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Hebammen in Rüsselsheim: Kaum noch Hausgeburten

Für Schwangere in Rüsselsheim wird es immer schwieriger, ein Hebamme zu finden. Die Arbeit rechnet sich für die Geburtshelferinnen nicht mehr.

Viele Hebammen bieten nur noch Vor- und Nachsorge an.
Viele Hebammen bieten nur noch Vor- und Nachsorge an.
Foto: Jens Etzelsberger

Nur noch drei freiberufliche Hebammen arbeiten in Rüsselsheim. Hausgeburten gibt es in der Stadt so gut wie keine, sie rechnen sich für die Geburtshelferinnen nicht mehr. Und dennoch gibt es eine große Nachfrage nach den Leistungen der Hebammen. Frauen wie Magda Sticht. Die Nauheimerin hat in ihrem Berufsleben schon etwa 3.000 Kindern auf die Welt geholfen. 30 Jahre lang war sie für den Deutschen Entwicklungsdienst im Jemen tätig. Sie richtete Entbindungsstationen ein, schulte Mütter und Schwangere und informierte über Familienplanung.

Teure Versicherung

Die Geburtshelferinnen sehen sich unterbezahlt, sie haben einen Stundenlohn von rund 7,50 Euro errechnet.

Für Hausgeburten müssen Hebammen zudem eine Haftpflichtversicherung abschließen. Im Jahr 2009 kostete die noch 2.370 Euro, seit diesem Jahr sind dafür 4.242 Euro zu zahlen. 196 Stunden jährlich müssten Hebammen nach Rechnungen des Deutschen Hebammenverbandes allein für diese Versicherung arbeiten. Die Verbände sprechen von einem Überlebenskampf.

Bei Verhandlungen mit den Krankenkassen haben die Hebammenverbände für alle Leistungen der Freiberuflerinnen eine Steigerung der Sätze um 30 Prozent gefordert. Für eine Entbindung im Geburtshaus soll eine Pauschale von 900 Euro gezahlt werden.

Die Kassen lehnten ab und wollen bei dem bisherigen Satz von 550 Euro bleiben. Für alle anderen Leistungen vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit haben die Versicherungen 1,98 Prozent mehr angeboten.

Seit ein paar Monaten ist Sticht wieder in Rüsselsheim tätig. Wie ihre Kolleginnen konzentriert sie sich vor allem auf die Vor- und Nachsorge rund um die Geburt. Die Krankenkassen vergüten nach einer ambulanten Entbindung 20 Kontakte bis zum zehnten Lebenstag des Kindes, danach noch einmal 16 bis zur achten Lebenswoche. Ab der neunten können die Hebammen noch einmal acht Visiten abrechnen, bis das Kind ein dreiviertel Jahr alt ist.

Diese Sätze sind die Lebensgrundlage für Magda Sticht und ihre Kolleginnen. Dafür beraten sie die Mütter, wenn das Baby schlecht trinkt, Ausschlag bekommt, der Nabel schlecht heilt oder andere Probleme die junge Eltern verzweifeln lassen. Sie zeigen, wie das Baby gebadet wird, leiten beim Stillen an und haben den Körper der Mutter im Blick.

Volle Terminkalender

Es ist üblich, dass sich die Mutter kurz vor der Geburt mit der Hebamme in Verbindung setzt und sie mit der Betreuung beauftragt. Sie hat dabei freie Auswahl. Sticht darf für einen Hausbesuch 27 Euro abrechnen, für sonntägliche Visiten 32,50 Euro und für ein Vorgespräch zur Entbindung 30 Euro. Für sie sei das ganz in Ordnung, sagt die Hebamme. Sie ist aber auch bereits pensioniert und arbeitet nur für einen Nebenverdienst.

Ihre Leistungen sind dennoch sehr gefragt. Obwohl sie erst seit kurzem wieder in Rüsselsheim aktiv ist und die Geschäfte sich eigentlich erst entwickeln müssten, betreut sie bereits zwölf Mütter. „Es gibt eine große Nachfrage. Die Kolleginnen im Kreis können schon gar nicht mehr alle Mütter annehmen. Es gibt einfach nicht mehr genug, die das machen“, sagt Sticht. (ers.)

Datum:  12 | 1 | 2012
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