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Kreis Groß-Gerau
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28. September 2014

Demo in Rüsselsheim: Wut und Trauer bei Hundefans

 Von 
Tierfreunde legen an der Stelle, an der die Tiere getötet wurden, Stofftiere und Bilder ab.  Foto: dpa

In Rüsselsheim sind am Sonntag mehrere hundert Menschen aus Protest gegen die Erschießung von zwei Staffordshire-Terriern durch die Polizei auf die Straße gegangen. Die Beteiligung bleibt allerdings deutlich unter den Erwartungen.

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Rüsselsheim –  

Das Mädchen deutet auf den Boden. „Da, wo der Blutfleck ist, da ist Kimba gestorben“, sagt sie. „Und da hinten Tays.“ Daneben brennen zig rote Friedhofs-Kerzen mit den Namen der beiden American-Staffordshire-Terrier. Eine Frau legt zwei weiße Rosen dazu, hält mit gesenktem Kopf inne.

Nachdem die Polizei am Dienstag die beiden Hunde erschossen hat, ist der Friedensplatz in der Rüsselsheimer Innenstadt zum Pilgerort geworden. An der geschlossenen Shisha-Bar kleben Zettel. „Wir glauben an eure Unschuld“ oder „Wo ist die Gerechtigkeit!“ Annekathrin Detmer (26) aus Mainz ist mit Freundin und ihrem Pitbull angereist, der wie die Staffordshire in Hessen auf der Liste der gefährlichen Hunderassen steht. „Ich habe die Schnauze voll von den Vorurteilen gegen Listenhunde“, sagt die junge Frau. „Zwei Golden Retriever hätte die Polizei bestimmt nicht einfach so erschossen.“ Die Umstehenden stimmen ihr zu. „Auch einen Schäferhund nicht“, sagt der Mann, der mit Beagle und einem großen Mischling unterwegs ist.

Doch nicht alle denken so. Ein Ehepaar, das seinen Namen nicht nennen will, findet die Aufregung „übertrieben“. Immerhin seien zwei Leute gebissen worden und früher sei ein Kind sogar schon von einem Kampfhund getötet worden. „Hunde sind keine Menschen“, sagt die Frau, die mit ihrer Meinung nicht alleine dasteht. „Wenn eine Person erschossen worden wäre, hätte es nicht so einen Terz gegeben“, urteilt eine Passantin, die ebenfalls anonym bleiben möchte.

Eine Stunde später im Stadtteil Dicker Busch: Wer an der Demonstration auf der gesperrten vierspurigen Adam-Opel-Straße teilnehmen will, muss sich von Sicherheitspersonal abtasten lassen – „nach Waffen, das ist eine Auflage“, heißt es schroff zur Erklärung. In der Nähe des Polizeipräsidiums haben die Veranstalter mit Flatterband eine „Sicherheitszone“ abgesperrt, in der ein Rettungswagen steht und ein blaues Zelt. Darin sitzen die beiden Hundehalter auf einer Bank, daneben eine weinende blonde Frau und wechselndes Sicherheitspersonal in neongelben Westen. Die Demonstranten müssen hinter dem Flatterband bleiben.

 Die Stimmung ist aufgewühlt und emotional. Seitdem sie den Film in Facebook gesehen habe, weine sie ständig, sagt Dilek Özortak (45). Die Frankfurterin ist mit Tochter Gökolnur (13) gekommen, um ein Zeichen gegen die „herzlose“ Polizei zu setzen. Monika Milanovic ist mit vier Freunden heute von Hannover aus nach Rüsselsheim aufgebrochen, um gegen die Diskriminierung von Listenhunden zu demonstrieren.

Wiederholt fällt unter den Teilnehmern das Wort „Gerechtigkeit“. Um die einzufordern, habe sie die Veranstaltung organisiert, sagt Jenny McDevin (26). Auf Plakaten sind die Konterfeis der Hunde zu sehen, das Megafon wird herumgereicht: „Wir haben immer mit ihnen gespielt, das waren sehr brave Hunde“, sagt ein Zehnjähriger. „Wir kannten die Hunde nicht, aber wir lieben sie, weil sie Hunde waren“, sagt eine Frau. Ein Mädchen überreicht den beiden Hundehaltern jeweils eine rote Rose. Die Teilnehmer applaudieren.

„Mit Kindern gekuschelt“

Mehr als eine Stunde geht das so. Dann stellen sich David Bakula (31), Herrchen von Kimbo, und Osman Selvi (27), Herrchen von Tays, vor die Mikrofone und werfen den Journalisten erst einmal vor, einseitig und negativ über sie zu berichten. Dies sei eine „friedliche Veranstaltung“, sagt Selvi, „eine Trauerzeremonie“. Die Hunde, 18 Monate alt und Geschwister, hätten einen Wesenstest absolviert, mit seinen Kunden und den Kindern in der Nachbarschaft „gekuschelt“ und gespielt. „Die können gar nicht beißen.“ Bakula ergänzt das Bild: „Die schlafen bei jedem von uns im Bett.“

 Auf die Verletzten angesprochen, wollen sich die beiden nicht äußern. Doch auf die Rüsselsheimer Polizei sind sie wahrlich nicht gut zu sprechen. Selvi sagt, sie hätte ihn schon länger auf dem Kieker. „Die sind bekannt für ihre grobe Art“, sagt Bakula. Diese Veranstaltung zeige, dass alle Hundebesitzer zusammenhalten, denn sie würden diskriminiert. „Wir hatten noch nie eine so breite Unterstützung.“

2200 Leute waren es nach Angaben der Veranstalter in Laufe des nachmittags. „Das war ein Kommen und Gehen“, sagt McDevin der Frankfurter Rundschau. Die Polizei gab am Sonntag Abend die Zahl der Teilnehmer mit 400 an. Die Demonstration sei friedlich verlaufen. „Es gab keine Zwischenfälle.“

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