Schnell fallen die Würfel auf das Spielbrett, die Figuren werden gezogen. Udo Thiel und Erich Reviol sitzen sich am Wohnzimmertisch gegenüber und spielen „Mensch ärgere Dich nicht“. Zug um Zug kämpfen sie darum, wessen Figuren als erste im Ziel sind. „Ich verliere fast immer“, sagt Thiel, während Reviol mit einem siegessicheren Grinsen im Gesicht weiterwürfelt.
Die beiden Männer kennen sich gut. Seit rund fünf Jahren besucht Udo Thiel einmal pro Woche seinen Spielpartner. Thiel gehört dem Besuchsdienst Pro Gemeinschaft der katholischen Gemeinde Christkönig in Mörfelden-Walldorf an, der alten und kranken Menschen im Alltag mit Hilfe und Betreuung zur Seite steht.
Die Fachstelle Altenhilfe ist unter 06105/938933 erreichbar und vermittelt Besuchsdienste der katholischen und evangelischen Gemeinde. Neue ehrenamtliche Helfer sind dort ebenfalls richtig.
Direkten Kontakt zum Besuchsdienst Pro Gemeinschaft der katholischen Gemeinde Christkönig bieten Brigitte Worgitzki (06105/5307), Tanja Ziegler (06105/704434) oder Heidemarie Thiel (06105/75953).
Erich Reviol hat mehrere Schlaganfälle erlitten. Seither ist der 70-Jährige im Alltag auf den Rollstuhl und auf Hilfe angewiesen. Anfangs haben die beiden Männer immer einen Ausflug zum Wochenmarkt am Rathaus gemacht. Danach stand dann ein Besuch beim Donnerstagscafé des katholischen Gemeindezentrums auf dem Programm – wegen des leckeren Käsekuchens, den Erich Reviol so gerne isst.
Udo Thiel ist der einzige Mann
Damit ist es allerdings schon seit geraumer Zeit vorbei. Reviol kann die Treppe von der Wohnung im ersten Stock ins Erdgeschoss nur noch mithilfe des Roten Kreuzes bewältigen. Deshalb beschäftigen sich die beiden Männer inzwischen vor allem mit Gesprächen und Gesellschaftsspielen. Domino und Skat stehen bei beiden hoch im Kurs.
Der Besuchsdienst wurde einst unter dem Motto „Schenke eine Stunde Zeit in der Woche“ ins Leben gerufen. 18 ehrenamtliche Helfer sind dort engagiert, der 68-jährige Udo Thiel ist der einzige Mann. „Überwiegend besuchen und betreuen wir die Menschen, aber wir kaufen auch ein oder begleiten sie bei Arztfahrten“, sagt Thiel.
Auch Fahrten zu Gottesdiensten übernehme der Besuchsdienst, ebenso kleinere Arbeiten im Haushalt, wenn etwa eine Lampe installiert werden müsse oder Ähnliches. In der Regel sind es ältere Menschen, die sich Treffen mit ehrenamtlichen Helfern wünschen. Aber gerade vor kurzem habe auch eine junge Frau um Hilfe gebeten, die dringend eine Betreuung für ihre Schwester benötigt habe, erzählt Thiel.
Erich Reviol und seine 61-jährige Frau Ingrid sind dankbar für die regelmäßige Unterstützung. „Es ist für mich eine echte Entlastung“, sagt sie. Über die männliche Hilfe freut sie sich besonders – ihr Mann sei in Krankenhäusern oder bei Therapien immer „frauenbestimmt“ gewesen. „Unter Männern führt man eben doch andere Gespräche, das ist wichtig“, findet die Walldorferin, die den Besuchsdienst weiterempfiehlt.
„Leider haben die meisten Menschen Hemmungen zuzugeben, dass sie Hilfe brauchen. Viele vereinsamen“, bedauert Udo Thiel. Sein Rat: „Einfach mal anrufen und ausprobieren.“ Allerdings erreichen den Besuchsdienst derzeit mehr Anfragen, als er bedienen kann – neue Helfer sind willkommen. (eda.)

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus dem Kreis Groß-Gerau. Alles aus der Nachbarschaft finden Sie auf unseren Seiten über die Stadt Darmstadt und den Kreis Offenbach.
Facebook | Twitter überregional | Google+