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Am liebsten Schweben

Dietzenbach Beim Fliegen hat Hubschrauberpilotin Bettina Schleidt viel über sich gelernt

Technikverliebt war Bettina Schleidt schon immer. Lastwagen, Bus, Motorboot - ist sie alles schon gerne und gut gefahren, wie sie sagt. 2001 schließlich, während des Hessentags in Dietzenbach, entdeckte sie das Fliegen für sich. Zu dieser Zeit war die Psychologin, die derzeit an ihrer Doktorarbeit sitzt, beim Roten Kreuz. "Ich war gerade auf dem Weg zum Dienst und habe gesehen, wie ein Hubschrauber gelandet ist. Das war toll." Kurze Zeit später lernte sie einen Rettungsdienstler kennen, den das Helikopterfliegen bereits in seinen Bann gezogen hatte. "Ich war eigentlich keine, die immer gesagt hat, ich will fliegen" - und dennoch waren die inneren Weichen gestellt.

Heute trägt Bettina Schleidt einen kleinen, goldenen Helikopter an einer Kette um den Hals, in ihrer Küche hängen Fotos von ihr und ihrer Ko-Pilotin im Fliegerdress. 2003 hat sie ihre 50-stündige Pilotenausbildung beendet. Und 2007 wurde sie Deutsche Vizemeisterin im Hubschrauber-Navigations- und Präzisionsflug.

"Das Schweben macht mir am meisten Spaß", sagt die 40-Jährige, "ich muss nicht unbedingt große Strecken fliegen." Das müsse zwar auch trainiert werden, aber sie ist im Wettbewerb eher fürs Filigrane - etwa das so genannte Hover-Quadrat. Auf ihrer Internetseite ist ein Film eingespielt, der demonstriert, wie ein Hubschrauber in einer bestimmten Zeit ein Quadrat abfliegt, höchstens einen halben Meter über dem Boden. "Das ist eine Sache von Zentimetern", und eine Herausforderung, der sich Schleidt und ihre Ko-Pilotin im August bei den Deutschen Meisterschaften erneut stellen wollen. Ein- bis zweimal pro Woche trainieren sie. Und weil das bei einem Charterpreis von 300 bis 400 Euro pro Stunde für den kleinen Helikopter leicht ins Geld gehen kann, sucht sie noch einen Sponsor.

"Ich bin kein Fliegerjunkie"

Das Fliegen ist aber mehr als "ein schönes, anspruchsvolles Hobby", sagt Schleidt, "das Fliegen hat mir eine neue Welt eröffnet". Nicht nur, dass sie gelernt habe, Hände und Füße unabhängig voneinander zu bewegen - das muss können, wer einen Helikopter fliegen will. Vorher sei sie eher "detailverliebt gewesen, ich hatte nicht so den Blick fürs Ganze". Das habe sie gelernt in den 300 Stunden, die sie bisher in der Luft, also über den Dingen, verbracht hat.

Abgehoben ist sie trotzdem nicht: "Ich bin risikobewusster geworden. Wenn mir irgendwas spanisch vorkommt, lass' ich den Hubschrauber lieber stehen." Das Fliegen habe auch den Effekt, dass sie heute bewusster lebe. Jedes Jahr muss sie einen medizinischen Test machen, "ich achte auf meine Ernährung, trinke wenig Alkohol".

Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht so, dass es ihr nur gut geht, wenn sie in die Lüfte steigen kann: "Ich bin kein Fliegerjunkie, und ich brauche auch keine extremen Flugbedingungen." Bettina Schleidt genießt es, abzuheben und die Dinge von oben zu betrachten, ganz gediegen, ohne Risiko. "Ich freu mich dann, wenn ich gut wieder unten angekommen bin und abends ein schönes Bierchen trinken kann."

Infos und Kontakt zu Bettina Schleidt: 0 60 74 / 69 27 26, www.heligirls.com oder www.ready-to-take-off.de.

Autor:  BORIS HALVA
Datum:  17 | 6 | 2008
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