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25. Februar 2016

Dietzenbach: „Mafiöse Strukturen“

 Von Agnes Schönberger
Um die Verwaltung der Hochhäuser im Dietzenbacher Spessartviertel wird seit Jahren gerungen.  Foto: Renate Hoyer

Die umstrittene Hausverwaltung Abendschein und Hetschold, die sich um die Hochhäuser am Starkenburgring in Dietzenbach kümmert, muss sich vor dem Amtsgericht Offenbach verantworten. Wohnungseigentümer hatten unter anderem gegen ihre Wiederwahl geklagt.

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Die mündliche Verhandlung vor dem Amtsgericht Offenbach beginnt am Mittwoch mit einem Witz. „Gibt es eine gütliche Einigung?“, will Richterin Annemarie Winckler von den verfeindeten Parteien wissen. Es ist eine rhetorische Frage. „Sie sind mir sicher nicht böse, wenn ich die Frage mit Nein beantworte“, sagt sie und sorgt mit ihrer offensichtlich realistischen Einschätzung für einen Lacher bei den Klägern.

Es wird der einzige heitere Moment in der zweieinhalbstündigen Sitzung sein. Im schmucklosen Raum des Amtsgerichts geht es um jahrelangen Streit zwischen einigen Eigentümern der Großwohnanlage Rosenpark in Dietzenbach und der Hausverwaltung Abendschein und Hetschold.

Rosenpark

Die Großwohnanlage Rosenpark - früher bekannt unter Starkenburgring - besteht aus fünf Hochhäusern mit 1019 Wohnungen und 586 Erbbauberechtigten.

Das Landgericht Frankfurt hatte vor zwei Jahren die Wahl der Hausverwaltung Abendschein und Hetschold für ungültig erklärt, sie ist aber bis heute im lukrativen Amt. Die Vergütung soll 20 000 Euro monatlich betragen.

Wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Untreue wurden im Oktober 2015 die Büros von Abendschein durchsucht und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. ags

Im Dezember 2014 war die Auseinandersetzung eskaliert, als der von der Hausverwaltung beauftragte Sicherheitsdienst während der Eigentümerversammlung Kritiker gewaltsam aus dem Saal getragen hatte. Mehrere Personen wurden verletzt. In der gestrigen Verhandlung ging es allerdings nicht um das rabiate Vorgehen des Saalschutzes, sondern um die Wiederwahl und Entlastung der Hausverwaltung, um fehlende beziehungsweise zurückgewiesene Vollmachten, um Urkundenfälschung und den Ausschluss von zwei kritischen Eigentümern sowie um die Frage, ob die erneute Abstimmung und Genehmigung der Jahresabrechnungen von 2004/2005 zulässig war.

Mehrere Erbbauberechtigte hatten die damals gefassten Beschlüsse angefochten. Dass erst am Mittwoch darüber verhandelt wurde, war Pech für die Kläger. Denn die rechtliche Frage der Wiederwahl hatte sich durch den „Zeitablauf“, so die Richterin, erledigt. Verwaltung und Beirat waren nur bis Ende 2015 gewählt. Winckler ließ erkennen, dass die Frage der umstrittenen Wiederwahl der Hausverwaltung bei ihrer Entscheidung, wer die Kosten des Verfahrens zu tragen hat, eine Rolle spielen werde. Sie will am Donnerstag mitteilen, ob sie sich nach dem Studium von 700 Aktenseiten ein Urteil zutraut oder in die Beweisaufnahme einsteigen wird.

Die Klagen waren bereits Anfang 2015 eingereicht worden. Trotz der Dringlichkeit wurde ein Termin erst für August festgelegt, weil es einen Richterwechsel geben sollte, der dann aber nicht stattfand. Dann wechselten doch Dezernat und Richter, und ein neuer Termin im November fiel wegen Erkrankung der neuen Richterin aus. Im Januar gab es einen erneuten Dezernatswechsel und mit Winckler eine neue Richterin.

Winckler machte gestern deutlich, dass sie etliche Einlassungen der Beklagten für „schwammig“ hält. Sie warf der Verwaltung vor, die Hausgemeinschaft in weitere Gerichtsverfahren zu treiben, wenn sie bereits angefochtene Beschlüsse immer wieder zur Abstimmung stelle. „Das entspricht nicht einer ordnungsgemäßen Verwaltung“, sagte sie. Zweifel äußerte sie auch, ob die Wahl der Verwalter zumutbar war, da die Hausmeister in offener Abstimmung womöglich nicht wagten, sich gegen ihren Arbeitgeber zu stellen. Die Wiederwahl wurde bereits angefochten. Die Gerichtsverhandlung soll im April sein.

Die Richterin kritisierte auch die Einladung zur Hauseigentümerversammlung, in der die Kritiker als Querulanten hingestellt worden seien. Damit hätte die Verwaltung den Boden der Neutralität verlassen. Abschließend meinte die Richterin: „Vielleicht muss das Gericht auch einmal die Rechte der Minderheit schützen. Denn die Mehrheit ist nicht immer vernünftig.“

An der Verhandlung nahmen mit Walter Fontaine und Constantin Westphal auch die Geschäftsführer der städtischen Wohnungsgesellschaft Dietzenbach teil, die im Rosenpark 90 Wohnungen hat. Beide sprachen von einer Atmosphäre der Aggression und Einschüchterung bei der Eigentümerversammlung.

Die Linken-Landtagsabgeordnete Barbara Cárdenas, ebenfalls anwesend, sprach angesichts der Geschehnisse von „mafiösen Strukturen“.

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