Jakarta. Tropische Torfmoorwälder sind für den weltweiten Klimaschutz von überragender Bedeutung. Wenige Wochen vor der Weltklimakonferenz in Kopenhagen weist der World Wide Fund for Nature (WWF) mit neuen Daten auf die dramatische Bedrohung des Weltklimas hin, sollten diese Wälder vor allem in Indonesien in ähnlich rasantem Tempo eingeschlagen werden wie bisher.
Dann könnte es dem WWF zufolge zu Emissionen von riesigen Ausmaßen kommen. "Die Zerstörung der Torfmoorwälder ist für das Klima eine tickende Zeitbombe", sagt WWF-Expertin Guénola Kahlert. Schon jetzt, so die renommierte Umweltorganisation, entweichen durch die Vernichtung der Torfmoorwälder jedes Jahr drei Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre.
Neben Bränden gilt vor allem die rapide Neuanlage von riesigen Palmöl-Plantagen als Hauptursache für die Zerstörung. Palmöl wird auch in Deutschland immer stärker in Nahrungs- und Waschmitteln und in Kosmetika verwendet. Deshalb tragen nach Ansicht des WWF die Industrieländer und deren Verbraucher eine Mitverantwortung für die Zerstörung der Torfmoorwälder.
WWF-Klimaexpertin Kahlert sagte auf FR-online.de, zwei Milliarden Tonnen der CO2-Emissionen entfallen auf Südostasien, davon wiederum 90 Prozent auf Indonesien. Vor allem die Vernichtung der Torfmoorwälder auf Sumatra und auf Kalimantan, dem indonesischen Teil von Borneo, machen Indonesien nach den USA und China zum weltweit drittgrößten Verursacher von Treibhausgasen.
Gigantische Kohlenstoffspeicher
"Deshalb ist der Schutz dieser Wälder von zentraler Bedeutung", sagt Kahlert. "Torfmoorwälder sind Kohlenstoffspeicher von gigantischen Ausmaßen". Mit bis zu 6000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar lagerten sie bis zu 50 Mal so viel Kohlenstoff ein wie andere Regen- wälder. "Würden alle Torfmoorwälder auf Kalimantan zerstört, würden 23 Gigatonnen (eine Gigatonne sind 1.000 Milliarden Tonnen) CO2 freigesetzt." Zum Vergleich: Deutschland "produziert" jedes Jahr eine Gigatonne CO2.
Haupttreiber der Waldzerstörung auf Borneo ist neben Feuer die anhaltende Ansiedlung von Palmöl-Plantagen. Mehr als die Hälfte neu geplanter Plantagen soll nach Angaben des WWF auf Torfmooren angelegt werden. Bis 2050 werde der Druck weiter steigen, weil sich die Nachfrage nach Palmöl bis dahin vervierfache, fürchtet der WWF. Plantagen mit einer Fläche von bis zu 50 Millionen Hektar müssten dafür entstehen.
Der WWF fordert eindringlich, dafür keinen Tropenwald abzuholzen und keine Torfmoore trocken zu legen. "Der WWF ist nicht gegen neue Plantagen, aber sie müssen nachhaltig sein", sagt Kahlert.
Vereinbarung in Kopenhagen
Indonesien, aber auch anderen Ländern fehlen die Mittel, um den Schutz der Wälder selbst stemmen zu können. "Produkte wie Palmöl, Zellstoff oder Holz, die auf ehemaligen Regenwaldflächen angebaut werden, werden vor allem in den Industrieländern verbraucht ohne dass sie deren CO2-Bilanz zugerechnet werden", sagt Kahlert.
Seit zwei Jahren wird deshalb über den so genannten REDD-Mechanismus diskutiert. Darüber sollen Entwicklungs- und Schwellenländer dafür entschädigt werden, dass die Wälder geschützt und erhalten werden und ihre Vernichtung nicht weiter das Klima belasten.
"Nur durch eine angemessene Entschädigung für den Erhalt der Waldflächen ist die Zerstörung der Wälder aufzuhalten." Die Industrieländer müssten für die Kohlenstoffspeicherung in den Ländern des Südens zahlen, fordert der WWF und drängt auch eine entsprechende Vereinbarung in Kopenhagen.
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