Sie wirkt eigentlich nicht wie eine Rebellin. Das braune, praktisch zu einem Zopf zusammengebundene Haar, die einfache Kleidung - Jeans, Hemd und Turnschuhe -, das unaufdringliche Lächeln.
Nadja Slavka, Trainerin für "Humanship" und "Natural Horsemanship", ("natürliche Reitkunst") sieht nicht aus wie eine, deren Methoden eher ungewöhnlich sind. Sobald sie aber den Mund aufmacht, ändert sich das Bild.
"Erstbesteigungen sind langweilig, wenn man sie richtig macht", behauptet sie. Wie Magie wirkt es für Laien, wenn sie ohne Weiteres zum ersten Mal auf den blanken Pferderücken eines Dreijährigen gleitet, und dieser sich von ihr entspannt über den Hals streichen lässt.
Dahinter steckt ein einfaches Prinzip: Einfühlungsvermögen, gepaart mit dem Wissen über die Psyche des Pferdes. "Pferde sind süchtig nach Entspannung", verrät Slavka. So könne man sie nach jeder erfolgreichen Übung damit belohnen, dass man sie völlig in Ruhe lasse.
Wer bei Slavka die Reitkunst lernen will, muss bereit sein, sich selbst zu begegnen - im Pferd. "Pferde sind unser Spiegelbild", sagt sie. Ein Mensch könne nur dann glaubhaft etwas von seinem Pferd verlangen, wenn er es selbst wirklich wolle. "Sage was du meinst und meine, was du sagst", zitiert sie einen gängigen Lehrsatz.
Das bedeutet: Jeden Schritt, den das Pferd gehen soll, müsse der Mensch in seinen Gedanken mitgehen. Er müsse genau wissen, wann er wie viele Schritte in exakt welche Richtung gehen wolle. Physisch äußert Slavka ihren Willen nur mit minimalen Gesten, mit Mimik oder durch leichten Druck mit der Hand. Sie wirkt dabei stets gelassen, ihre Bewegungen sind fließend.
Den Tieren genügen diese unauffälligen Anweisungen. Um ein Pferd zum Beispiel seitwärts treten zu lassen, genügt ihr ein Fingerzeig. Beim Natural Horsemanship hilft der Mensch dem Pferd laut Slavka dabei, seine Fähigkeiten zu entfalten: Er zwingt nicht, sondern schlägt vor, fördert statt zu fordern.
Viel Fingerspitzengefühl
Damit das funktioniert, ist viel Sensibilität und Fingerspitzengefühl gefragt. Slavka hört ihren Pferden zu, studiert jede kleinste Regung. Nur so könne sie im richtigen Moment mit Ruhe und Gespür reagieren, sagt sie.
Ihre Trainingsmethode sieht sie insofern auch nicht als Dressur, sondern als eine Form der Kommunikation zwischen Pferd und Reiter, die beinahe ohne physischen Druck auskomme. Möglich sei eine derart feine Bindung durchaus. Allerdings müsse der Mensch sich darauf einlassen. "Pferde sind unglaublich sensibel." Selbst die Bewegung eines Augapfels könne ein Pferd wahrnehmen.
Gerade hat Nadja Slavka sich als Trainerin selbstständig gemacht. Davor sammelte sie zehn Jahre lang Erfahrung in Neuseeland, Österreich und in der Schweiz. Jetzt ist sie in ihre Heimatstadt Dietzenbach zurückgekehrt.
Sie arbeitet auf Höfen in der ganzen Region mit den verschiedensten Pferde-Typen: vom unnahbaren "Problemtier" bis zum gut ausgebildeten Dressurpferd. Das Leben als Pferdetrainerin auf Abruf findet sie spannend, jedoch auch anstrengend. "Eigentlich wünsche ich mir einen festen Hof, auf dem ich mich verwirklichen kann", meint Slavka. "Das hat aber noch Zeit."
Nadja Slavka ist seit Februar 2009 Trainerin für Humanship und Natural Horsemanship in Neu-Isenburg und im Hochtaunuskreis. Mehr Infos unter www.nadjaslavka.de oder Telefon 0178 / 823 361 4.

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