Zwischen zwei Streithähnen zu vermitteln, ist keine leichte Aufgabe. Das wusste Salah-Eddine Asbai schon, bevor er sich als einer von rund 30 Schülern bei der neu gegründeten Streitschlichter-AG der Rüsselsheimer Parkschule anmeldete. „Wenn ich früher dazwischen gegangen bin, dann habe ich mir meistens Feinde gemacht. Hier möchte ich lernen zu helfen, ohne hinterher gehasst zu werden“, sagt der Schüler der zehnten Klasse.
In der AG trainieren die Schüler, wie man eine Eskalation von Gewalt auf dem Schulhof verhindern kann. Rollenspiele sollen das Verständnis für brenzlige Situationen und die Gefühle der Kontrahenten fördern. Um dahin zu gelangen, ist laut Eric Gumlich vor allem eins nötig: verstehen, was während eines Streits im Kopf der Kontrahenten geschieht. Gumlich ist Schulsozialarbeiter an der Gerhart-Hauptmann-Schule und für eine Unterrichtseinheit der Streitschlichter-AG an der Parkschule zu Besuch.
Gemeinsam mit den Schülern diskutiert er Situationen, die einen Streit auf dem Schulhof auslösen können, und warum eine scheinbar harmlose Begegnung so plötzlich eskalieren kann.
„Herzklopfen, Stress, Adrenalin – unser Körper kann uns ganz schnell in den Kampfmodus versetzen“, sagt Gumlich. Früher, bei den Steinzeitmenschen, sei dafür etwa ein wildes Tier verantwortlich gewesen. Heute könne eine Beleidigung oder sogar schon ein fehlgedeuteter Blick Ursache für einen handfesten Streit sein.
„Und wenn sich das erst einmal hochgeschaukelt hat, dann geht da oben gar nichts mehr“, sagt Gumlich und tippt sich an den Kopf. Wie man sich dennoch Gehör verschaffen und eine kritische Situation beruhigen kann, üben die Schüler danach in Rollenspielen.
Eine Gruppe darf angreifen und beleidigen, die andere versucht, die „Steinzeitmenschen“ zu besänftigen: mit Blickkontakt, mit dem lauten, wiederholten Rufen des Namens und mit Fragen, die dem aufgeregten Gegenüber erlauben, seine Wut in Worte zu fassen. „Jemand, der aufgebracht ist, will erzählen, was ihm passiert ist und was ihn geärgert hat – das ist eure Chance“, sagt Gumlich.
Der Pädagoge betont aber auch, wie wichtig es sei, sich immer zuerst die Frage zu stellen, ob man überhaupt eingreifen sollte. Aus seiner Erfahrung weiß er aber, dass Schüler sich nur schwer davon abhalten lassen, als Friedensstifter aufzutreten. „Eigentlich sollen sie es nicht, sie tun es aber. Deshalb ist es wichtig, ihnen zu zeigen, wie sie vorgehen können.“ Mit dem Streitschlichter-Programm solle in keinem Fall die Verantwortung von den Lehrern auf die Schüler übertragen werden, betont auch Vertrauenslehrer Salih Kirazli. „Aber die Lehrer kriegen nun einmal vieles nicht mit, was auf dem Schulhof passiert. Bevor sie einschreiten können, sollten die Schüler wissen, was zu tun ist.“
Salah-Eddine zumindest weiß, dass er auch in Zukunft eingreifen will, wenn es auf dem Hof oder in den Gängen zu Gerangel kommt. „Ich will Gewalt verhindern“, sagt er. „Die meisten wollen sich doch eigentlich gar nicht hauen, sondern nur cool sein.“ (pi.)

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