Von ein paar Schneeflocken abgesehen zeigt sich das Winterwetter momentan von seiner trockenen Seite. Nur bei der Top-Wash-Anlage in der Anton-Flettner-Straße in Raunheim ist die Luftfeuchtigkeit deutlich erhöht, Nebelwolken schießen aus den Lanzen der Hochdruckreiniger. Fünf Männer sind dort damit beschäftigt, Autokarossen abzudampfen und einzuseifen, bevor sie das Förderband durch die Waschhalle zieht. Die große Freifläche vor der Einfahrt ist längst voller Eismatsch. Regelmäßig streut Yasar Sancak das Areal ab, um zu verhindern, dass sich eine riesige rutschige Fläche bildet.
Das derzeitige Winterwetter ist nicht sein Fall. Von seiner Heimat an der türkischen Schwarzmeerküste ist er mildere Temperaturen gewohnt, und auch nach elf Jahren in Deutschland hat er seinen Frieden mit Väterchen Frost noch nicht gemacht. Er steckt zwar, wie seine Kollegen, in dicken Thermoanzügen. Doch die feuchte Kälte kriecht durch die Nähte. Handschuhe tragen die Männer natürlich auch, aber nach ein paar Waschgängen sind diese feucht.Und als wären minus neun Grad nicht genug, fegt noch ein eisiger Wind durch das Industriegebiet. „Draußen arbeiten macht im Winter einfach keinen Spaß“, sagt Sancak, dem der Spätsommer die liebste Jahreszeit ist.
Etwas Schutz versprechen die Einfahrt der Waschhalle oder das kleine Büro, wo die Männer warten, bis der nächste Wagen anrollt. Allzu viele sind es nicht, denn im Winter geht das Geschäft immer etwas langsamer, erzählt Top-Wash-Geschäftsführer Muzaffer Sancak. „Waschen, saugen – im Winter lässt alles nach“, sagt er.
Und dieses Winterwetter ist für Waschanlagenbetreiber sowieso ein besonderes Ärgernis. So kalt, dass die Arbeit keinen großen Spaß macht, und so trocken, dass der Schnee weitgehend fehlt. Aber gerade der ist gut für das Geschäft, weiß Sancak. Denn die braune, streusalzgesättigte Pampe, die dann am Unterboden und in den Radkästen klebt und auf Lack und Scheiben zu einer weißen Schicht antrocknet, schreit geradezu danach, schnell wieder abgewaschen zu werden. Das Komplettprogramm mit Unterbodenwäsche ist dann meist der Waschgang der Wahl, erzählt Muzaffer Sancak.
Doch auch wenn die Minusgrade die Autowäscher zittern lassen – das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. „Erst ab minus 20 Grad ist es nicht mehr sinnvoll“, erklärt Muzaffer Sancak. Die Heizung würde das Wasser zwar auch dann noch auf rund 50 Grad Waschtemperatur erhitzen, doch auf dem Weg zwischen Vorwäsche und Waschhalle könnte sich wieder Eis auf dem Blech bilden. Auch die Autotüren könnten bei solchen Temperaturen zufrieren. Geschlossen werden musste die Anlage bislang noch nie, wenngleich man in manchen Jahren schon kurz davor gestanden habe, erinnert sich Sancak an Winter mit minus 18 Grad.
Solche Temperaturen treiben die Betriebskosten mächtig nach oben. Die Heizung, die das Wasser wärmt und die Halle auf acht Grad hält, genehmigt sich dann kräftige Schlucke aus den 16 000 Liter fassenden Tanks. Und auch der Teeverbrauch der Mitarbeiter zieht bei Frost deutlich an. Um die zehn Liter pro Tag werden dann schon gebraucht, weiß Yasar Sancak. (ers.)

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