Den Vize-Chef des SPD-Unterbezirks Thomas Will habe die Nachricht "wie ein Schlag in die Magengrube getroffen", sagt er. Ernst Peter Layer, Vorsitzender der Rüsselsheimer SPD, ist verletzt und getroffen.
Die SPD-Lantagsabgeordnete aus dem Kreis Groß-Gerau, Renate Meixner-Römer, ist entsetzt, verwundert und erstaunt. "Ich hätte mich so gerne für eine andere Schulpolitik eingesetzt", bedauert Meixner-Römer die Entscheidung von Carmen Everts.
Die Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der Kreis-SPD Everts hat heute morgen bekannt gegeben, dass sie wie drei weitere Landtagsabgeordnete nicht für Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin stimmen wird. Damit hat sie einen Politikwechsel in Hessen verhindert.
Everts täuscht die Basis
Am vergangenen Dienstag hatte Everts auf dem Parteitag des Unterbezirks Groß-Gerau vehement jeden Zweifel von sich gewiesen, sie könne wegen ihrer politischen Nähe zu Jürgen Walter Ypsilanti die Gefolgschaft verweigern.
Dem einstimmig beschlossenen Antrag der Rüsselsheimer, das Koalitionspapier zu begrüßen und Ypsilanti zu unterstützen, hatte Everts sogar zugestimmt. "Ich fühle mich verraten und angeschmiert", sagt Layer, der mit dem Antrag eine ehrliche Diskussion angestrebt hatte.
Jochen Auer von der Groß-Gerauer SPD ist zutiefst empört. Er hatte einer "Ahnung" folgend auf dem Parteitag den Zusatz beantragt, die Landtagsabgeordneten auf eine Zustimmung zu verpflichten. Nach Protesten nicht zuletzt von Everts hatte Auer den Zusatz schließlich zurückgezogen.
Der Büttelborner Bürgermeister Horst Gölzenleuchter war auf dem Parteitag Everts beigesprungen und hatte den Zusatz-Antrag als überflüssig bezeichnet. Nun ist er enttäuscht, dass Everts und die drei anderen Abweichler nicht schon vor Monaten ihre Bedenken in die Parteiöffentlichkeit getragen haben. "Die Diskussion wäre dann anders verlaufen", sagt er.
Der Unterbezirk müsse sich nun fragen, ob Everts die richtige Vorsitzende sei, sagt Layer. Diese Entscheidung nimmt Carmen Everts ihren Parteifreunden nun ab. In einen Telefonat mit Thomas Will gestern Morgen hat sie angekündigt, ihre Ämter zur Disposition zu stellen. Sie sei zudem nun einige Tage nicht zu erreichen. Ihre Entscheidung habe Everts mit dem "Rückgrat in der Wahlkabine" begründet, sagt Will.
Der Unterbezirksvorstand, dem neben Will der Bundestagsvorsitzende Gerold Reichenbach und der Riedstädter Bürgermeister Gerold Kummer angehören, wird die Lage in den nächsten Tagen bewerten. "Wir sind in einer schwierigen Situation", so Will, "da eine Abweichlerin aus unserem Kreis und unsere Direktkandidatin ist."

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