Während die Aktien der Großbanken gestern wieder an Wert verloren, ist die Mehrzahl der hiesigen Volksbanken und Sparkassen nach eigenen Angaben unbeschadet durch die internationale Finanzkrise gekommen. Manche berichten sogar über Zuwächse.
"Wir haben umfangreiche Mitteleingänge", sagte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Dreieich, Stephan M. Schader, gestern. Der niedrige achtstellige Betrag komme vor allem von den Direktbanken und den großen Geschäftsbanken.
Die Kunden hätten derzeit einen hohen Informationsbedarf, sagt Schader. Deshalb gingen Berater und Kunden gemeinsam die Depots durch, um risikoreiche Anlagen zu identifizieren. Anders als manche Sparkasse habe die Volksbank Dreieich keine Lehman-Zertifikate vertrieben. Auch die Bank selbst habe ihr Geld ausschließlich im genossenschaftlichen Finanzverbund angelegt.
Von lebhaften Geldtransfers im unteren zweistelligen Millionenbereich auf Konten der Groß-Gerauer Volksbank berichtet Vorstandsmitglied Jörg Lindemann. Bevorzugt seien jetzt Spar- und Termineinlagen und Tagesgeld. "Die Kunden wollen ihr Geld jetzt nah in der Region - und sie wollen Ansprechpartner haben", sagt er.
Die Groß-Gerauer Kreissparkasse berichtet sogar von Zuwächsen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Ein Kunde habe sein Geld sogar von einem Schweizer Konto nach Groß-Gerau überwiesen, sagt Pressesprecher Hans Wieschollek. Nicht Festgeld, sondern Sparkassenbriefe und Inhaberschuldverschreibungen seien die beliebtesten Anlagen.
Auch die Sparkasse Langen-Seligenstadt verzeichnet Einlagenzuwächse "in geringer bis mittlerer zweistelliger Millionenhöhe". Die von ihr gewährleistete Sicherheit sei zu einem "wesentlichen Verkaufsargument geworden", heißt es.
"Wir haben immer konservativ beraten", sagt auch Klaus Weber, Vorstandsmitglied der Rüsselsheimer Volksbank. Da die Volksbank genug eigene Kunden habe, brauche sie kein Geld vom Kapitalmarkt und könne ihren Kunden momentan weiterhin Kredite zum bisherigen Zinssatz anbieten. Durch den allgemeinen Kursrutsch habe die Bank Geld verloren, das in einigen Aktien und Dax-Papieren angelegt war. "Allerdings sehr wenig", sagt Weber.
Lediglich die Offenbacher Sparkasse spricht von Verlusten. "Wir sind selbstverständlich betroffen", sagt Werner Schwind, stellvertretendes Vorstandsmitglied. Wie viel Geld flöten ging, würden die Bilanzen ergeben. Ob und wie viel Geld an insolventen Geldhäusern oder gar bei Lehman Brothers angelegt war, möchte Schwind nicht sagen.
Papiere von Lehman gab es für Kunden der Sparkasse sehr wohl. "Es gab keine Hinweise, dass das riskant sein könnte", so Schwind. Jetzt sei die Sparkasse diesen Kunden behilflich, ihre Ansprüche geltend zu machen.

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