In Groß-Gerau können nun doch Stolpersteine zur Erinnerung an von den Nationalsozialisten ermordete und vertriebene Juden verlegt werden. Im Parlament fand sich am Dienstag eine knappe Mehrheit für einen entsprechenden Antrag der SPD.
2009 hatte die damalige Parlamentsmehrheit aus CDU und Kommunaler Bürgerinteressengemeinschaft (Kombi) das Ansinnen abgelehnt, dass die Stadt die Verlegung von Stolpersteinen durch den Kölner Künstler Gunter Demnig in die Wege leitet. Diesmal ergab die Abstimmung ein knappes Ja für das Vorhaben: 14 Stadtverordnete stimmten dafür, 13 dagegen, ein Mitglied der Grünen enthielt sich.
Wesentlicher Bestandteil des nun angenommenen Antrags ist, dass die Grundstückseigentümer, vor deren Häusern Stolpersteine verlegt werden könnten, ihre Einwilligung geben. Die Steine sind zehnmal zehn Zentimeter groß und werden im Boden versenkt. Oben tragen sie eine Messingplatte, auf der steht, wer vor der Vertreibung in jenem Haus gelebt hat.
Die Steine werden über Patenschaften finanziert; einer kostet 120 Euro. Bürgermeister Stefan Sauer (CDU) sagte, dass die Pflege verlegter Steine Angelegenheit der Eigentümer und nicht der Stadt sein müsse. Schwierig findet er die Abgrenzung des Personenkreises, an den mit den Steinen erinnert werden soll.
Karlheinz Wamser (Kombi) fürchtete, dass trotz des Freiwilligkeitsprinzips Druck auf Hauseigentümer ausgeübt werden könnte. Auch kritisierte er die Preissteigerung bei den Steinen, die vor drei Jahren noch 90 Euro gekostet hätten.
Stadtverordnetenvorsteher Christian Wieser (CDU) sagte, die kleinen Steine bewegten ihn nicht wirklich. „Ich hätte gerne einen großen Stolperstein“, sagte er, etwa auf dem Marktplatz.
Renate Wahrig-Burfeind von den Grünen erzählte, dass sie kürzlich in Wiesbaden über drei Steine „gestolpert“ sei. Sie nannte es ein „dezentes Gedenken“, ein kleines, nicht aufdringliches Mahnmal. Und es sorge für ein ständiges Erinnern, denn das Thema sei längst nicht vorbei, wie die Taten von Neonazis zeigten. (amt.)

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