Die 50 kräftigen Milchkühe im Stall der Familie Kuhlmann und einige Kälbchen sorgen für den Erfolg. Der Landwirtschaftliche Betrieb an der Berzallee überzeugt seit einigen Jahren mit hofeigenem Käse. Deshalb ist die Gemeinde Nauheim in die Hessische Milch- und Käsestraße aufgenommen worden.
Für Schulklassen und Kindergärten öffnen die Kuhlmanns schon seit Jahren ihre Ställe. Die Landwirtsfamilie, die den Hof in der vierten Generation führt, verspricht sich von der überregionalen Aktion jetzt eine höhere Aufmerksamkeit - aus guter Erfahrung. Regelmäßig nehmen die Kuhlmanns am Kreisbauernmarkt in Groß-Gerau teil. Wenn sie dort einen kleinen Stall mit Kälbchen zeigen, "ist das die Attraktion überhaupt", berichten Bernd Kuhlmann und seine Mutter Helga. Die beiden sind gespannt, ob die Milch- und Käsestraße eine ähnliche Wirkung entfalten wird. Bisher weist lediglich ein Schild den Betrieb als Etappenziel aus.
Zum Genießen lädt die Hessische Milch- und Käsestraße ein. Sie führt durch die Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Odenwald, Offenbach und Groß-Gerau. Die Kuhlmanns sind der einzige Betrieb aus dem Kreis Groß-Gerau, der daran teilnimmt. Die Höfe und Firmen sollen Einblicke in die Erzeugung und Verarbeitung der Milch geben, aber auch zum Genießen regionaler Spezialitäten einladen.
Der Bauernhof der Familie Kuhlmann an der Berzallee gehört zu den 34 landwirtschaftlichen Betrieben, die in Südhessen die zweite Etappe der Milch- und Käsestraße bilden. Verbrauchern soll mit dem Angebot Lust auf Käse gemacht werden. Die Vielfalt der Milchverarbeitung zeigen Hersteller und Direktvermarkter entlang der Strecke.
Weitere Informationen gibt es im Internet auf: www.hessische-milch-und-kaesestrasse.de
Agrarwissenschaftler Bernd Kuhlmann entwickelte mit seinem Vater Gerhard und Bruder Rainer vor einigen Jahren die Idee, die Milcherzeugung sinnvoller zu nutzen und das eigene Angebot abwechslungsreicher zu gestalten. "Nur Milch abliefern, das ist ein Null-acht-fünfzehn-Geschäft", sagt er. Doch eine Käserei hätte der Familienbetrieb unmöglich einrichten können. Die Hygienevorschriften sind streng und das Erfüllen der Auflagen wäre zu aufwendig geworden.
Den Hinweis, wie der Plan dennoch gelingen könnte, bekam Bernd Kuhlmann als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Gießen. Eine Studentin, die ebenfalls aus einem landwirtschaftlichen Betrieb stammt, machte auf einen mobilen Hofkäser aufmerksam. Rasch war der Kontakt zu Erwin Friedrich aus dem Raum Limburg hergestellt. Mit seiner fahrbaren Käserei, die als Produktionsstätte alle Bestimmungen erfüllt, kommt er zu den Kuhlmanns. Aus dem Gemelk von zwei Tagen stellt der Molkereimeister die Rohlinge her - 80 bis 100 Kilogramm. Er lagert sie zunächst bei sich in einem Reiferaum, bevor die Endprodukte - zum Beispiel Camembert, Bauernkäse und Variationen mit unterschiedlichen Gewürzen - in das Hoflädchen der Kuhlmanns kommen.
Käse aus Nauheim - das weckt Neugier. Deshalb lud der Kreisbauernverband die Kuhlmanns ein, sich an der Milch- und Käsestraße zu beteiligen. Es genügte nicht, ein Anmeldeformular auszufüllen: Helga Kuhlmann musste Fotomodell spielen. Im Stall ließ sie sich auf einem Ballen Stroh ablichten, umgeben von einigen Kühen und mit Milchkannen.
"Ein Betrieb wird erfassbar durch den Menschen", erklärt Bernd Kuhlmann das Motiv, das sich von anderen Werbebildern - meist schlichte Aufnahmen von den Höfen - merklich abhebt. Ob der Nauheimer Aussiedlerhof vom touristischen Effekt profitiert, den sich vor allem Landwirte aus dem Odenwald erhoffen, muss die Familie abwarten. (eda)
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