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Kreis Groß-Gerau
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13. Juli 2012

Kelsterbach: Entennest auf dem Balkon

Oft müssen die Küken per Hand aufgezogen werden.  Foto: Tierschutzverein Kelsterbach

Wegen der Rodungen für die neue Landebahn müssen die Tiere nun im Stadtgebiet brüten. Weil sie nicht wissen wohin, bauen sich sogar die scheuen Füchse ihre Höhlen in Parks und manch ein Hausbesitzer hat plötzliche neue Untermieter.

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Enten brüten in Blumenkästen auf dem Balkon, Füchse bauen ihre Höhlen in öffentlichen Grünanlagen, Eichhörnchen flitzen mitten in der Stadt über die Bäume. Seit den Rodungen im Kelsterbacher Wald für den Bau der Nordwestlandebahn beobachtet der Kelsterbacher Tierschutzverein eine massive Zunahme von Wildtieren im städtischen Raum. „Das ist völlig außergewöhnlich“, kommentiert Vorsitzende Judith Wagner die Situation.

Erfahrungen mit Wildtieren haben die Kelsterbacher Tierschützer seit vielen Jahren. Sie haben sich auf Pflege und Versorgung von Wildtieren spezialisiert. Doch eine solche drastische Zunahme wie in den vergangenen zwei, drei Jahren hat Judith Wagner noch nie erlebt. „Den Tieren fehlt der natürliche Lebensraum“, sagt sie mit Blick auf Wasservögel und Waldtiere. Der Mönchwaldsee habe seine Funktion als Lebensraum für Enten nach den umfangreichen Rodungen weitgehend verloren. Der Main sei von Enten schon extrem dicht besiedelt, so dass den Tieren auf der Suche nach einem Nistplatz oft nur Garten und Balkone als Ausweg blieben.

In der Stadt lauern tödliche Gefahren

„Leider suchen sich die Entenmütter oft Nistgelegenheiten mitten im Ort“, klagt Wagner. Die Nester liegen dann viel zu weit vom Wasser entfernt, als dass die Mutter ihre Küken noch unbeschadet zum Main führen könnte. Bahnstrecken, Straßen oder Gullydeckel werden dann zu tödlichen Gefahren für die Jungenten. Auch alleine der Weg vom Balkon im ersten Stock auf den Boden kann für den Entennachwuchs schon ein fast unüberwindliches Hindernis sein.

Den Tierschützern bleibt dann nur übrig, die Küken einzusammeln und zum Fluss zu bringen. Das geht allerdings nur, wenn die Entenmutter ihren Nachwuchs auf diesem Weg entdeckt und begleitet. Denn ohne ihre Mutter sind die Küken im Wasser aufgeschmissen. In den ersten Wochen muss die Ente noch das Gefieder der Küken fetten, damit diese nicht untergehen.

Und so sind die Tierschützer nicht selten ganz langsam zu Fuß unterwegs, damit die Ente, von den kreischenden Küken angelockt, den Weg zum Main mitmacht. Im Idealfall kann die Mutter mit eingefangen und zum Main gebracht werden, sagt Judith Wagner. Ist dies nicht der Fall, bleibt den Tierschützern nur die mühsame Handaufzucht, die sich über mehrere Wochen zieht.

Noch besser ist es, die Entenmutter baut ihr Nest gar nicht erst mitten in der Stadt. Deshalb sollten Anwohner, die solche Bestrebungen erkennen, das Nest im Frühstadium zerstören, um die Ente zum Umzug zu bewegen, rät Wagner. Ist das Nest dagegen fertig gebaut und die Ente brütet, darf sie nicht gestört werden.

Um es gar nicht so weit kommen zu lassen, rät der Tierschutzverein dazu, Balkone, Terrassen und Garten möglichst oft zu betreten, damit die Vögel diese Orte gar nicht erst als ruhig und für die Brut geeignet empfinden. Möbel und Pflanzen sollten im Außenbereich manchmal umgestellt werden, um den Eindruck einer dauerhaften Deckung zu vermeiden.

Auch Eichhörnchen sind durch die Rodungen von rund 250 Hektar Kelsterbacher Wald in die Stadt vertrieben worden, so Wagner. In den öffentlichen Grünanlagen seien deutlich mehr Tiere zu beobachten. Auch die Zahl der Eichhörnchenbabys, die der Verein aufgezogen hat, sei seit den Rodungen im Kelsterbacher Wald deutlich gestiegen.

Auch drei Fuchsfamilien haben ihren ursprünglichen Lebensraum vor zwei Jahren gegen öffentliche Grünanlagen in Kelsterbach getauscht, erzählt Wagner.

Im vergangenen Herbst hat Judith Wagner junge Eichelhäher aufgezogen, die sie mitten in der Stadt gefunden hat. „Das ist sehr ungewöhnlich. Eichelhäher brüten normalerweise im Wald. Aber der Lebensraum, den sie brauchen, ist nicht mehr da“, sagt Wagner. Ersatz ist rund um Kelsterbach nicht in Sicht, und Wagner rechnet damit, dass einige Tierarten wohl ganz aus dem Umfeld verschwinden werden. (ers.)

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