Ihre Projekte füllen einen dicken Ordner. Zertifikate, Anträge, Briefwechsel. Perminder Kaur sprudelt über vor Ideen. "Meine Frauen", sagt die 61-Jährige, wenn sie über die redet, denen sie ein Vorbild sein will. Die Frauen stammen aus der Türkei, aus Marokko, Afghanistan, Indien und Pakistan.
"Die hierherkommen, die waren nie zu Hause raus", sagt Kaur. Sie will ihnen zeigen, wie auch sie leben können, aktiv und selbstbestimmt. Nicht, weil das ihr Job wäre; Perminder Kaur ist im Ruhestand. Sondern, weil sie es für notwendig hält. "Nur integrierte Migranten können Migranten integrieren", sagt sie.
Die Inderin hielt Vorträge über Brustkrebs, sie erklärte ihren Zuhörerinnen auf Hindi und Urdu, wie sie Übergewicht vermeiden können. Sie setzte sich für Frauenschwimmen in den Neu-Isenburger und Dietzenbacher Schwimmbädern ein.
Seit Juli gibt sie Kochkurse
Sie machte mit bei den Projekten "Stärken vor Ort" und "Mit Migranten für Migranten". Seit Juli gibt sie Kochkurse: "Gesunde Ernährung mit Rezepten". Der Kurs soll die Teilnehmerinnen als Kochhelferinnen qualifizieren.
In der Küche der Rut-Gemeinde wuselt die kleine, ganz in weiß gekleidete Frau zwischen mehr als einem Dutzend Frauen umher. Sie scheint alles gleichzeitig zu erledigen. "Wo ist das Basilikum, wer macht den Kartoffelsalat?" Kaur drückt Teig in eine Form, dreht sich um, probiert eine Ravioli, "die ist noch nicht gut; da ist ja das Basilikum, langsam, nicht so knüllen, das musst du lieb haben". Gekocht wird immer vegetarisch. Als Getränke erlaubt die "Chefin", wie sie einige Frauen nennen, nur Schorlen und Tee. Ungesüßt.
Was gesund ist und was nicht, weiß Perminder Kaur noch aus Indien. Sie ist ausgebildete Diätassistentin. 1972 kam sie mit ihrem Mann nach Deutschland. Sie konnte kein einziges Wort Deutsch. Heute spricht sie es fließend. "Mit den Leuten reden", sagt sie, das sei das ganze Geheimnis. Als ihre Projekte immer mehr Papierkram mit sich brachten, besuchte Kaur einen Schreibkurs, um weniger Fehler zu machen. "Ohne Sprache kann man keinen integrieren."
Stolz auf die Erfolge
Sie hat es für sich und ihre Familie geschafft. Ihre Kinder heirateten Deutsche, ihr Sohn ist erfolgreicher Mediziner. Bis vor drei Jahren arbeitete die 61-Jährige in einer Parfümerie - bis ein Arzt Krebs diagnostizierte. Mit der Arbeitsunfähigkeit begann ihr Engagement für andere Frauen. Noch heute bekommt Kaur einmal die Woche Medikamente.
"Mir geht es gut", sagt sie, "mit meinen Projekten geht es mir gut". Einige der rund 20 Dietzenbacherinnen aus ihrer lockeren Gruppe leiten inzwischen selbst Projekte. Nazma Farooque erklärt anderen Migrantinnen die deutsche Kultur und Arbeitswelt. Pushpinder Pantalia bringt ihnen jeden Dienstag Häkeln und Nähen bei.
Kaur sprach die zierliche Inderin einst auf der Straße an, erzählte von ihrem Programm. Sie kam und blieb dabei. Irgendwann ermutigte Kaur sie, selbst Kurse zu geben, rief sie und Farooque x-mal an: "Ihr schafft das." Angst hätten sie gehabt, erzählen die beiden, Angst, die Kaur ihnen aber nehmen konnte. "Das sind die Erfolge, auf die ich stolz bin", sagt die Inderin. Sie sitzt zwischen ihren Frauen, die grauen Haare mit einem schwarzen Haarnetz zum Knoten gebunden.
Sie lächelt, die großen braunen Augen hinter der goldgeränderten Brille lächeln mit. Sie ist zufrieden, hat eine Menge erreicht: Viele Frauen arbeiten inzwischen, kleine Jobs auf 400-Euro-Basis, dennoch ein Riesenerfolg. "Man muss die Leute qualifizieren", sagt Kaur. Sei es Kochen, sei es Häkeln, jede könne etwas, nur verstecken dürfe sich keine. "Kopftücher sind nicht das Problem", sagt sie und zeigt auf ihre Stirn, "das Problem ist, wenn man hier geschlossen ist."

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