Millionensumme zwar deutlich unter vergangenen Höchstwerten, „doch die Anzahl der vielen kleinen Schadensereignisse hat einen neuen Rekord erreicht“.

Diese Erkenntnisse haben Einfluss auf die künftige Energieversorgung in Deutschland. „Der durch die Energiewende verursachte Ausbau regenerativer Energien lässt die Anfälligkeit der Stromversorgung gegenüber extremen Wetterereignissen steigen“, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Heiße Sommer sorgen für niedrige Flüsse und beeinträchtigen die Kühlung etwa von Kohlekraftwerken. Auch für die Windenergie könnte die Zunahme von Stürmen, bei denen sich die Anlagen abschalteten, zum Problem werden.

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