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Kreis Groß-Gerau
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26. November 2009

Mörfelden-Walldorf: Integration in der Nähstube

Sema Yesiltepeli (links) macht Bumrung Wittassek Mut.  Foto: Dagmar Mendel

Die Frauenbeauftragte Sema Yesiltepeli hilft einer jungen Thailänderin bei der Existenzgründung.

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Frauen, die zu Sema Yesiltepeli kommen, machen damit häufig den ersten befreienden Schritt aus einer Notsituation. Viele bitten die städtische Frauenbeauftragte um Rat in persönlichen oder beruflichen Fragen. "Das ist ja oft eng miteinander verzahnt", sagt Yesiltepeli.

Sieben Jahre ist es schon her, dass eine junge Thailänderin im Frauenbüro stand. "Sie lebte damals seit drei Jahren in Deutschland, war verheiratet und todunglücklich", erinnert sich Yesiltepeli. Wenn sie heute zu Bumrung Wittassek (31) ins Walldorfer Schneideratelier "Die Nähstube" geht, staunen beide über den steinigen Weg, der hinter ihnen liegt.

Seit Mai hat Wittassek ihr eigenes Geschäft. Ihr Leben ist eine der Erfolgsgeschichten, die Yesiltepeli motivieren, nicht nachzulassen beim Weben am frauenunterstützenden Netzwerk.

Insbesondere für Frauen aus dem Ausland ist das Frauenbüro eine Anlaufstelle. "Nicht selten sind sie bereits Jahre hier, haben Kinder aufgezogen, isoliert in den vier Wänden gelebt und sprechen kein Deutsch", berichtet Yesiltepeli. "Der Ehemann ist oft jahrelang einzige Verbindung zur Außenwelt."

Fremd und nicht gebraucht

Wittassek hat zwar keine Kinder, doch auch sie erlebte das Fremdsein hautnah. "Ich fühlte mich fremd und nicht meinen Fähigkeiten entsprechend gebraucht", sagt Wittassek. Die zierliche junge Frau ist in der Millionenstadt Bangkok aufgewachsen und hat dort den Highschool-Abschluss gemacht.

"Es ist nicht leicht, die Verhältnisse zu verstehen, in denen Frauen fremder Kulturen leben müssen. Bumrung Wittassek hat sich dank ihres großen Willens aus dem Sumpf der Armut gezogen", kommentiert Yesiltepeli. Die junge Frau ergänzt, ihre damals in Deutschland lebende Schwester habe sie unterstützt, denn Bildung in Thailand sei teuer. "Mein Traum war es, Anwältin oder Psychologin zu werden", sagt sie mit Wehmut. Dann richtet sie sich energisch auf: "Aber jetzt bin ich auch sehr glücklich. Und wenn ich mal weinen muss, gehe ich zu Sema."

Durch die Heirat war Wittassek finanziell abgesichert, mochte sich darauf aber nicht ausruhen. "Ich wollte unbedingt was aus mir machen." Der Gang zum Arbeitsamt öffnete Wittassek zunächst jedoch nur Türen zu niedrigsten Arbeiten - die sie gleichwohl annahm. "Ich erlebte dabei auch Mobbing", verrät sie. Als sie in einem fleischverarbeitenden Betrieb eingesetzt wurde, war ihr Maß des Erträglichen voll und sie mobilisierte ihre Willenskraft. "Im Telefonbuch habe ich die Nummer vom Frauenbüro gefunden", sagt sie und strahlt.

Schneiderlehre und Unidiplom

Von da an ging es im Netzwerk von Berufs- und Wirtschaftsberatung bergauf. Wittassek legte an einer thailändischen Fernuniversität ihr Diplom in Marketing-Management ab und machte parallel dazu - auf Vermittlung Yesiltepelis - eine Schneiderausbildung. "Ich hatte schon immer Talent zum Schneidern." Die deutsche Sprache beherrscht Wittassek gut. Sie sagt: "Sema hat mir Mut gemacht, sonst hätte ich es nicht geschafft. Gleichzeitig wusste ich immer: Ich will lernen und nicht aufhören damit."

Einige Kunden konnte Wittassek von ihrer Vorgängerin übernehmen. Auch neue gibt es schon. "Zum Beispiel eine Dame aus Mexiko." Dezent, chic, stilvoll sind die Hosenanzüge und Damenkleider, die auf Bügeln zum Abholen bereit hängen.

Was sagt der Ehemann zur geglückten Emanzipation? Bumrung Wittassek lächelt und schweigt. Die Frauenbeauftragte meint: "Man muss gerecht sein. Männer tun oft nichts dafür, dass Frauen ihren eigenen Weg gehen können. Aber sie tun auch nichts dagegen."

Schneiderin Wittassek ist mit ihren Gedanken längst weiter: "Ich will eine Prüfung ablegen, um Lehrlinge auszubilden." (lot)

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