Wir räumen und entrümpeln die Hallen“, beschreibt Christopher Bybee seine und die Arbeit seiner sieben Kollegen. Acht Stunden am Tag ist er mit ihnen derzeit auf dem alten Resart-Ihm-Fabrikgelände beschäftigt, um den Abriss der Gebäude vorzubereiten. Bybee war Langzeitarbeitsloser und gehört zu den ersten Beschäftigten der Diakoniewerkstatt, die in der Bahnhofstraße eröffnet hat. Er ist glücklich, wieder einen Job zu haben. „Das steigert das Selbstwertgefühl“, sagt er.
Gerhard Büttner ist einer der Kollegen. Er hat 26 Jahre als Kesselwärter bei Opel seinen Lebensunterhalt verdient, bis das Kraftwerk dicht gemacht hat. Danach rutschte er in die Arbeitslosigkeit und arbeitete als Ein-Euro-Jobber.
Stadt ist exklusiver Kunde
Bislang unterhält die Diakoniewerkstatt vier Betriebsstätten in Rüsselsheim, Groß-Gerau, Riedstadt und Ginsheim. Jetzt gibt es mit Raunheim einen fünften Standort. In einem ehemaligen Friseur-Salon wurden die Geschäftsräume eingerichtet. Der Standort wurde in Kooperation mit der Stadt eröffnet, erklärt Pfarrer Volkhard Guth, Vorsitzender im ehrenamtlichen Vorstand der Diakoniewerkstatt.
Die Stadt sei auch exklusiver Kunde der Diakoniewerkstatt. Mit dem Projekt sollen Langzeitarbeitslose, die bei der Stadt über eine Ein-Euro-Job-Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit beschäftigt sind und deren Förderung ausläuft, weiterhin tätig sein können, erklärt Kerstin Mohr, Fachbereichsleitung Soziales und Kultur. Die Teilnehmer werden vom Jobcenter der Agentur für Arbeit vermittelt. Ziel ist es, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen.
Was auch ab und an gelingt, wie Sozialpädagogin Nicole Rohark unterstreicht, die die Leute betreut und ihnen zur Seite steht. „Wichtig ist, dass sie sich in Vollzeitbeschäftigung befinden“, erklärt sie.
Für ihre Leistung erhalten sie rund 900 Euro brutto, was die Langzeitarbeitslosen zusätzlich motivieren soll. Denn sie bekommen damit mehr Lohn als in einem Ein-Euro-Job, betont Volkhard Guth.
Die Diakoniewerkstatt bietet künftig Tätigkeiten wie Straßenpflege, Wohnungsrenovierungen und andere Kleinarbeiten an. Engagieren kann die Diakoniewerkstatt jeder, sie bietet ihre Dienstleistung zu marktüblichen Preisen an, erklärt Geschäftsführerin Monika Schmidt. Sie soll dem üblichen Handwerk jedoch keine Konkurrenz sein, betont Pfarrer Guth.
Dies sei sie schon deshalb nicht, weil sie ihre Aufträge zwar fachgerecht abwickelt – wegen der persönlichen Einschränkungen der Arbeiter aber oft über einen längeren Zeitraum als ein normaler Fachbetrieb. Das kirchliche Anliegen, der soziale Dienst, stünde im Vordergrund. Zudem ginge der Gewinn gegen Null, weil mit den Einnahmen lediglich der Betrieb der Diakoniewerkstatt am Leben erhalten wird.
Der Gewerbeverein will die Entwicklung beobachten. Der Vorsitzende Jürgen Klüpfel stellt nämlich auch fest, dass für die Gewerbetreibenden durch die Zusammenarbeit mit der Stadt Aufträge verloren gingen. (eda.)

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