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Kreis Offenbach
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04. Dezember 2012

"Krokodilflüsterer von Dietzenbach": Vom Pizzabäcker zum Alligatoren-Zoodirektor

 Von Jasmin Takim, dpa
Der "Krokodilfllüsterer" Orazio Martino. Foto: dpa

Ein Dietzenbacher macht sich als "Krokodilflüsterer" deutschlandweit einen Namen. In Orazio Martinos zum Privatzoo deklarierten Einfamilienhaus tummeln sich Haustiere der besonderen Art: Vogelspinnen, Alligatoren und Schlangen.

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Dietzenbach –  

Berta und Blacky schlummern zufrieden am Pool. Als Sonne dient eine 2000 Watt starke UV-Lampe, das Schwimmbecken der beiden Alligatoren ist mit Regenwasser gefüllt. 200.000 Mark (heute rund 102.300 Euro) habe ihn das Krokodilreich im Wintergarten seines Hauses vor etlichen Jahren gekostet, berichtet Orazio Martino. Im gläsernen Anbau mit Wärmedämmung sorgen tropische Palmen und Gummibäume dafür, dass die beiden urzeitlichen Tiere sich heimisch fühlen. In seinem Haus hält der „Krokodilflüsterer“ von Dietzenbach noch fast 200 weitere Reptilien aller Größen.

Vom Pizzabäcker zum Zoodirektor

Seit über 20 Jahren gehören auch der mehr als vier Meter lange Mississippi-Alligator und seine kleinere Gefährtin dazu. Durch eine Scheibe im Wohnzimmer können Besucher des Privatzoos die beiden trägen Tiere beobachten. Tochter Alisa öffnet die Türe zum teilverglasten Anbau. Tropische Hitze schlägt einem entgegen. „Bei der Lampe am Becken sind es 40 Grad“, erklärt Martino.

Im Keller seines Hauses hat der gebürtige Italiener den Rest seiner Reptilien-Familie in etlichen Terrarien untergebracht. „L'alligatore“ nennt sich der Privatzoo, der als solcher auch amtlich genehmigt ist. Genau so hieß auch das Restaurant, das Martino einmal in Hanau betrieben hat. Martinos Kaimane, die er damals noch in der Pizzeria hielt, hatten ein Mal pro Woche ihren großen Auftritt.

Kranke Kanalratte gepflegt

Die Shows waren so erfolgreich, dass sie zum Selbstläufer wurden - und der quirlige Pizzabäcker sein Hobby zum Beruf machte. Seitdem karrt er seine Alligatoren, Schlangen, Warane, Geckos und Vogelspinnen zu Shows in Möbelhäusern, auf Messen oder in Fernsehstudios. „Ich habe schon als Kind Krokodile geliebt, mein erstes Tier war aber eine kranke Kanalratte, die ich gepflegt habe.“

Der 1,60 Meter kleine Mann ist im Stress, ein Fernsehteam hat sich angemeldet. Martino trägt eine Art khakifarbenes Wildhüter-Outfit. „Ich weiß, ich rede viel Mist, aber ich moderiere meine Shows mit Witz. Gruselig ist es auch ein bisschen.“ Beim Anblick des gelb gemaserten, züngelnden Pythons bleibt da kein Zweifel. „Meine Tiere sind aber alle lieb und niemals aggressiv.“

Im Keller können Besucher nicht nur die Schleichtiere in ihren Terrarien bewundern - an den Wänden prangen auch Fotos von Martinos TV-Auftritten. Ob Verona Feldbusch, Dieter Bohlen oder Günther Jauch, etliche Fernsehstars haben schon Bekanntschaft gemacht mit Martinos Mitbewohnern. Auch Privatführungen bietet der gebürtige Römer an. „Wenn Schulklassen oder Geburtstagsgruppen zu uns kommen, verdiene ich zwar nichts. Aber ich mache das gerne, ich will, dass die Kinder eine Beziehung zu den Tieren aufbauen und etwas über sie lernen.“

Martino betont, dass er seine Tiere artgerecht und nach den gesetzlichen Vorgaben hält. Das bestätigt auch Hessens Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin: „Herr Martino erfüllt die Vorgaben des Tierschutzgesetzes und hat somit die Genehmigung zur Haltung seiner Reptilien“, sagt sie. „Ich gehe somit davon aus, dass er über jeden Tadel erhaben ist.“ Dennoch stehe sie der Haltung von Exoten grundsätzlich skeptisch gegenüber.

Gefährliche Exoten nichts für Privatleute

Martino, der ein Unternehmen betreibt und regelmäßig Besuch vom Amtstierarzt erhalte, könne man nicht in eine Kategorie mit Privathaltern einordnen, die oft nichts über die Bedürfnisse von Exoten wüssten. „Besitzer gefährlicher Wildtiere sind oft überfordert.“ Die hohe Zahl ausgesetzter Reptilien in und außerhalb Hessens seien der Beweis. „Das kann dramatische Folgen haben“, warnt Martin. „Kürzlich haben ausgesetzte asiatische Giftschlangen in Österreich sogar Passanten gebissen.“

Das mit der Überforderung einiger Tierhalter bestätigt auch Martinos Tochter Alisa. Der Reptilien-Zoo sei vor allem Auffangstation für Tiere, die krank oder geschädigt sind. „Fünfzig Prozent sind Abgabetiere, viele aus schlechter Haltung“, sagt die 23-Jährige. Erst kürzlich ist eine Tiger-Pythonschlange dazugekommen. „Die hatte die Katze der Familie gefressen.“ Ein ähnliches Schicksal könnte auch Papagei Giacomo drohen, dem einzigen gefiederten Bewohner im Hause Martino - aber wohl eher, weil die Katze vor der Terrassentür ihn ins Visier genommen hat. „Auf die Schlange passe ich immer gut auf“, sagt Martino.

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