Die Schüler tragen sie, die Lehrer, die Schulleiterin und die Sekretärin auch. Seit Dienstag laufen im in der Goetheschule untergebrachten Neuen Gymnasium in Rüsselsheim alle mit einheitlicher Kleidung herum. Angesagt sind jetzt blau, hellblau oder weiß, manchmal auch gestreift.
Die neue Kluft ist keine Schuluniform sondern Schulkleidung, ausnahmslos Oberbekleidung: Polo-Shirts, T-Shirts, Kapuzenpullover, Kleidung. "Schön und weich und sportlich", sind sich Mohamed (12) und Rizwan (11) einig. "Keiner wird mehr wegen seiner Kleidung ausgeschlossen", sagt David (11). Und das findet er gut.
Die Idee, einheitliche Kleidung einzuführen, stammt von den Eltern. Die Kinder durften aber abstimmen. "Höchstens zwei Kinder waren dagegen", sagt Schulleiterin Maja Wechselberger. Die Modelle konnten sie sich im Katalog aussuchen. "Wir haben Schüler aus sehr bildungsfernen und sehr bildungsnahen Schichten", erläutert Wechselberger das Konzept.
Die gleiche Kleidung soll soziale Konflikte in der Zukunft vermeiden. Und nicht nur die. "Wir wollen auch die Selbstinszenierung von Schülern und Schülerinnen verhindern", sagt sie. Kein bauchfreies Top, keine herunterhängende Hose und keine coole Mütze soll vom Unterricht ablenken.
Zudem gehe es auch um die Einstellung zu Arbeit und Schule. Bikini-Oberteile oder allzu aufreizende Blusen sollten eher in der Freizeit getragen werden. Danyel (11) hat einen weiteren Vorteil erkannt: "Morgens müssen wir nicht mehr lange überlegen, was wir anziehen." Gerade Schüler von der 7. Klasse an neigen dazu, mit Kleidung zu provozieren, sagt Wechselberger.
Deshalb ist die Schulleiterin froh, dass die Kleidung eingeführt wurde zu einem Zeitpunkt, in dem noch alle 107 Schüler Kinder sind. "In der Pubertät wird das schwer." Das Neue Gymnasium wurde erst im vergangenen Jahr eröffnet und besteht nur aus einem Jahrgang.
90 Euro für eine Ausstattung
Die Eltern der Kinder, die im kommenden August eingeschult werden sollen, haben sich zur Schulkleidung bereits mit einer Unterschrift verpflichtet. Schließlich müssen sie die neuen Kleider auch selbst zahlen. Eine Ausstattung von einem Satz T-Shirts, zwei Pullis und einer Jacke kostet etwa 90 Euro. Können die Eltern das Geld dafür nicht aufbringen, springt der Sozialfonds ein.
Die Schule hat mehrere Sponsoren. "Der Andrang auf unsere Schule ist enorm", sagt Wechselberger. 146 Kinder für fünf fünfte Klassen wurden angemeldet. Natürlich nicht nur wegen der neuen Klamotten. Das Neue Gymnasium, das bald in ein Gebäude auf dem Opel-Gelände umziehen soll, ist als Pilotschule für die Arbeit mit Smartboards bekannt.
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