Wenn das Ehepaar Wenz in Groß-Gerau heute Abend die Türen zu seinem Kino öffnet, bricht ein neues Zeitalter an. Das Lichtspielhaus hat auf Digitaltechnik umgestellt. Nur auf den ersten Blick wird alles sein wie immer: Anja Wenz wird an der Kasse stehen und Eintrittskarten verkaufen, Frank Wenz im Projektorenraum die Filme für den Abend vorbereiten. Dort, hinter den Kulissen versteckt sich die Veränderung: Statt zweier alter, mechanischer Projektoren laufen digitale Maschinen.
Die Umstellung ist teuer, aber notwendig, wenn das Kino auf der Höhe der Zeit bleiben will. Bis 2013 stellen die Filmverleiher ihr Programm Schritt für Schritt auf digitale Kopien um. An der Anschaffung der neuen Projektoren führte demnach kein Weg vorbei, erklärt Anja Wenz. Alternativ hätte das Kino in zwei Jahren schließen müssen.
Bis zu 100.000 Euro kostet ein digitaler Projektor. Viel Geld für kleine Häuser. Sogenannte Kriterienkinos haben aber Unterstützung von Filmförderungsanstalt, dem Land Hessen sowie dem Bund erhalten. Glücklicherweise, so Anja Wenz, erfülle ihr Familienbetrieb diese Kriterien und sei deshalb unterstützt worden.
In zwei arbeitsintensiven Wochen im November wurden die neuen Projektoren installiert. Acht bis neun Stunden habe er pro Tag investiert, erzählt Frank Wenz, an den Wochenenden sogar noch mehr. Dazu kamen 30 Stunden Einführung in die Technik und Funktionsweise der neuen Geräte.
Alles läuft bequem über den Rechner
Wenz erklärt den Projektor vereinfacht als Computer mit gutem Mediaplayer und verbessertem Beamer. Musste er früher etwa die einzelnen Werbeblöcke und Vorschauen per Hand in den Hauptfilm schneiden, geht das heute alles bequem über den Rechner. Zuerst stellt sich Wenz eine Titelliste zusammen, stellt ein, was wann laufen soll und wann das Licht im Saal gedimmt wird. Die Liste sendet er dann an den Projektor, der sie nur noch ausstrahlt. Er könne theoretisch sogar über das Internet auf das Gerät zugreifen.
Die digitalen Kopien werden in Zukunft auf Festplatten geliefert, die deutlich kleiner sind als die alten Filmrollen. Mit rund 200 Euro sei eine Festplatte zudem deutlich günstiger. Um die verschlüsselten Daten auf der Platte zu aktivieren, braucht es jedoch einen Code des Verleihers. Ohne diesen sei die Festplatte wertlos, da der Film nicht abgespielt werden kann, erklärt Wenz.
Mit den neuen Geräten ist das Groß-Gerauer Kino zumindest zehn Jahre dank einer Herstellervereinbarung auf dem neuesten Stand der Technik. Außerdem sind die Projektoren mit einer 4K-Technologie ausgestattet. Dahinter verbirgt sich die Anzahl der Pixel die abgebildet werden können. Sie ist bei 4K-Projektoren doppelt so groß wie bei 2K-Projektoren, die viele Kinos verwenden. „Damit ist auch die Bildqualität doppelt so klar wie bei den anderen Geräten“, sagt Wenz.
Besonders beeindruckend seien Farbtiefe und Kontrast im Vergleich zu den alten Projektoren. Aber auch sie erfüllen noch ihren Zweck: Auf ihnen werden in Zukunft alte Filme gezeigt, von denen die Betreiber keine digitale Kopie besitzen. „Außerdem kann ich sie per Hand reparieren“, sagt Frank Wenz. Bei den neuen Geräten müsse ein Techniker erst ein Diagnoseprogramm anwenden, um den Fehler zu finden.
Mit einer Erweiterung sei es möglich, auch Filme in 3D zu übertragen, erzählt Anja Wenz. Ob sie und ihr Mann auch diesen Weg beschreiten, sei aber noch nicht entschieden. Dafür gebe es aber schon die Vereinbarung, Konzerte ausgewählter Künstler live zu übertragen.
An Programm und Preisen des Kinos werde sich durch die Umstellung nichts ändern, versprechen die Kinobetreiber. Die Mischung solle weiterhin ebenso anspruchsvolle Besucher zufriedenstellen wie Gelegenheitskinogänger. (eda.)

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