Ein Nachbarschaftsstreit im Westend in Dietzenbach schlägt Wellen bis in die Politik: Durch ein privates Bauvorhaben befürchten einige Anwohner Nachteile - und fordern in einer Petition das Stadtparlament zum Eingreifen auf. Denn obwohl das geplante Haus zwischen Rotdornweg und Westendstraße höher werden solle als erlaubt, habe das Bauamt in "Vorabsprachen" bereits grünes Licht gegeben.
Anlieger verweigern Erlaubnis
"Es gibt keine sachlichen oder triftigen Gründe, von der bis in die jüngste Vergangenheit geltenden Festlegung abzuweichen", heißt es in dem von 15 Anwohnern unterzeichneten Papier. Laut Bebauungsplan ist in dem Stadtteil zwischen Kirchborn-, Nordwest- und Westendstraße eine Bauhöhe von sechseinhalb Metern zulässig. Für den umstrittenen Neubau ist dagegen eine Höhe von 8,25 Metern im Gespräch. Der Bauherr habe die Anlieger seines Grundstücks um ihr Einverständnis gebeten, heißt es in der Petition. Diese lehnten jedoch ab und pochen auf die Bauleitplanung.
Dem widerspricht der Bauherr, Alexander Wenzel: "Die Höhe von 8,25 Metern, die dort genannt ist, kam nur in einem ersten Entwurf vor und ist längst vom Tisch." Dies sei den Beschwerdeführern auch bekannt. Sie versuchten aber, mit der Petition ihre Partikularinteressen in die Politik zu tragen. Aktuell plane er, sagt Wenzel, die zulässige Firsthöhe von sechseinhalb Metern um weniger als 50 Zentimeter zu überschreiten.
In dem Viertel stehen bereits mehrere Häuser, die höher sind als sechseinhalb Meter. Die Beschwerdeführer schreiben jedoch: "Alle Bauherren mussten sich an die maximale Firsthöhe von sechseinhalb Metern halten - auch bei den zuletzt vor zwei und drei Jahren errichteten Häusern in der Nordwest- und Westendstraße." Bei diesen Häusern hätten die Bauherren sogar die Dächer modifizieren müssen, um nicht über die vorgeschriebene Grenze zu wachsen, schreiben die Beschwerdeführer. Wenn nun ein einzelnes Haus sich nicht an diese Ordnung halte, falle es im Straßenbild "völlig aus dem Rahmen". Außerdem entstehe auf den Grundstücken der Nachbarn durch den Neubau eine übermäßige Verschattung. Das schränke die Möglichkeit, Solaranlagen zu nutzen, ein.
Laut Erstem Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) gibt es zwar Gespräche zwischen dem Bauherrn und der Verwaltung, bei der auch die Gebäudehöhe Thema ist. Entschieden sei aber nichts. "Es gibt bislang noch nicht einmal einen Bauantrag." Im Gespräch sei derzeit eine Höhe von knapp sieben und nicht 8,25 Metern.
Die Anwohner beruhigt das nicht. "Wir befürchten, dass da im Hintergrund bereits Pflöcke eingeschlagen werden", sagt Günter Jany, einer der Unterzeichner des Papiers und Fraktionsassistent der FDP. "Es gibt hier ja noch weitere Baugrundstücke. Wenn jetzt ein Bauherr höher baut, werden das die nächsten auch tun wollen", sagt Jany.
Die FDP unterstützt die Petition und appelliert an die Stadt, sich beim Kreis, der für die Baugenehmigung zuständig ist, für eine Einhaltung der Bebauungsplanvorgaben einzusetzen. Am Mittwoch, 26. August, will sich der Bauausschuss mit dem Thema befassen. Die öffentliche Sitzung im Bürgerhaus, Offenbacher Straße 11, beginnt um 19 Uhr.
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