Aktuell: Fußball-EM 2016 | Brexit | HIV und Aids | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Zuwanderung Rhein-Main
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kolumnen

24. Januar 2016

Verausgabt

 Von 

Der Schwerreiche hat es auch nicht leicht. Wenn er mal etwas ausgeben will, fangen die Probleme schon an.

Drucken per Mail

Letzte Woche waren sie wieder in Davos, die Mächtigen und Hochverdächtigen, um sich vor der Welt zu ekeln, die ihnen so bedingungslos zu Willen ist. Und in die Zukunft zu schauen, die ihnen noch obszöneren Reichtum bescheren wird. Nicht nur, weil Gott fröhlich auf den größten Haufen scheißt. Sondern auch, weil ihr System einfach prima funktioniert.

Ich war wieder nicht dabei. Weil ich kein UHNWI bin, wie man unter Fondsmanagern sagt – kein „ultra-high net-worth individual“. Und nicht Ski fahren kann. Stattdessen habe ich mich mit einer großformatigen Beilage der „Financial Times“ vergnügt: How to spend it. Die widmet sich der viel zu selten gestellten Frage, wie der Superreiche wenigstens ein bisschen von seinem Vermögen wieder loswird.

Wenn die Profis die Kohle erst einmal gut geparkt haben, ist das nämlich gar nicht so einfach. Nehmen Sie nur Bill Gates: Der gibt und gibt, Tag und Nacht, und steht mit fast 80 Milliarden Dollar immer noch auf Platz 1. Oder die Gebrüder Koch, aktuell auf Platz 6 im Fatcat-Ranking. Wollen 2016 in den USA an die 900 Millionen Dollar für passende Politik verpulvern. Und werden auf dem Konto doch nichts spüren. Höchstens positiv: sobald sich der Staat wunschgemäß noch kleiner macht, mit noch weniger Regeln und Steuern.

Zum Start von Davos wurde bekannt, dass die 62 Topmilliardäre der Welt mittlerweile so reich sind wie die gesamte ärmere Hälfte der Menschheit – 3,6 Milliarden Leute. Deren Wohlstand übrigens seit 2010 nochmal um 41 Prozent fiel, während er ganz oben um 44 Prozent stieg. Irgendwann wird es furchtbar knallen. Beim letzten Gipfel hieß es schon, die Superreichen würden jetzt in Landebahnen und Farmen an entlegenen Orten wie Neuseeland investieren. Ich denke: Die ahnen was. Aber das ist sicher nur eine Neiddebatte.

Wie also Geld abwerfen? Ein Krokotäschchen der in meiner Beilage beworbenen Marke Céline kostet lumpige 15 000 Dollar. Der teuerste Staubsauger ist für 19 000 zu haben. Und eignet sich nicht einmal als Distinktionsmerkmal, sprich: zur Abgrenzung vom Plebs. Langweilig auch: Luxusuhren, -kleider und rosa Diamanten. Hat jeder. Selbst Lamborghinis sind recht billig. Der Einsitzer mit dem schönen Namen „Egoista“ kostet gerade mal drei Millionen Dollar.

Besser schon und voll im Trend: Münzen. Ein Silberdollar von 1794 kam bei einer Auktion immerhin auf zehn Millionen. Das merkt man schon ein wenig. Oder ein Gauguin. Der haut mit bis zu 300 Millionen rein. Oder ein richtig großes Schiff. Der Emir von Abu Dhabi hat für seine neue Megayacht (180 Meter, sieben Decks) angeblich fast 500 Millionen Euro versenkt.

Studien zeigen: Der superreiche Asiat träumt aktuell vom Weingut, während Araber und Afrikaner eher zum Gestüt neigen. Europäer wie Nordamerikaner wiederum lenken die stets begehrlichen Äuglein auf ein geiles Chalet in einem todschicken Skigebiet. Was Davos doppelt anziehend macht. Und der Russe? Will nur weg. Ist also eher ein Kandidat für die private Landebahn.

„How to spend it“ schlägt, wie passend, als „Manifestation von Exklusivität“ die eigene Insel vor. Die derzeit teuerste soll Lanai (Hawaii) sein, Preis: um die 600 Millionen Dollar. Sie gehört Larry Ellison, dem Gründer der Firma Oracle. Machen Sie ihm ein Angebot.

Tom Schimmeck ist Autor.

[ Lesen Sie jetzt das EM-Spezial der FR - digital oder gedruckt sechs Wochen lang ab 27,30 Euro. Hier geht’s zur Bestellung. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


Brexit

Letzte Chance für die Europäische Union

Von  |

Der Brexit könnte der Anfang vom Ende der EU sein. Um das zu verhindern, müssen die Verantwortlichen die Politik radikal ändern und endlich ein demokratisches und gerechtes Europa schaffen. Der Leitartikel. Mehr...

Fall Niels H

„Es handelt sich um keinen Einzelfall“

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. muss sich wegen mehrfachen Mordes und Mordversuchs vor dem Oldenburger Landgericht verantworten.

Der Fall Niels H. zeigt: Klinische Leichenschauen sind in Deutschland rar. Weil die Kosten dafür niemand tragen will, bezahlen die Patienten von Fall zu Fall mit ihrem Leben. Mehr...

Leitartikel

Das Ende der Volksbühne

Von Ulrich Seidler |

Theaterchef Frank Castorf soll gehen. Das ist in Ordnung. Nachfolger Chris Dercon wird das bisherige Gesamtkunstwerk verändern. Das ist schade.  Mehr...

EZB

Der Frust der Sparer bleibt

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

Das Bundesverfassungsgericht stärkt mit seiner bemerkenswerten Zurückhaltung die Währungsunion. Was bleibt, ist der Frust der Sparer über die dürren Zinsen. Der Leitartikel. Mehr...

SPD

Überlebenskampf der Sozialdemokratie

Oft scheint bei SPD-Chef Gabriel derzeit die Symbolik im Vordergrund zu stehen.

SPD-Chef Gabriel nährt Spekulationen über eine linke Machtoption. Nur auf die Frage, wozu die SPD wirklich gebraucht wird, gibt ihr Vorsitzender keine Antwort. Der Leitartikel. Mehr...

Brexit-Debatte

Die Insel-Tragödie

Von Barbara Klimke |
Auf dem Spiel stehen Austausch, Ausgleich und Aussöhnung auf dem Kontinent.

Großbritannien läuft Gefahr, sich vom Kontinent nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich und intellektuell zu entkoppeln. Mehr...

Spanien

Das Ende der Siesta

Pablo Iglesias übt sich schon in der Rolle des Staatschefs.

So geht es nicht weiter. Spaniens Politiker haben sich ein halbes Jahr Pause gegönnt. Nach den Neuwahlen am 26. Juni müssen sie sich endlich an die Arbeit machen. Der Leitartikel.  Mehr...

Syrien

Assads blutiger Plan

Der syrische Diktator nutzt im Bürgerkrieg die Zurückhaltung der USA und die Ohnmacht der EU. Iran und Russland unterstützen ihn. Die Folge: Der blutige Konflikt geht weiter. Der Leitartikel.  Mehr...

Wirtschaftskrise

Warnsignal vom Finanzmarkt

Wirtschaftsstandort London. Die Weltwirtschaft steckt in einer tiefen Krise.

Dass Sparer draufzahlen und der Staat für das Schuldenmachen Geld bekommt, hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Die Entwicklung zeigt eine tiefe Krise der Weltwirtschaft. Der Leitartikel. Mehr...

Sexualstrafrecht

Nein heißt Nein

Gina-Lisa Lohfink sollte eine Geldstrafe wegen Falschaussage zahlen. Dagegen hat das Modell Berufung eingelegt.

Der Fall Gina-Lisa Lohfink zeigt: Das deutsche Sexualstrafrecht muss endlich reformiert werden. Dann ist jeder nicht-einvernehmliche Sex strafbar. Der Leitartikel.  Mehr...

Anzeige