Das ist einer der größten Kühlschränke des Landes“, sagt Matthias Bähr von der Geschäftsleitung der Rewe-Logistik über das neue Frischelager im Raunheimer Gewerbegebiet Mönchhof. Ins Schwitzen kann man dort dennoch kommen, denn in den klimatisierten Hallen wird flott gearbeitet. Lautlos flitzen die elektrisch betriebenen Flurförderfahrzeuge durch die Gänge mit den Hochregalen, im Gepäck palettenweise Obst, Milch, Käse, Eier, Frischfleisch oder Tiefkühlkost.
Rund 70 Millionen Euro hat Rewe in das Raunheimer Logistikzentrum investiert, das im Oktober in Betrieb gegangen ist. Auf dem rund 116.000 Quadratmeter großen Grundstück stehen in der 312 mal 137 Meter großen Halle knapp 47.000 Quadratmeter klimatisierte Lagerfläche zur Verfügung.
In vier Temperaturbereichen werden rund 5.500 Artikel umgeschlagen, vom frischen Gemüse bis zur Tiefkühlware.
Im Obst- und Gemüselager (11.400 Quadratmeter) beträgt die Temperatur konstant 12 Grad. Im Frischdienstlager (17.800 Quadratmeter), wo Molkereiprodukte aufbewahrt werden, herrschen konstant vier Grad. Null Grad sind es im 2.400 Quadratmeter großen Frischfleischlager. Kältester Ort ist das 7.500 Quadratmeter große Tiefkühllager mit minus 24 Grad.
Mehr als 400 Menschen arbeiten in dem Lager an sieben Tagen in der Woche im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Geschlossen ist das Lager nur an zwei Tagen im Jahr – am ersten Weihnachtsfeiertag und an Ostersonntag.
250 Lastwagen holen täglich rund 210.000 Großhandelsverpackungseinheiten ab. Der durchschnittliche Warenbestand in dem Lager hat einen Wert von knapp sechs Millionen Euro.
An den 137 Toren rund um die riesige, graue Halle warten schon die Lastwagen, die hier be- und entladen werden. Pro Jahr sollen hier Waren mit einem Einkaufswert von rund einer halben Milliarde Euro umgeschlagen werden. Mit der Eröffnung des Lagers in Raunheim wurde der Standort Gernsheim geschlossen, ein Lager in Dietzenbach wird anderweitig genutzt. Die 70 Mitarbeiter aus Gernsheim konnten nach Raunheim wechseln.
Fluglärm dringt in die Büros
Von dem neuen Lager aus werden 685 Supermärkte beliefert. Die meisten davon gehören zur Rewe-Gruppe und befinden sich im Gebiet zwischen Bad Kreuznach, Gelnhausen, Marburg und Gernsheim.
Für rund 300 Drittkunden wie Karstadt-Feinkost sind die Lastwagen sogar in der ganzen Republik unterwegs.
Die Nähe zum Flughafen spielt für das Rewe-Lager keine Rolle, sie sei sogar eher von Nachteil sagt Bähr. Die Lagerhallen seien zwar gut gedämmt, in den Büros der Verwaltung sei der Fluglärm aber durchaus zu hören.
Rewe versucht sich möglichst gut in die Nachbarschaft im Gewerbegebiet einzufügen. So wurden die Mitarbeiterparkplätze ebenso auf dem eigenen Grundstück angelegt wie LKW-Parkplätze, um das Mönchhofgelände zu entlasten. Und während die Tiefkühllastwagen warten, werden die Kompressoren nicht vom lauten Dieselmotor der Trucks mit Strom versorgt, sondern per Stecker der Stromzapfsäule, die an jedem Ladeplatz vorhanden ist.
Die Abwärme der mit Strom betriebenen Kältemaschinen heizt wiederum das komplette Gebäude. „Die einzigen fossilen Brennstoffe auf dem Gelände sind die tausend Liter Diesel für das Notstromaggregat“, sagt Betriebsleiter Vilim Bratkovic.
Im Einsatz bei minus 24 Grad
Auch die Mitarbeiter im Lager müssen nicht frieren, die Arbeitskleidung wird gestellt. Am dicksten fällt die für diejenigen aus, die in der Tiefkühlhalle bei minus 24 Grad arbeiten. Zur Ausstattung gehören dann nicht nur dicke Jacken und Mützen, sondern auch lange Unterhosen, Handschuhe und warme Stiefel. Anfällig für Erkältungskrankheiten mache die Arbeit in der Tiefkühlzone nicht, betont Bratkovic. Im Gegenteil, die Mitarbeiter seien besonders abgehärtet. (ers.)

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