Die mehr als 3000 Dietzenbacher, die in den fünf Hochhäusern im östlichen Spessartviertel leben, bekommen wieder eine neue Hausverwaltung. Bei der Eigentümerversammlung der Wohnanlage Rosenpark, die aus 1019 Wohnungen besteht, setzte sich Freitagnacht überraschend die erst am Abend präsentierte Hausverwaltung Abendschein & Hetschold aus Obertshausen durch. Diese hatte nach Angaben von Teilnehmern der Veranstaltung nicht einmal eine Broschüre über ihr Unternehmen dabei.
Bisher hat diese Hausverwaltung nach Angaben von Geschäftsführer und Gesellschafter Manfred Abendschein vier Beschäftigte und betreut 250 Wohnungen. Darunter sei aber ein Objekt in Offenbach mit knapp 100 Wohnungen. Abendschein nannte die neue Aufgabe, die am 1. Januar beginnt, gestern eine Herausforderung.
Den Ausschlag für Abendschein gab offenbar, dass der Verwaltungsbeiratsvorsitzende Marcel Haufschild, der auch als Berater für die bisherige Hausverwaltung Bayerische Städtebau Immobilienverwaltung tätig war, und seine Unterstützer ihre Vollmachten für Abendschein verwendeten. Haufschild schloss am Wochenende nicht aus, auch für Abendschein tätig zu werden. „Die Hausverwaltung Abendschein würde sich über eine Beraterunterstützung durch mich und mein zehnjähriges Wissen über das Spessartviertel sehr freuen. Entschieden ist aber noch nichts“, teilt er der FR mit.
Die eigens für den Zweck, die Hausverwaltung im Rosenpark zu übernehmen, gegründete Stadtwerke-Tochter landete chancenlos auf dem dritten Platz. Nach Ansicht einiger Eigentümer ging es auch bei dieser Wahl nicht mit rechten Dingen zu.
So berichtet Walter Fontaine, der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Dietzenbach, er habe noch am Tag der Versammlung eine Vollmacht erhalten. Derselbe Mann, der ihm die Vollmacht gegeben habe, habe aber angeblich an diesem Tag auch eine Vollmacht für Haufschild unterschrieben.
„Mehr als unwahrscheinlich“, meint Fontaine dazu. Der Mehrfacheigentümer Peter Kunth berichtet von gefälschten Blankovollmachten. Das Datum auf diesen Vollmachten, die für mehrere Versammlungen genutzt werden können, sei im Nachhinein geändert worden, um inzwischen neu erteilte Vollmachten, etwa für die Stadt, auszustechen.
Dass wieder in großem Stil Vollmachten gefälscht worden seien, zeigt sich nach Ansicht von Kunth bereits an der Rekordbeteiligung an der Hausverwaltungswahl.
Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) sagte gestern, die Stadt werde in dieser Woche gemeinsam mit einem Rechtsanwalt die Indizien und Beweise für Fälschungen prüfen. Danach werde entschieden, ob die Wohnungsgesellschaft gegen die Verwalterwahl juristisch vorgehe.
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