Kreis Groß-Gerau
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14. Dezember 2012

Rüsselsheim: Kampf gegen Rattenplage

Die Wanderratte ist sehr vermehrungsfreudig - und schlau obendrein.  Foto: Reg Mckenna

In den vergangenen Tagen sind in der Rüsselsheimer Innenstadt Ratten gesichtet worden. Kein neues Problem, sagen die Betriebshöfe – und legen nun verstärkt Giftköder aus. Dass die Nager an die Oberfläche kommen, sei ein Zeichen für eine große Population.

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In den vergangenen Tagen sind in der Rüsselsheimer Innenstadt Ratten gesichtet worden. Kein neues Problem, sagen die Betriebshöfe – und legen nun verstärkt Giftköder aus. Dass die Nager an die Oberfläche kommen, sei ein Zeichen für eine große Population.

Alle finden sie putzig, die Ratte Remy, die in dem Disney-Film „Ratatouille“ so gerne ein Sternekoch werden will. Wenn Remys zahlreiche Verwandtschaft allerdings über den Gemeindeplatz huscht, unter dem Imbisswagen hindurchflitzt und im Mauerloch hinter dem Klohäuschen verschwindet, ist es mit der Sympathie schnell vorbei.

Die Wanderratte stammt laut Institut für Schädlingskunde ursprünglich aus Ostasien. Mittlerweile hat sich der extrem erfolgreiche Kulturfolger allerdings weltweit verbreitet.

Das Fell der Wanderratte ist auf der Oberseite braungrau und auf der Bauchseite grauweiß. Ohne Schwanz sind ausgewachsene Tiere 20 bis 27 Zentimeter lang.
Bevorzugte Lebensräume sind Müllplätze, die Kanalisation und Gebäude, in denen es Nahrung und Versteckplätze gibt. Wanderratten sind sehr vermehrungsfreudig (rund 40 Nachkommen pro Weibchen).

Zahlreiche Infektionskrankheiten können von ihr übertragen werden: neben Seuchen auch Tollwut, Salmonellen oder Trichinen.

Wenn Ratten an der Erdoberfläche auftauchen, wie in den zurückliegenden Tagen und Wochen in der Rüsselsheimer Innenstadt, wird ein Problem bewusst, das gar nicht neu ist und auch nicht Rüsselsheim allein betrifft, sagt Reinhard Ebert, Leiter des Umweltamts. Seit Jahren schon bekämpfen die städtischen Betriebshöfe die Nager vom Typ Wanderratte, die in der Kanalisation zu Hause sind. „Wenn sie sich oben blicken lassen, hat ihre Population gerade wieder einen Höchststand erreicht“, erklärt Ebert.

Deshalb hat die Stadt ihre Gegenmaßnahmen verstärkt. Zweimal im Jahr wird die Kanalisation mit Hochdruck gründlich gespült und dadurch von Fettablagerungen befreit, die den Ratten reiche Nahrung liefern. Dann werden auch im gesamten Kanalnetz Giftköder ausgelegt.

Ideale Lebensbedingungen

Zusätzlich hängen die Kanalarbeiter in der Innenstadt, wo sich die Tiere mit den schwarzen Knopfäuglein besonders wohlfühlen, in kurzen Abständen weitere der rosafarbenen Würfel mit dem lecker verpackten, doch tödlichen Wirkstoff Bromadiolon unter die Gullydeckel. Einmal in der Woche ist eine Schädlingsbekämpfungsfirma unterwegs, um zusätzliche Giftköderboxen zu verstecken und herumliegende Essensreste zu beseitigen. Denn die sind für Ratten das Paradies, weiß Dieter Baumgärtner, Chef der Kanalabteilung bei den Betriebshöfen.

Es überrascht, wenn er erzählt, dass er und seine elf Kollegen bei ihrer Arbeit in Rüsselsheims Unterwelt nur ganz selten Ratten zu sehen bekommen. Beim duftenden Weihnachtsmarkt machen sie da wohl eine Ausnahme.

Die Wirkungsweise der Giftköder klingt grausam, ist es aber nicht, wie Patrick Feesche von den Betriebshöfen erklärt: Das Gift greift die Schleimhäute an, die Tiere verbluten innerlich. Das gehe völlig schmerzfrei vonstatten, beteuert er. Weil Ratten schlau sind und schnell merken, woran ihr Kumpel gestorben ist, setzt die Wirkung des Gifts erst nach etwa fünf Tagen ein – „damit sie keine Rückschlüsse auf die Ursache ziehen und sich gegenseitig warnen können.“

Dennoch muss alle zwei Jahre das Mittel gewechselt werden, sagt Feesche, weil die Ratten mit der Zeit doch erkennen, dass mit dem rosa Zeug was nicht stimmt. Außerdem entwickeln sie Resistenzen.

Die Lebensbedingungen sind für die Nager dann am besten, wenn viele Essensreste in der Kanalisation entsorgt werden und wenn viel Fressbares statt in der Mülltonne offen daneben liegt, erklärt Umweltamts-Leiter Reinhard Eber. Deshalb appelliert das Umweltamt immer wieder, Essbares nicht in der Toilette wegzuspülen und Küchenabfälle in geschlossenen Mülltonnen zu entsorgen. (vol.)

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