Im Amazonas-Becken wachsen heute auf mehr als fünf Millionen Quadratkilometern die größten Regenwälder der Erde. In der grünen Schatzkammer leben nicht nur eine kaum überschaubare Fülle von Tier- und Pflanzenarten. Wissenschaftler gehen auch davon aus, dass die Region eine wichtige Rolle für das Weltklima spielt.
Typisch für den Amazonas-Regenwald sind große Jahresniederschlagsmengen, die mit bis zu 2 600 Millimetern pro Quadratmeter mehr als vier Mal so hoch ausfallen wie etwa in Frankfurt am Main.
Sein feuchtes Klima schafft sich der Regenwald dabei zum Teil selbst. Die kräftige Tropensonne lässt aus dem Blätterdach so große Mengen Wasser verdunsten, dass sich Wolken bilden. Allerdings befürchten Experten, dass dieser Wasserkreislauf durch die Abholzung des Waldes zunehmend gestört werden könnte.
In den Jahren 2005 und 2010 hat die Region bereits unter ungewöhnlichen Dürreperioden gelitten. Durch den Klimawandel könnte es zu einer Austrocknung kommen. (kv.)
Die Abholzung des Regenwalds sorgt nach einer neuen Studie für weniger Niederschlag und macht die Tropen somit trockener. Britische Forscher untersuchten großflächig den Zusammenhang von Regen und Vegetation mit Hilfe von Satellitendaten - und ihre Beobachtungen bestätigten Klimamodelle. Für mehr als 60 Prozent der tropischen Landfläche gilt demnach: Luftmassen, die über stark bewachsene Flächen gezogen waren, produzierten doppelt so viel Regen wie die, deren Weg über eher kahle Gebiete geführt hatte, schreibt das Team um Dominick Spracklen von der Universität in Leeds. Die Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Fachjournal „Nature“.
Die Wissenschaftler werteten für ihre Studie Daten von Satelliten sowie vom Blattflächenindex (LAI = leaf area index) aus. Dieser Index gibt Auskunft über die Dichte des Waldes - er berechnet sich aus Blattfläche pro Einheit Bodenoberfläche. Die Forscher untersuchten die tropischen Regenwälder im brasilianischen Minais Gerais, am Amazonasbecken, im afrikanischen Kongobecken und im Süden Kongos.
Die Folgen des ausbleibenden Niederschlags sind abzusehen: Es drohen Dürreperioden und dadurch bedingte Feuersbrünste. Durch das fehlende Wasser wird sich die Baumsterblichkeitsrate mit hoher Wahrscheinlichkeit erhöhen. Auch Folgen für das große Artenreichtum werden wohl nicht ausbleiben. Ebenso folgen zusätzlich globale Auswirkungen: Forscher nehmen an, dass die globale Temperatur um weitere 3° Celsius steigen wird.
Ein Szenario der Forscher für das Jahr 2050 im Amazonasbecken ergab: Wenn weiter so viel Regenwald abgeholzt wird wie seit Beginn der 2000er Jahre, wird sich der Niederschlag während der Regenzeiten um 12 Prozent reduzieren und während der Trockenzeit um 21 Prozent. (dpa)
Wofür wird der Regenwald eigentlich gerodet? Erfahren sie mehr in unserer Bilderstrecke:
Der Regenwald ist sowohl Heimat für Tiere und Naturvölker, als auch ein wichtiges Ökosystem, dass das ganze Weltklima beeinflusst. Trotzdem schwindet Tag für Tag ein Stück dieses wichtigen Ökosystems. Aber nicht nur Einheimischen, sondern in großem Maße die Industrienationen nehmen an dem Raubbau teil - und profitieren davon. Wofür der Regenwald zerstört wird und wie die Verbraucher davon Abstand nehmen können, erfahren sie hier.
Foto: dpa
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