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Vor Weihnachten in den Wald : Mit der Säge zum Traumbaum

Die Jagd auf das weihnachtliche Grün ist eröffnet. Verbandszeug hält der Förster parat, doch gebraucht hat er es noch nie.

        

Unter rund 3000 Bäumen können Besucher ihren Wunschkandidaten schlagen.
Unter rund 3000 Bäumen können Besucher ihren Wunschkandidaten schlagen.
Foto: Alexander Heimann

Mit Säge und Beil im Gepäck machen sich derzeit viele Familien auf den Weg in den Wald. Vor allem Väter und Kinder sind es, die vergnügt voranstapfen, um eigenhändig den Weihnachtsbaum fürs Fest zu fällen. „Es ist ein unvergessliches Erlebnis für Kinder, mit den Eltern in die Tannenschonung zu gehen, den Baum auszuwählen, zu schlagen und heim zu transportieren“, erzählt Förster Jürgen Treichel.

Er hat seinen Platz im Bauwagen im Revier Wiesental eingenommen, wo er Kunden berät und die Kasse verwaltet. Auch Verbandszeug hält er parat, doch habe er noch nie erlebt, dass sich jemand beim Sägen verletzt habe. „Die Väter, die hierher kommen, sind erprobte Heimwerker.“

Roland Troll vom Forstamt Groß-Gerau hilft, die gefällten Bäume durch die Netzmaschine zu ziehen, wo sie für den Transport umspannt werden. Bäume, die höher als drei Meter sind, passen dort nicht hinein. „Die muss man mit Seilen umwickeln“, erklärt er. Für Großpapa Alois aus Mörfelden, der mit Enkelin Melanie (12) gekommen ist, gibt es kein Problem: „Zu hoch darf unser Bäumchen nicht sein, denn wir feiern in der Gartenlaube. 1,20 Meter ist genau richtig.“ Geschmückt werde der Baum mit echten Kerzen. „Eine Lichterkette kommt mir nicht in die Hütte“, sagt Opa Alois energisch.

Ein Hektar voller Nadelhölzer

Im Geviert zwischen Mörfelden, Raunheim und Erzhausen ist Förster Treichel für 2000 Hektar Wald zuständig. „Vor drei Jahren haben wir den Weihnachtsbaumverkauf im Revier Wiesenthal neu initiiert. Hier gibt es einen Hektar Weihnachtsbaumkultur, also insgesamt zwei- bis dreitausend Bäume“, sagt er. Die Nordmanntannen wurden während der vergangenen zehn Jahre aufgeforstet. Manche Tannen ragen mehr als fünf Meter hoch hinauf. „Die sind für Kirchen, Gewerbe und Verwaltungen gedacht – die meisten Leute aber fällen Bäume zwischen 1,50 und zwei Metern Höhe“, weiß Treichel. 200 Bäume hat er bis zum Mittag schon verkauft, insgesamt rechnet er mit 300.

Eben holpert auf dem Waldweg ein VW-Bus heran. Vier Kinder und zwei Männer steigen aus. „Wir kommen aus Bad Vilbel und suchen eine Fünf-Meter-Tanne“, sagt Thomas Stewens und streift voller Elan die Arbeitshandschuhe über.

Da staunt der Förster: „Wohnen Sie in einer Kirche?“ Stewens und sein Bruder lachen: „Wir haben ein zweigeschossiges, offenes Vestibül.“ Die Kinder Nina, Philipp, Chiara und Nick stapfen den Papas hinterher. Schließlich ist der Baum ihrer Träume gefunden. „Achtung, alle Kinder zur Seite gehen“, ruft Thomas Stewens und setzt die Säge an. Das ist nicht einfach, denn der Baum ist drei Meter breit.

Doch nach dem ersten Schnitt geht es ruckzuck: ritsch-ratsch – schon beugt sich der hohe Baum und sinkt langsam zur Erde. Die Kinder jubeln: „Ist der groß!“ Nur der kleine Nick weint, denn er hat kalte Füße bekommen. „Das gehört dazu“, tröstet der Papa. Während die Väter den Baum bezahlen, freuen sich die Kinder am würzigen Harzgeruch und zählen die Jahresringe des Stammes ab: „Neun Jahre alt ist unser Baum.“ Mit einem Seil werden die Äste umwunden. „80 Kilo wiegt der Baum bestimmt“, schätzt Roland Troll. Es braucht Geschick und Geduld, bevor die Tanne auf dem Dach des VW-Busses festgezurrt ist. Winkend machen sich die Weihnachtsbaumkäufer auf den Heimweg. Bei Förster Treichel aber fahren schon die nächsten Kunden vor. ( lot)

Datum:  14 | 12 | 2010
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