Die Bundesregierung sieht keinen Zusammenhang zwischen dem maroden Atommülllager Asse und einem Anstieg von Krebsfällen in der Umgebung. Die erhöhten Krebsraten könnten „nicht durch die Strahlenbelastung erklärt werden“, heißt es in der Antwort des Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen. Die bewerteten die Aussage als gewagt.
Um den beobachteten Anstieg der Krebsfälle mit Strahlung erklären zu können, müsse „die Dosis etwa 10000-mal höher sein als beobachtet“, schrieb die Parlamentarische Staatssekretärin, Ursula Heinen-Esser (CDU), in ihrer Antwort auf Fragen der Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn vom Mittwoch. Eine Analyse seltener Krebserkrankungen in einer kleinen Region unterliege „zwangsläufig starken statistischen Schwankungen“.
Bei Auswertungen in einer bestimmten Anzahl von Gemeinden könnten höhere Erkrankungsraten „allein aufgrund des statistischen Zufalls“ gefunden werden, hieß es weiter. Im Landkreis Wolfenbüttel selbst seien die Daten unauffällig, schrieb Heinen-Esser. Sie versicherte aber auch, die Bundesregierung sei „an einer schnellen Klärung der Sachlage interessiert“ und bot dem Land Niedersachsen Unterstützung bei der Bewertung der beobachteten erhöhten Krebshäufigkeiten an.
Der Fraktionschef der Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, kritisierte diese Einschätzung als gewagt. „Das ist eine mutige Aussage“, denn für die erhöhten Werte gebe es ganz eindeutige Belege, sagte Wenzel. Zwar gebe es auch keine Beweise dafür, dass die Asse die Ursache für die höhere Zahl von Krebserkrankungen sei, „aber wer das Gegenteil behauptet, der muss auch den Beweis antreten“. Wenzel forderte zunächst weitere Untersuchungen der nun bekanntgewordenen Daten und ihrer möglichen Ursachen.
Auch die Grünen-Bundestagsfraktion äußerte sich enttäuscht über die Haltung der Bundesregierung: Sie versuche die Sorgen der Menschen vor Ort kleinzureden, sagte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothea Steiner, der Braunschweiger Zeitung. Ein Zusammenhang zwischen Atommüll und Krebshäufigkeit in der Umgebung der Asse liege sehr nahe. Ende November war bekanntgeworden, dass in der Umgebung des maroden Atommülllagers deutlich mehr Leukämie- und Schilddrüsenkrebsfälle als im statistischen Mittel aufgetreten sind. ( afp)
Bombardiert Israel die iranischen Atomanlagen? Weitet sich der Konflikt zum Regionalkrieg aus? Werden gar die USA hineingezogen? Die Lage in Nahost spitzt sich dramatisch zu. Das Spezial.
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.